Zwei St.Galler Schwestern gestalten Kostüme und Bühnenbilder für die ganze Schweiz

Kathrin und Simone Baumberger arbeiten seit 20 Jahren als Kostümdesignerinnen und Bühnenbildnerin in der Schweizer Theaterszene. 

Nina Rudnicki
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Mit Herzblut fürs Theater: Die Schwestern Kathrin und Simone Baumberger.

Mit Herzblut fürs Theater: Die Schwestern Kathrin und Simone Baumberger.

Bild: PD/Thomas Buchwalder

Für das Treffen haben sich Kathrin und Simone Baumberger das Café Roggwiler in der St.Galler Multergasse ausgesucht. Mit dem roten Teppich, den Stoffwänden, den Ziervorhängen und den goldenen Bilderrahmen wirkt das Café wie aus der Zeit gefallen. «Ich liebe diesen Stil. Alles sieht theatralisch aus und in allem steckt Geschichte», sagt Simone Baumberger.

Über Stoffe und Kulissen Geschichten zu erzählen, ist das Handwerk von Simone und Kathrin Baumberger. Die beiden St. Galler Schwestern arbeiten seit über zwanzig Jahren als Bühnenbildnerin und Kostümdesignerin in der Schweizer Theaterszene zusammen. Dabei waren sie schon für die kreative Umsetzung von Grossproduktionen wie Freilichtspielen, Opern und Musicals mit über hundert Darstellern bis zu kleinen Kabarettstücken verantwortlich.

Aktuell befinden sie sich in der Endphase der Vorbereitungen des Musicals «Der Löwe, der nicht schreiben konnte» im Bernhard Theater Zürich. Das Familienstück nach dem deutschen Kinderbuch von Martin Baltscheit erzählt die Geschichte von einem Löwen, der sich verliebt hat und einen Liebesbrief schreiben möchte, allerdings nicht schreiben kann. Premiere ist heute Abend.

Kaum Streit unter Schwestern

«Das Spezielle an Kostümen für Kinderstücke mit Tieren ist, dass sie einerseits an das Tier erinnern, andererseits aber auch den menschlichen Charakter widerspiegeln müssen», sagt Kathrin Baumberger. Ihr Löwe, der im Stück der Coole ist, trägt daher eine Goldkette und eine Bomberjacke und hat die Haare zu einer wilden Mähne frisiert.

«Ausserdem müssen in Kinderstücken mehr überraschende Details versteckt sein, welche die Kinder ins Staunen versetzen. Auch meine Bühnenbilder sind bunter als in Stücken für Erwachsene», sagt Simone Baumberger.

Kathrin Baumberger erzählt von den Vorteilen, in der Theater- und Showbranche jeden Tag mir der eigenen Schwester zusammenarbeiten zu können. Jeden Tag, das beinhaltet gerade in den Phasen vor Premieren auch lange Tage und Einsätze an den Wochenenden:

«Wir sind miteinander so vertraut, dass wir nicht lange diskutieren müssen und auch nicht beleidigt sind, wenn eine von uns einen etwas forscheren Ton anschlägt.»

Simone Baumberger erwähnt den Zeitdruck, der es umso notwendiger mache, ein eingespieltes Team zu sein. Und dann betonen beide das Herzblut und die Leidenschaft, die sie in ihre Tätigkeit rund um ihr gemeinsames Kostüm- und Bühnenbildatelier in Zürich stecken.

Nach Zürich hat es Kathrin und Simone Baumberger bereits vor über zwanzig Jahren gezogen. Damals waren die beiden Mitte Zwanzig. Kathrin Baumberger hatte ihr Modedesignstudium an der Schule für Gestaltung Zürich in Zürich abgeschlossen. Simone Baumberger kehrte gerade aus London zurück. Dort hatte sie am Central Saint Martins College of Art and Design, das auch bekannte Modedesigner wie Alexander McQueen oder Stella McCartney absolvierten, Theaterdesign studiert.

Nach Au im Rheintal, wo die Schwestern aufgewachsen waren, kehrten sie nicht zurück. In St. Gallen hatten sie zwar eine Lehre als Dekorationsgestalterin beziehungsweise als Bekleidungsgestalterin absolviert, nach dem Studium hatte sich ihr Netzwerk aber nach Zürich verlagert.

Heute ist Kathrin Baumberger Mitinhaberin des Couture-Ateliers und Bekleidungsgeschäfts Manufaktur in St.Gallen und führt das Theateratelier der Firma in Zürich. Simone Baumberger ist selbstständige Bühnenbildnerin. Zu den grössten Erfolgen der beiden gehören zwei Nominationen für den deutschen Musicalpreis: 2016 mit dem Musical «Mein Name ist Eugen» in der Sparte Bestes Kostüm- und Maskenbild, 2019 dann mit «Supermarkt Ladies» als beste Bühnenproduktion. 2017 erhielten die Schwestern ausserdem für das Musical «Cabaret» den Prix Walo in der Sparte Bühnenproduktion.

Zu zweit bei Sister Act

Erfolg haben ist das eine. «Genauso gab es zu Beginn unseres Schaffens Jahre, in denen keine Projekte anstanden und wir nicht wussten, wie es weitergehen würde», sagt Simone Baumberger. Auch damit müsse man lernen umzugehen.

In diesem Jahr hingegen ist der Zeitplan straff: Sobald das Löwenmusical Anfang Mai 2020 abgespielt ist, sind die Schwestern für das Stück «Der schwarze Hecht» am Stadttheater Schaffhausen eingespannt. Im Oktober wird am Bernhardtheater in Zürich «Sister Act» inszeniert, bei dem sie erneut als Kostümdesignerin und Bühnenbildnerin zusammenarbeiten – ein Stück, das vom Namen her perfekt zu den beiden passt.