Zur Feier des Jahres

Zu ihrem 50. Geburtstag unternehmen die Solothurner Filmtage eine Tour in sechs Schweizer Städte. Das Programm mit drei Filmen wird in Anwesenheit von Filmschaffenden sowie von Direktorin Seraina Rohrer präsentiert.

Andreas Stock
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Die charmante Komödie «Pause» von Mathieu Urfer ist auf der Solothurner Jubiläumstour als Vorpremiere zu sehen. Szene mit Baptiste Gilliéron und Julia Faure. (Bild: pd/Filmcoopi)

Die charmante Komödie «Pause» von Mathieu Urfer ist auf der Solothurner Jubiläumstour als Vorpremiere zu sehen. Szene mit Baptiste Gilliéron und Julia Faure. (Bild: pd/Filmcoopi)

ST. GALLEN. Die Filmtage Solothurn sind am Mittwoch im Kinok zu Gast. «Wir verlängern mit einer kleinen Tour in vier Städte der Deutschschweiz und zwei in der Romandie unser Jubiläumsprogramm», sagt Seraina Rohrer, die Direktorin der Filmtage am Telefon. Neben zwei Schweizer Filmen, die in der Vergangenheit intensiv diskutiert wurden, ist die Vorpremiere eines neuen Films aus der Westschweiz zu erleben. «Wir wollten nicht ausschliesslich historische Filme zeigen, sondern die Filme in einen Dialog mit aktuellen Filmen stellen», sagt Rohrer. Die Beschränkung auf drei Filme sei schwierig gewesen, habe aber auch nicht den Anspruch, einen Überblicks-Charakter der Filmtage zu geben. «Es ist eher eine exemplarische Wahl.»

Beispielhaftes von Yersin

Eine Einschränkung war die Tatsache, dass viele ältere Filme teils nicht mehr in den Kinos gespielt werden können, weil manche – anders als das Kinok – nur noch über digitale Projektoren verfügen. So mussten Filme ausgewählt werden, die im digitalen Format verfügbar sind.

Mit «Les petites fugues» von Yves Yersin ist ein Meisterwerk des Schweizer Filmschaffens zu sehen. «Ein Film, der beispielhaft für den Beginn des neuen Schweizer Films steht. Und damit für jene Zeit, als die Filmtage gegründet wurden», sagt Seraina Rohrer und ergänzt: «Ihn zeichnet ein sehr genauer, fast dokumentarischer Blick aus, und doch ist es eine fiktionale Geschichte. Der Film war aus der Haltung jener Zeit entstanden, keine heile Bergwelt zu zeigen. <Les petites fugues> schildert einen ländlichen Alltag und seine Menschen in vielen feinen Zwischentönen.»

Videoformat setzt sich durch

Mit Samirs «Babylon 2» sei ein Vertreter des Migrations-Kinos zu sehen, das die Secondos ins Rampenlicht rückt. «Uns war aber wichtig, nicht nur inhaltliche Kriterien zu haben, sondern auch formale. <Babylon 2> haben wir auch gewählt, weil er ein Beispiel für den Moment ist, als sich das Video-Format Ende 1980er-Jahre durchsetzte», begründet die Direktorin der Solothurner Filmtage diese Wahl.

Das Trio abschliessen wird die charmant-beschwingte Musik-Komödie «Pause» des jungen, talentierten Westschweizer Regisseurs Mathieu Urfer. «Der Film zeigt die Lust junger Filmemacher, sich mit Genrekino auseinanderzusetzen», sagt Rohrer. Der unterhaltsame Streifen kam bereits auf der Piazza Grande des Filmfestivals Locarno gut an.

Gespräche mit Samir und Urfer

Die Filmtage-Tour erinnert ein wenig an jene Zeiten, als der Schweizer Film es noch schwer hatte, im Kino gezeigt zu werden – und es eine Solothurner Auswahlschau gab, die durchs Land zog. Wieso jetzt nur sechs Städte? «Wir hatten ein beschränktes Budget für diese Tour», sagt Seraina Rohrer. «Zuerst waren nur drei Städte in der Deutschschweiz vorgesehen. Es war uns dann aber wichtig, auch in der Ostschweiz präsent zu sein, darum haben wir St. Gallen noch dazu genommen. Dass das Tessin auf der Tour fehlt, hat finanzielle Gründe.»

Die Begegnung des Publikums mit den Filmschaffenden – eine Tradition der Filmtage – bietet auch die Tour: Seraina Rohrer wird nach «Pause» mit Regisseur Mathieu Urfer sprechen. Nach «Babylon 2» führt Annina Wettstein von den Filmtagen ein Gespräch mit Regisseur Samir.

Mi, 15.4.; Les petites fugues, 15 Uhr; Babylon 2, 18 Uhr; Pause, 20.30 Uhr; Kinok Lokremise, St. Gallen.

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