Zwei Ausflüge zu den Skulpturen

Kunst in der Natur oder im öffentlichen Raum zu geniessen ist bei sommerlichen Temperaturen besonders reizvoll. Zwei Skulpturenausstellungen – eine in Winterthur, eine in Bad Ragaz – bieten sich für einen Besuch an. Ein Vergleich.

Christina Genova
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Im Kulturort Weiertal geht Christian Gonzenbachs Dromedar übers Wasser, und Christian Herdeg bringt mit seiner Lichtinstallation die Datscha zum Schweben. (Bilder: pd)

Im Kulturort Weiertal geht Christian Gonzenbachs Dromedar übers Wasser, und Christian Herdeg bringt mit seiner Lichtinstallation die Datscha zum Schweben. (Bilder: pd)

WINTERTHUR/BAD RAGAZ. Im Sommer haben nicht nur Open Airs und Festspiele Saison. Auch die bildende Kunst verlässt gern das Museum und sucht sich einen Platz unter dem freien Himmel. Zwei Freiluftausstellungen werden im Folgenden vorgestellt und verglichen: die Skulpturenbiennale im Kulturort Weiertal in Winterthur und die Skulpturentriennale Bad Ragartz in Bad Ragaz.

Die Standorte

Der Kulturort Weiertal befindet sich in einem Park mit Weihern, Bachläufen und einem Obstgarten – eine pure Idylle. Um das kleine Paradies mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen, muss man vom Bahnhof Winterthur-Wülflingen aus den Hinweisschildern folgen und zwanzig Minuten bergauf gehen.

Die Bad Ragartz findet in und um das Dorf Bad Ragaz statt. Alle Kunstwerke sind zu Fuss gut erreichbar. Ein Teil der Skulpturen wird auch in Vaduz ausgestellt. Landschaftlich am reizvollsten ist der Giessensee, wo es zahlreiche Skulpturen in und am Wasser zu entdecken gibt. Gar nicht paradiesisch geht es hingegen an der stark befahrenen Maienfelderstrasse zu und her, wo beidseits der Strasse ebenfalls Skulpturen aufgestellt sind. Im herausgeputzten Kurpark bei den beiden Fünf-Sterne-Hotels scheint die Kunst vor allem dekorative Zwecke zu erfüllen.

Die Künstler

Die Bad Ragartz bezeichnet sich als Europas grösster Skulpturenpark. Dieses Jahr wurden 90 Künstler aus 13 Ländern eingeladen, ihre Werke unter dem Motto «sehen – verstehen – lieben» zu präsentieren. Bekannte Namen sucht man darunter fast vergeblich; zu den Ausnahmen zählen Hans Josephson und H. R. Giger. Mit Arturo Di Maria, Beate Frommelt (FL), Markus Graf, Marcus Messmer und Hans Thomann sind nur wenige Künstler aus der Ostschweiz vertreten. Auffallend viele Kunstschaffende zeigen Werke, die an der klassischen Moderne orientiert sind; gepflegt wird mehrheitlich ein konventioneller Skulpturbegriff. Entsprechend hält sich auch bezüglich der Materialien die Experimentierfreude in Grenzen: Bevorzugt werden Stein, Bronze, Eisen und Holz.

Am Kulturort Weiertal setzt man ausschliesslich auf Kunstschaffende aus der Schweiz, darunter sind bekannte Namen wie Not Vital, Daniel Spoerri oder Mario Sala. Dreissig Künstler wurden eingeladen, Werke zum Thema «Ein Sommertagtraum» einzureichen, darunter fünf aus der Romandie. Aus der Ostschweiz stammen Beni Bischof, Alex Hanimann, Manon, Ursula Palla und Judit Villiger. Die Biennale will das Verständnis für neue künstlerische Ausdrucksformen fördern. Mit Installationen, kinetischen Werken, Video-, Audio- und Lichtkunst pflegt man einen erweiterten Skulpturbegriff. Alle Arbeiten wurden speziell für einen bestimmten Standort ausgewählt und sind grösstenteils neu.

Künstlerische Höhepunkte

Viele Künstler im Kulturort Weiertal versuchen die Idylle zu unterlaufen. Dazu gehört auch Katharina Henking mit ihrer Hängeinstallation «Schwarze Witwe», die aus Gummibändern besteht, oder Reto Boller, der vier rostige Stahlplatten aus dem Baubereich auf die grüne Wiese gelegt hat. Das Gartenhäuschen mit dem farbigen Leuchtröhrenteppich von Christian Herdeg hingegen scheint demnächst ins Morgenland abzuheben.

An der Bad Ragartz hat die Liechtensteiner Künstlerin Beate Frommelt es den Spinnen gleichgetan und in einem Birkenwäldchen ein Netz gesponnen. Bei den Kindern besonders gut angekommen sind die begehbaren Skulpturen: Jene von Maboart.ch verbindet Poesie mit Kunst und eröffnet rot getönte Ausblicke in die Umgebung. Werner Bitzigeios Werk aus Betonstahlmatten kann über eine Treppe bestiegen werden.

Die Organisatoren

Die Biennale im Kulturort Weiertal wird kuratiert von Guido Magnaguagno. Der Kurator, der in St. Gallen aufgewachsen ist, war Direktor des Museums Tinguely in Basel. Die künstlerische Leitung obliegt Ulla Rohr und Maja von Meiss.

Die Bad Ragartz wird zum sechsten Mal kuratiert und organisiert von Esther und Rolf Hohmeister. Letzterer ist hauptberuflich Chefarzt der Rheumatologie im Grand Resort Bad Ragaz.

Biennale Weiertal: bis 13.9., Eintritt 10 Fr. Mi–Sa 14–18, Fr 14–22, So 11–17 Uhr, mit Bistro. Bad Ragartz: bis 1.11. jederzeit zugänglich, Eintritt kostenlos.

Im Kurpark Bad Ragaz rostet Pieter Obels Spirale vor sich hin, und am nahen Giessensee weidet eine Herde blauer Schafe. (Bilder: Christina Genova und Werner Fetzer)

Im Kurpark Bad Ragaz rostet Pieter Obels Spirale vor sich hin, und am nahen Giessensee weidet eine Herde blauer Schafe. (Bilder: Christina Genova und Werner Fetzer)

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