Zwei Grosse schreiben

LESBAR AMERIKA

Bernadette Conrad
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Bild: Bernadette Conrad

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Es ist hochinteressant, die Korrespondenz der beiden grossen amerikanischen Schriftsteller Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald von ihrem Kennenlernen 1925 bis kurz vor Fitzgeralds Tod 1940 zu verfolgen. Herausgeber Benjamin Lebert hat die Briefe in chronologischer Ordnung zusammengestellt – und die Fitzgeralds erstmalig ins Deutsche übersetzt. In seiner 15seitigen Einleitung wirft er einen frischen, fast reporterhaften Blick auf die bewunderten Schriftsteller, den «schmallippig blonden» sensiblen «Fitz» und den Kraftprotz «Hem», die sich 1925 in der Pariser «Dingo Bar» kennenlernten und von da an «willentlich in den Bann der schöpferischen Kraft des jeweils anderen» gerieten. Mitunter nur verliert Lebert völlig die professionelle Distanz und beschönigt zu viel. Wenn die Autoren einander ermutigten, wussten sie, warum. «Mach weiter und schreib. Jedenfalls mag ich dich ungeheuer, und ich hätte gern ab und zu mal die Möglichkeit, mit dir zu reden», schreibt Hemingway an Fitzgerald im Mai 1934.

Ernest Hemingway/F. Scott Fitzgerald: Wir sind verdammt lausige Akrobaten. Eine Freundschaft in Briefen, Hoffmann und Campe 2013, 159 S., Fr. 28.90.

Ein Grosser entdeckt

Man könnte Sloan Wilsons 1955 erschienenes Buch als ein in einem Familienroman verstecktes Kriegs-, besser: Anti-Kriegs-Buch sehen. In Tom Rath, der mit seiner Frau Betsy nicht darüber spricht, dass er vor ein paar Jahren als junger Soldat im Zweiten Weltkrieg 17 Menschen getötet hat, noch darüber, dass er in Europa eine Geliebte hatte, spiegelt sich die Erschütterung darüber, was Krieg aus einem Menschen macht. Langsam geht Tom auf, dass er als «alter Mann» und durch einen Abgrund an Erfahrungen von seiner Frau getrennt, aus dem Krieg gekommen ist. Lesend erhält man in der Übersetzung von Eike Schönfeld eine Ahnung von der vielbeschriebenen Sprachlosigkeit der Veteranen – dass es ein Verstummen vor etwas ist, für das es keine Sprache gibt; erst recht nicht denen gegenüber, die weiter in einem friedlich behüteten Alltag gelebt haben.

Sloan Wilson: Der Mann im grauen Flanell, Dumont 2013, 446 S., Fr. 31.50.

Bild: Bernadette Conrad

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