Zweikampf der Shooter: Ist das neue «Doom» oder das neue«Half-Life» besser? Wir sind uns nicht einig.

«Doom» und «Half-Life»: Das ist für die Game-Geschichte wie die Beatles und die Rolling Stones. Nun erscheinen von beiden Klassikern Neuauflagen. Was taugen Sie?

Tomislav Bezmalinovic
und Marc Bodmer
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Auf Tempo: Doom Eternal.

Auf Tempo: Doom Eternal.

Screenshot
Beklemmend: Half-Life Alyx

Beklemmend: Half-Life Alyx

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Welches der beiden Games besser ist, darüber streiten sich die Fans. Klar ist aber: «Doom» war zuerst. 1993 erschienen und millionenfach verkauft, trug es entscheidend dazu bei, 3D-Echtzeitgrafik als Videospielstandard zu etablieren. Heute gilt «Doom» als Ursprung und Inbegriff des schnellen Ego-Shooters. Im Spiel schlüpft man in die Rolle eines Weltraumsoldaten, der auf dem Planeten Mars gegen Dämonen aus der Hölle kämpft. Die Story klingt nicht nur nach Trash, sie ist es auch. An diesem einfachen Erzählschema änderte sich in den nächsten Jahren kaum etwas.

Dann kam «Half-Life». Das Game gab dem Genre 1998 neue Impulse: Es erzählte eine zusammenhängende Geschichte innerhalb einer glaubhaft inszenierten Spielwelt. Damit wurde das Spiel zum Vorläufer des modernen, narrativen Ego-Shooters. Die 2004 erschienene Fortsetzung «Half-Life 2» war ähnlich bahnbrechend durch seine Physiksimulation, Gesichtsanimationen und künstliche Intelligenz.

Nun erscheinen von beiden Spielen Nachfolger. Doch welches Spiel ist besser? Wir sind uns noch immer nicht einig.

Das Tor zur Hölle ist offen

Screenshot:Doom

Während Jahrzehnten diktierten die «Doom»-Spiele von id Software die Anforderungen an die Computer-Hardware. Nur die besten Komponenten konnten den schnellen Shooter flüssig wiederzugeben. Dieses Diktat ist in den Hintergrund getreten, geblieben ist die Schnelligkeit des Spiels.

«Doom Eternal» öffnet vier Jahre nach dem Relaunch der Franchise die Tore zur Hölle erneut. Als Doom Slayer tritt man Wellen von Monstern und infernalen Ausgeburten entgegen. Dabei gilt es haushälterisch mit der Munition umzugehen, was in Anbetracht der Horden alles andere als einfach ist. Die instinktive Strategie: Zögerliches Vorgehen – wer mag, kann «Doom Eternal» auch als Allegorie zur Corona-Krise sehen.

Doch der traditionelle Metal-Soundtrack treibt einem ebenso vorwärts, wie die Eigenschaft, dass man kurz vor dem Ableben so genannte «glory kills» ausführen kann. Diese Innovation ist nicht nur grauslich, die platt gemachten Kreaturen geben auch heilende Lebensenergie aus. So kann also mit etwas Geschick doch weitergespielt werden. Die Vielzahl von Kreaturen verlangt nach unterschiedlichen Herangehensweisen, und so bleibt Pepp im Geballer.

Mit «Doom Eternal» legt id Software einen Meilenstein in der 27-jährigen Geschichte der Franchise und lässt Nostalgiker frohlocken. Neueinsteiger mögen sich an der bisweilen kindischen Ästhetik stossen, aber auch sie müssen eingestehen, dass kaum ein anderer Shooter-Titel dem technischen Raffinement und dem höllischen Tempo von «Doom Eternal» das Wasser reichen kann.
Marc Bodmer

Doom Eternal, id Software/Bethesda Softworks, PC/PS4/Stadia/Xbox One. Ab 18 Jahren.

So real, wie nie zuvor

Screenshot_ Half-Life Alyx

Zwölf Jahre mussten Fans auf einen neuen Half-Life-Titel warten. Mit «Half-Life: Alyx» feiert die Spielereihe des legendären Entwicklerstudios Valve eine ebenso ungewöhnliche wie spektakuläre Rückkehr. Die Handlung spielt vor den Ereignissen des zweiten Teils. In der Rolle der jungen Widerstandskämpferin «Alyx» schlägt man sich durch die Ruinen einer fiktiven postsowjetischen Stadt und sucht nach einer Waffe gegen die ausserirdischen Aggressoren, welche die Menschheit unterjocht und unter Quarantäne gestellt haben.

Das Besondere an «Half-Life: Alyx»: Es wurde von Grund auf für Virtual Reality entwickelt und ermöglicht damit ein neues Spielerlebnis. VR-Brille und Controller holen Körper und Hände ins Spiel: So geht man physisch vor den Kugeln der Gegner in Deckung statt einen Knopf zu drücken und nutzt seine Hände, um mit der Spielwelt zu interagieren. Die Rechnung der Entwickler geht auf: Nie zuvor wirkte ein Videospiel so real.

In Sachen Spielmechanik wird der Ego-Shooter nicht neu erfunden. Das Frische besteht darin, wie gespielt wird. In dieser Hinsicht gelingt es Valve einmal mehr, das Medium weiterzuentwickeln.

Wie viele Spieler an der VR-Revolution teilnehmen werden, ist indes unklar. Die Einstiegshürden sind immer noch hoch: Wer «Half-Life: Alyx» spielen möchte, braucht einen schnellen Rechner und eine PC-kompatible VR-Brille. Die Valve Index gilt als derzeit bestes VR-System, ist mit über tausend Franken jedoch recht teuer. Eine günstigere, aber gute Alternative ist die Oculus Rift S, die man für die Hälfte dieses Preises bekommt.
Tomislav Bezmalinovic

«Half-Life Alyx, Velve, PC. Ab 18. Jahren.