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Vater und Sohn Mozart am Kirchenkonzert

Beide sind begeisterte Chorleiter und Kirchenmusiker: Josef und Lukas Bolt arbeiten mit ihren Chören zusammen und präsentieren an diesem Wochenende geistliche Musik von Vater Leopold und Sohn Wolfgang Amadeus Mozart.
Martin Preisser
Harmonisches Miteinander: Die beiden Kirchenmusiker Lukas und Josef Bolt in der katholischen Kirche Degersheim. (Bild: Thomas Hary)

Harmonisches Miteinander: Die beiden Kirchenmusiker Lukas und Josef Bolt in der katholischen Kirche Degersheim. (Bild: Thomas Hary)

Leopold Mozart hat in der Musikgeschichte keinen allzu guten Ruf. Oft wird er als sehr strenger Vater von Wolfgang Amadeus gesehen. Das Bild von Vater Mozart wollen Vater und Sohn Josef (aus St. Peterzell) und Lukas Bolt (aus Bächli) aber etwas korrigieren. «Der Vater war auch finanziell vom Erfolg des kleinen Wolfgang abhängig, er hat für die Karriere des Wunderkindes den eigenen Job aufgegeben», erzählt Lukas Bolt, mit 41 Jahren der Älteste von vier Kindern des 65-jährigen Josef Bolt.

«Leopold Mozart wird oft unterschätzt, er hat einige gute Werke hinterlassen. Und vieles, was heute als vom kleinen Wolfgang komponiert gilt, stammt vielleicht aus der Feder des Vaters», sagt Josef Bolt, frisch pensioniert und viele Jahre Leiter der Musikschule Gaiserwald. «Als Pädagoge und Kompositionslehrer verfügte Leopold über viel Geschick.»

«Gegenseitiger Respekt prägt das Projekt»

Vater und Sohn Bolt führen jetzt Vater und Sohn Mozart auf, mit dem katholischen Kirchenchor Degersheim und dem Coro veloce St. Gallen. Die beiden passionierten Kirchenmusiker und Chorleiter wirken harmonisch in der Zusammenarbeit. «Gegenseitiger Respekt prägt das Projekt, und ein entspanntes Miteinander», sagt Sohn Lukas, der 2016 seinen Master in Chorleitung an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen hat und heute den Stimmix-Popchor, den Chorkreis St.Gallen und die Chöre von Evangelisch-Tablat in St.Gallen leitet. Er freue sich vor allem immer, wenn er seinen Vater beim Dirigieren strahlen sehe, wenn er Freude und Zufriedenheit ausstrahle.

Josef Bolt wollte immer schon Chorleiter werden, die Eltern bestanden aber darauf, dass er zuerst einmal einen «richtigen» Beruf erlerne. Er wurde Lehrer und hat erst später in Luzern Schul- und Kirchenmusik studiert. Sohn Lukas hat es – freiwillig – seinem Vater nachgemacht und ist ebenfalls zuerst Lehrer geworden, lebt aber heute von der Musik.

Bei Markus Utz in Zürich hat Lukas Bolt gelernt, Chöre mit wenig Dirigierbewegungen zu leiten. Sein Studium bezeichnet er als Lebensschule.

«Ich habe gelernt loszulassen und richtig zu atmen. Das kann ich heute auf die Chöre übertragen. Ein Strahlen von mir kann da viel mehr erreichen als eine übertriebene Bewegung. Oft reicht ein Minimum an Gestik.»

Die Ruhe beim Chorleiten ist schon ein bisschen das, was der Vater dem Sohn heute abschaut. Exzentrisch habe er sicher nie dirigiert, sagt Josef Bolt, aber schon auch die grossen Bewegungen gemacht, um alle zum richtigen Einsatz zu motivieren.

Das Bild vom Dirigenten habe sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt, sagt Lukas Bolt. Heute gehe es mehr um ­pädagogische Ansätze als ums Dominieren vorne am Pult. Vater und Sohn lieben beide den Prozess der Entstehung eines Chorprogramms. «Wir brauchen nicht die Bühne als wichtigste Motivation.» Wenn Menschen in einer Chorprobe zur Ruhe kommen, dann ist für Lukas Bolt ein Abend gelungen. «Ich möchte den Chor mit meiner eigenen musikalischen Neugier anstecken», sagt der Sohn. Das sieht auch der Vater so:

«Chorsingen hat mit Wellness zu tun, es lädt mit Energie auf und erdet.»

Josef Bolt setzt auf seine Erfahrung, und doch merkt man, dass er gerne an das Wissen andockt, das sein Sohn aus dem Studium mitbringt. «Am Ende des Studiums weiss man am meisten, dann geht das Wissen zurück, die Erfahrung wächst», sagt Josef Bolt. Lukas widerspricht: Für ihn ginge der Wissensprozess jetzt erst richtig los. Gedrängt hat ihn der Vater nie zum Musikerberuf, aber ihm auch nicht abgeraten.

Der junge Lukas durfte schon früh die Chöre seines Vaters am Klavier begleiten. Chormusik war immer präsent. «Ich kam einfach früh mit dem Chorklang in Kontakt», erzählt Lukas Bolt, der sich im Moment freut, dass in seiner St. Galler Pfarrei Tablat das Engagement für Kirchenmusik deutlich gefördert wird.

Konzerte: 10.11., 19.30 Uhr, ev. Kirche St. Gallen-Heiligkreuz; 11.11., 17 Uhr, kath. Kirche Degersheim

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