Zweite Runde beim Fest der Freunde

Für die «Kilbi im Fall» spannen das Palace und das Bad Bonn in Düdingen erneut zusammen. Die befreundeten Veranstalter präsentieren an zwei Tagen in Grabenhalle und Palace über zwei Dutzend musikalische Gäste aus verschiedensten Stilrichtungen.

Andreas Stock
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Samstag in der Grabenhalle: Pyrit aka Thomas Kuratli. (Bild: pd)

Samstag in der Grabenhalle: Pyrit aka Thomas Kuratli. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Sie verstehen sich ausgesprochen gut, Damian Hohl vom Palace und Daniel Fontana vom Club Bad Bonn im freiburgischen Düdingen. Die beiden Programmverantwortlichen haben zusammen schon so manche Musikentdeckung in die Schweiz geholt. Im November 2014 feierten sie ihre Freundschaft mit dem zweitägigen Festival «Kilbi an der Grenze» in St. Gallen. Und Damian Hohl schwärmt heute noch von diesem Fest. Nicht allein von den zahlreichen guten Konzerten, sondern insbesondere auch von den freundschaftlichen Banden, die damals vertieft wurden. Nur logisch, dass so ein gelungenes Fest die Lust auf eine Wiederholung weckte.

Freude an Entdeckungen

Mit der «Kilbi im Fall» vom kommenden Wochenende findet die Kollaboration nun ihre Fortsetzung. Wiederum sind am Freitag und Samstag im Palace und in der Grabenhalle zahlreiche Musikerinnen und Musiker zu entdecken. Denn wer sich nicht gerade besonders gut mit den Seitenflüssen und wenig sichtbaren Unterläufen des musikalischen Mainstreams auskennt, dem werden die meisten Namen auf dem Programm wohl wenig sagen. Doch freilich gehört gerade dies immer auch wieder zur Motivation und Freude von Veranstaltern wie Bad Bonn und Palace: Sie möchten dem Publikum solche Entdeckungen und unerwarteten Konzerterlebnisse ermöglichen.

Ausserhalb von Stilschubladen

Stilistisch bietet die zweite «Kilbi» erneut einen kenntnisreichen Blick auf das aktuelle internationale Musikschaffen. Bands aus den USA, Kanada, Dänemark, Kongo, Holland, Grossbritannien, Deutschland und der Schweiz treffen in St. Gallen aufeinander. Und zeichnen sich durchgängig damit aus, dass sie sich nicht einfach in Genre-Schubladen stecken lassen. Vielmehr sind lustvolle Crossover sowie spannende Stilvermählungen das Verbindende der kaum vergleichbaren Musikerinnen und Musiker.

Singer-Songwriterin Jessica Pratt beispielsweise unterlegt traditionelle Folksongs, die sie mit Stimme und akustischer Gitarre interpretiert, mit elektronischen Schlenkern. Noch stärker nutzt ihre New Yorker Kollegin Alexandra Drechwin alias Eartheater den Folk als Ausgangspunkt für assoziative Ausflüge in Loops und Ambientschlenker.

Zurück aus Kinshasa

Zu Gast am Samstag ist mit Selvhenter eine der Entdeckungen an der diesjährigen «Kilbi» in Düdingen. Die fünfköpfige Frauenband aus Dänemark spielt wuchtigen Rock in ungewohnter Instrumentierung: Geige, Saxophon, Posaune und zwei Schlagzeuge. Hinter dem Post-Punk von Mbongwana Star verbirgt sich übrigens ein Teil der Band Staff Benda Bilili aus Kinshasa, die auch schon am Kulturfestival begeisterte.

Für beide Abende gilt ausserdem: Je später die Abend, umso mehr soll getanzt werden. Clubmusik und Dancefloor-Bands sowie DJs liefern den Soundtrack durch die Nacht. Aus Ostschweizer Sicht besonders spannend: Pyrit alias Thomas Kuratli (Thomaten und Beeren), der in der Grabenhalle sein Soloprojekt und erstes Album «Ufo» vorstellt. Als ein «Meisterwerk zwischen brachialer Kraft und filigranem Dunst» wurde es im Kulturmagazin «Saiten» bezeichnet.