Zwei Thurgauer in Konstanz: Sie bringen Musik und frischen Wind ins Theater

Nichts gegen Frauenfeld, aber Konstanz sei wie Ferien: Frédéric und Franziska Bolli sind in der süddeutschen Stadt heimisch geworden. Und arbeiten zur Zeit sogar beide am Theater Konstanz. 

Margrith Pfister-Kübler
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Frédéric und Franziska Bolli: Er komponiert für das Theater Konstanz, sie arbeitet dort jetzt als Dramaturgin.

Frédéric und Franziska Bolli: Er komponiert für das Theater Konstanz, sie arbeitet dort jetzt als Dramaturgin.

Bild: Reto Martin

«Mir gefällt es hier, ich bin oft hier, nahe von Zuhause und vom Theater», sagt Frédéric Bolli und grüsst Bekannte im Rosgarten-Museumscafé in der Altstadt Konstanz. Frédéric Bolli, Komponist, Arrangeur und Sänger, früher Mathelehrer an der Kanti Frauenfeld, kommt direkt von seinem Zuhause an der Inselgasse in Konstanz.

Der Wohnort Kantonshauptstadt Thurgau, das war einmal. «Nichts gegen Frauenfeld. Aber Konstanz ist wie Ferien», sagt der 66-jährige Bolli. Als Künstler hat er einiges erreicht. «Man kann googeln», wiegelt er ab und rührt in seinem Cappuccino, verzieht dem Schoggiherz die Konturen.

Er blickt gerade auf die Uraufführung am Theater Konstanz, die «Bremer Stadtmusikanten», zurück. Bolli hat die Musik geschrieben und auch die musikalische Leitung liegt bei ihm. Die Bühnenfassung stammt von Intendant Christoph Nix.

Der Esel ist bei ihm eine Geige

Frédéric Bolli freut sich über die Rezensionen, zitiert die Thurgauer Zeitung: «Die Inszenierung von Michael Bleiziffer lebt vom fröhlich agierenden Ensemble, das sich auch der live gespielten Musik des Thurgauers Frédéric Bolli gesanglich annimmt.» Und im Südkurier heisst es: Ein Quartett verleiht dem Stück «mit zirzensisch-volkstümlich anmutender Musik einen Revue-Charakter».

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? «In einer Konstanzer Gruppe haben wir Märchen psychoanalytisch durchleuchtet. Christoph Nix hat mich einfach gefragt. Die Idee hat bei mir sofort Klick gemacht und ich begann zu komponieren», sagt Bolli und strahlt mit welschem Charme. Den bekam er in die Wiege gelegt. Er ist in La Chaux-de-Fonds geboren.

Als Kind habe er die Bremer Stadtmusikanten gar nicht gekannt. Wenn er vom Märchen spricht, begeistern ihn der Mut, die Kraft der Freundschaft und wie diese Vierbeiner ihr Leben meistern. Bolli vollführt leicht kreisende Bewegungen mit seinen Schulterblättern, zeigt sich hingerissen vom Esel, vom Hund, der Katze und dem Hahn. Er sagt: «Ja, es waren alle erstaunt, dass bei mir der Esel eine Geige ist.» Die Oboe ist der Hahn, die Bratsche der Hund und die Bassklarinette die Katze.

Für «Die Bremer Stadtmusikanten» am Theater Konstanz komponierte Frédéric Bolli die Musik.

Für «Die Bremer Stadtmusikanten» am Theater Konstanz komponierte Frédéric Bolli die Musik. 

Bild: Ilja Mess

Was steckt in der Pipeline? «Thuba-Comedian», sagt Frédéric Bolli. Thu für Thurgau, Ba für Bayern, ein Konzertprojekt.

Im AHV-Alter ein neuer Job

Und schon verändert sich der Kaffee-Treff. Ehefrau Franziska Bolli weht herein, frisch wie der Dezemberwind, direkt vom Stadttheater. Sie ist neu in der Dramaturgie unterwegs. «Und das im AHV-Alter», sagt sie und lacht. In ihrem Rucksack stecken: Germanistik, Literaturkritik und Italienisch, Mitbegründerin eines Kleintheaters, Sängerin, Ensemble Musicaldente, sie übersetzt italienische Literatur ins Deutsche, so auch «Espresso mit Herz» von Luciano de Crescenszo in der dtv-Reihe.

«Ich arbeite als freie Lektorin und ganz neu in der Dramaturgie des Stadttheaters Konstanz», strahlt sie. Weil Intendant Nix Konstanz bald verlässt, waren gleich drei Stellen in der Dramaturgie neu zu besetzen. «Für ein Jahr bin ich dabei. Und das war keine Vetterliwirtschaft. Ich wurde angefragt», sagt sie. Ihr Kerngeschäft ist der Text, von innen und aussen. Ihre Humorbegabung drückt durch: Sie trinke Kaffee nur dort, wo er gut ist. «Es ist der Duft», schwärmt sie.

«Für mich ist sie jetzt die Drama-Thurgauerin», lacht der Ehemann und neckt mit abenteuerlichen Arbeitszeiten von Franziska. Sie sagt: «Noch nie habe ich so heftig geschafft wie jetzt. Das ist total schön.» Er koche jetzt häufig, gesteht Frédéric Bolli. Kartoffelsalat mit Wienerli bestellt Franziska Bolli im Café, schon wieder auf dem Sprung ins Theater.

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Dieter Langhart