Zwei bayrische Saftwurzeln

Herrschaftszeiten, welch prächtige Fügung des Zufalls! In einem zu dieser Jahreszeit gewohnt dichten Veranstaltungskalender kommen innert gut zehn Tagen mit Konstantin Wecker und Gerhard Polt gleich zwei grosse Künstler aus dem nachbarlichen Freistaat in die St.

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Herrschaftszeiten, welch prächtige Fügung des Zufalls! In einem zu dieser Jahreszeit gewohnt dichten Veranstaltungskalender kommen innert gut zehn Tagen mit Konstantin Wecker und Gerhard Polt gleich zwei grosse Künstler aus dem nachbarlichen Freistaat in die St. Galler Tonhalle: Wecker mit Band am 3. Dezember, Polt mit den Biermösl Blosn am 14. Dezember. Beide kennt man als bayrische Saftwurzeln; beide sind sie wunderbare, des pointierten Wortes mächtige Entertainer, jeder auf seinem Gebiet seit Jahrzehnten eine feste Grösse. Und beide sind sie auch in St. Gallen hochgeschätzte und sehr gern gesehene Gäste, die eigentlich stets vor vollem Hause spielen.

Abfent, Abfent

Gerhard Polt und die Biermösl Blosn begeisterten letztmals vor drei Jahren in der ausverkauften Tonhalle – ebenfalls im Dezember. Es dürfte also nicht überraschen, wenn Polt wieder mit beissender Ironie auf das rituelle, vorweihnachtliche Pflichtprogramm blickt, und dabei einer seiner «Weihnachts-Klassiker» – «Nikolausi» oder «Abfent, Abfent» – zu hören wäre. Doch für bitterbösen Spott und scharfzüngigen Furor finden seine grantigen, polternden Bühnenfiguren noch Grund genug: Zusammen mit «seiner» bayrischen Combo wird Gerhard Polt in satirischen Liedern weiteren menschlichen Unzulänglichkeiten und ökonomischen, politischen und menschlichen Krisen den Marsch blasen.

Mit neuem Album unterwegs

Nachdem Konstantin Wecker mehrere Jahre nicht mehr in der Ostschweiz zu Besuch war, wartete man diesmal nur ziemlich genau ein Jahr seit seinem letzten Auftritt in der Tonhalle. Damals im Duo, kehrt der deutsche Liedermacher diesmal mit einer Band zurück. Auf seiner aktuellen Tour «Wut und Zärtlichkeit» stellt Konstantin Wecker sein neues, gleichnamiges Album vor; es ist diesen August erschienen. Sechs Jahre sind vergangen seit dem letzten Wecker-Album; die 24 Lieder seiner neuen Platte hat der Musiker nach eigener Aussage innert eines Monats in der Toscana geschrieben. Es ist ein typisches Wecker-Album geworden, das poetisch und politisch, zärtlich und trotzig, mit ruhigen Liebesliedern berührt, und immer wieder auch wütend-rockig gesellschaftliche und politische Zustände anprangert.

Viele lustige Lieder

«Zwischen Zärtlichkeit und Wut fasse ich zum Leben Mut», singt Wecker im Titelstück und beschreibt damit nicht nur einen Kern seines Schaffens. Es umfasst ebenso, was wohl auch seine Fans an ihm besonders schätzen: dass der Sänger nicht aufs Maul sitzt mit seiner Meinung, aber dabei als kritische Stimme nicht resigniert hat, sondern Mut machen will.

«Diesmal sind viele lustige Lieder mit dabei», sagt Konstantin Wecker zu den neuen Songs; dazu zählt «Das Lächeln meiner Kanzlerin», einem Wecker'schen Blick ins Merkel'sche Décolleté. «Wir leben in Zeiten, in denen man sich über manches eigentlich nur noch lustig machen kann», sagt Konstantin Wecker. Diese Einschätzung teilt er offensichtlich mit Satiriker Polt. (as)

Konstantin Wecker, Sa, 3.12., Tonhalle, 20 Uhr; VV: Ticketcorner Gerhard Polt und Biermösl Blosn, Mi, 14.12., Tonhalle, 19.30 Uhr; VV: Starticket