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Zungenkuss für einen Lurch

TV-Moderator Kurt Aeschbacher zu Gast bei der Klappmaulfrau Gertrud auf dem Schleudersitz: Das war eine kunterbunte Samstagabendshow mit Talk, Spielchen und «Froschkönig»-Intermezzo.
Bettina Kugler
Keine Angst vor einem Schleudertrauma: Kurt Aeschbacher neben Gertrud Müller, gespielt von Frauke Jacobi. (Bild: Michel Canonica)

Keine Angst vor einem Schleudertrauma: Kurt Aeschbacher neben Gertrud Müller, gespielt von Frauke Jacobi. (Bild: Michel Canonica)

Wer ihn nur aus dem Fernsehen kennt, aus Sendungen wie «Grell Pastell» oder «Aeschbacher», weiss vielleicht nicht, wo Kurt Aeschbacher am liebsten sitzt. Bei Gertrud Müller im Figurentheater aber bekennt er sich dazu. Ganz so, als sei das Gastsofa, der verschlissene «Schleudersitz», ein Beichtstuhl. Die schönste Zeit, sagt er, verbringe er nicht in TV-Studios, sondern in Südfrankreich, in seinem Garten. Was er dort macht? «Ins Gemüse schauen und selbst Gemüse werden.» Kurz darauf sieht man ihn als Junggemüse, auf einem Erstgixfoto. Und würde doch lieber miterleben, wie er hin und wieder mal ins Schleudern kommt.

Eingefleischte Gertrud-Fans warten darauf mindestens so zahlreich wie treue Aeschbacher-Anhänger; das St. Galler Kleintheater jedenfalls ist gut gefüllt an diesem Abend. Doch ein Vollprofi wie Kurt Aeschbacher kommt nicht ins Schwitzen, nie.

Bewährte Strickmuster, satirisch durchwirkt

Egal ob Running Gag, ob Show-Spielchen wie in guten alten «Montagsmaler»-Zeiten, ob gediegener Talk, dezent ironisiert mit Sticheleien und kleinen, gemeinen Seitenhieben oder improvisiertes Märchentheater mit Handpuppen: Der Abend ist bunt wie ein Glas voller saurer Bonbons. Für jeden ist etwas dabei, wenn auch nichts echt Aufregendes, schon gar nichts Unverdauliches.

Aeschbacher auf dem Schleudersitz, das wirkt rund neunzig Minuten lang so, als könne die totgesagte Samstagabendunterhaltung im Kleintheater unter Gertruds Fuchtel wie ein Phönix aus der Asche steigen.

Nicht nur hat die Show exakt die Dauer eines entsprechenden TV-Formats. Sie bedient sich auch der üblichen Strickmuster, jedoch mit satirischem Glitzerfaden. Gertrud, von ihrer Schattenfrau Frauke Jacobi bestens vorbereitet, bemüht sich um seriöse Interviewfragen, verliert aber immer wieder die Kontrolle über sich. Mal himmelt sie «Aeschbi» so an, dass man sie fast nicht wiedererkennt, mal würgt sie ihm dezent eins rein.

Er seinerseits sitzt meistens milde lächelnd da, so nett und harmlos, dass man darauf hofft, der Schleudersitz könne sich ohne Grund verselbstständigen – so unvorhergesehen, wie zu Beginn des Abends Eliane Blumers Schuh bei den Sicherheitsanweisungen des Bühnen-Bordpersonals in die Beleuchtung fliegt.

Aeschbacher improvisiert als nassforscher Frosch

Blumers Co-Steward ist Lukas Bollhalder; wie sie schlüpft er im Hintergrund und nebenbei in viele kleine Rollen. Zum Beispiel im Puppenspiel «Der Froschkönig». Kurt Aeschbacher muss darin die Titelrolle übernehmen und einen grünen Strumpf mit Glupschaugen und roter Zunge über den Arm streifen. Er schlägt sich wacker und geht als Frosch zur Sache: Unter einem Zungenkuss kommt die Prinzessin nicht zu ihrer Kugel. Grosses, kindisches Gelächter im Publikum, ebenso bei den Ratespielen und kleinen Gemeinheiten.

Zum Konzept der «Schleudersitz»-Reihe gehört auch die Wiederbegegnung mit einem Helden der Kindheit. Bei Aeschbacher, Unicef-Botschafter der Schweiz, war es Saint-Exupérys Kleiner Prinz. In einem poetischen Rundflug über die wesentlichen Weisheiten der Geschichte schwebte er über die kleine Bühne. Sichtbar für Herz und Augen.

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