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Roman von Luzernerin Angelika Waldis: Zwei ohne Zukunft finden einander und brechen aus

Wie passen eine alte Frau und ein junger Todkranker zusammen? Die gebürtige Luzernerin Angelika Waldis erzählt davon nicht nur gefühlsstark, sondern auch geistreich und mit erstaunlich viel Humor.
Arno Renggli
Angelika Waldis (78) versetzt sich erzählerisch auch in die Haut eines jungen Mannes. (Bild: Dominique Schütz)

Angelika Waldis (78) versetzt sich erzählerisch auch in die Haut eines jungen Mannes. (Bild: Dominique Schütz)

Das Leben meint es endlich gut mit dem jungen Lazar, genannt Lazy. Vor allem seit er eine tolle Freundin hat. Dann ist auf einmal alles weg – die Gesundheit, die Zukunft, die Liebe. Lazy hat Leukämie, alles dreht sich um Schmerzen, Erbrechen, Kraftlosigkeit, Medikamente, Spital, Behandlungen, bittere Enttäuschungen über deren Misserfolge.

Auch die betagte Vita Maier, die im gleichen Haus wie Lazy wohnt, ist quasi am Ende: Ihr Mann ist tot, ihr Sohn lebt in Australien, ihr Alter macht ihr körperlich und seelisch zu schaffen. Allzu viel, wofür sich die Mühe noch lohnt, sieht sie nicht mehr.

Dass die zwei etwas aneinander finden könnten, leuchtet zunächst wenig ein. Vor allem ihnen selber. Doch allmählich bemerken sie nicht nur die Parallelen ihrer beschwerlichen Lebenssituationen, sondern auch charakterliche Kompatibilitäten. Daraus entsteht eine Freundschaft, die sich im frustrierenden Kampf gegen Lazys Krankheit bewährt, später dann auch auf einem leicht surrealen gemeinsamen Trip in die Türkei. Und vor allem, als die beiden einen trotzigen ultimativen Plan fassen.

Wechselnde Erzählperspektiven

Man könnte gegen das Buch einwenden, dass die Entwicklung der Freundschaft von Vita und Lazy vorhersehbar ist. Doch vor allem berührt sie. Wohl auch, weil sie fernab von Kriterien wie äusserliche Kraft und Schönheit geschieht. Angelika Waldis wechselt die Erzählperspektiven von Vita und Lazy ab, erstere wirkt sehr authentisch, letztere eine Spur literarischer, womit die Autorin klugerweise die eigene Nähe zur jungen Figur nicht überstrapaziert.

Wunderbar ist auch der Humor, der die beiden verbindet. Sowie der Reichtum an Gedanken und schönen Formulierungen im Buch, die in einer Dichte kommen, dass kaum ein Satz sich nicht zu lesen lohnt. So etwa die «Leben ist... »-Definitionen, mit denen Lazy und Vita wetteifern. «Leben ist, wenn man Sterben das Letzte findet», sinniert Vita zum Beispiel. Die Liebe zum Spiel mit Worten und sinnreichen Gedanken teilt sie mit Lazy. Und natürlich auch mit der Autorin.

Andrea Waldis: Ich komme mit. Wunderraum, 224 S., Fr. 30.–

«Tonfall schwierig zu treffen»

Angelika Waldis, Ihre Protagonistin und Sie sind ja in etwa in der gleichen Altersgruppe. Hat der Roman also autobiografische Bezüge?

Nein, zwar sind wir beide alt, aber ich lebe immer noch gern, hab’s gut mit Ehemann, gut mit Kindern und Enkelkindern sowie ziemlich gut mit mir selber.

Wie gingen Sie es an, auch aus der Sicht eines jungen Mannes zu schreiben?

Ich kann mich allgemein gut in andere Menschen versetzen. Zumindest meine ich das. Ich glaube, ein bisschen zu spüren, was in meinen Enkeln vorgeht. Die sind 18, 15 und 13. Zudem war ich auch mal in diesem Alter, wenn auch nicht als Mann und nicht in diesem Jahrhundert. Aber Grundgefühle wie Liebe, Scham, Schuld oder Angst waren und sind wohl allen Jugendlichen gemeinsam. Etwas schwierig war es, den richtigen Tonfall zu treffen. Ich habe bewusst eine anbiedernde Jugendsprache vermieden.

Die ungleichen Protagonisten haben ja gemeinsam, dass sie nicht mehr lange leben bzw. genug von ihrem Leben haben. Was noch?

Ziemlich viel: zum Beispiel Erfahrung im Alleinsein, gegenseitiges Misstrauen am Anfang, dann Neugier an der Frage, was Leben ausmacht, Neugier aneinander, später Zuneigung und immer wieder Galgenhumor. (are)

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