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Der glückliche Thurgauer in den Bergen

Der Bischofszeller Fotograf Thomas Biasotto stellt sein neues Buch «Handwerk» im Zunfthaus Appenzell vor.
Rolf App
Thomas Biasotto mit seinem Buch «Handwerk». (Bild: Urs Bucher)

Thomas Biasotto mit seinem Buch «Handwerk». (Bild: Urs Bucher)

Bevor wir zum Kaffee gehen, schliesst Thomas Biasotto die Tür zum Zunfthaus an der Poststrasse in Appenzell auf. Er will seinen Schatz zeigen: Eine grosse Beige dicker Bücher, die von den Menschen handeln, die dieses Haus mit ihm zusammen bevölkern. Handwerker allesamt, und das Buch heisst denn auch «Handwerk». Jedes Kapitel leitet ein kurzer Porträttext ein, dann folgen eindrucksvolle Schwarzweiss-Aufnahmen ar­bei­tender Hände und erst am Schluss das Gesicht dazu. Und ein QR-Code als Schlüssel zu einem kleinen Film, zu dem eine von ihm selbst dirigierte Bigband den Soundtrack beisteuert.

Doch so lieb sie ihm sind: Thomas Biasotto wird die Bücher noch beiseiteräumen müssen, denn diesen Samstag werden zwischen 10 und 16 Uhr die Handwerker rund ums Zunfthaus ihr Werk und ihre Arbeit zeigen. Biasotto wird seine grossformatigen Fotografien wilder Berglandschaften abhängen und statt ihrer arbeitende Hände platzieren.

Aufgewachsen in Bischofszell, hat Thomas Biasotto so den Weg ins Appenzellerland gefunden, hat zu den sanften Landschaften des Thurgaus die Felsen des Alpsteins als Kontrast gesetzt, in denen er gerade für eine Reise in den Himalaja trainiert. Auch beruflich liebt der lebhafte 37-Jährige den Kontrast. Zwei Tage in der Woche arbeitet Biasotto als Primarlehrer in der Innerschweiz, wo er auch wohnt. Und er fotografiert. All dies tut er mit derselben Leidenschaft – einer Leidenschaft, die er in seinem ersten Leben als Immobilienmakler nicht kennen gelernt hat.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Weil er das spürte, hat er gemeinsam mit seiner Frau vor fünf Jahren aus einer inneren Unzufriedenheit heraus beschlossen, das Hobby zum Beruf zu machen. Seither ist sie fürs Administrative und Organisatorische zuständig, er fürs Kreative. Zwei wichtige Erfahrungen haben die weitere Entwicklung bestimmt. Zum einen der immer wiederkehrende Gedanke, einmal eine Klasse zu unterrichten. «Im Musikstudium hatte ich das schon getan. Und gemerkt, wie sehr es mir liegt, Menschen zu begeistern», erzählt er. Und zum andern die Idee, dieses pädagogische Talent dann auch zu verbinden mit der zweiten grossen Passion, dem Fotografieren. Auch sie ist schon alt; zur Konfirmation hat Biasotto die erste Kamera geschenkt bekommen, eine Leica.

Schon während des Studiums an der Pädagogischen Hochschule fängt Thomas Biasotto an, Fotokurse zu geben. Und bei einem studienbedingten Sprachaufenthalt in New York fotografiert er unablässig – und stellt seine Eindrücke jeden Tag ins Netz. «Als ich zurück war, hat mir der eine oder andere gesagt: Mach doch ein Buch daraus. So entstand ‹New York in 40 Days›, das über Crowdfunding finanziert wurde.» Jeder, der interessiert war, kaufte ihm eine Anzahl Bücher ab und erhielt so auch einen Gegenwert, und so läuft es bis heute. «Handwerk» wird finanziert von den Appenzeller Handwerkern selbst.

Einer von neun Handwerkern im Zunfthaus

In deren Kreis findet Thomas Biasotto über seine Berg-Begeisterung. «Giants», sein viertes Buch, zeigt auch die zerklüftete Welt des Alpsteins. Und weil er sich vor fünfzehn Jahren beim Sennensattler Roger Dörig einen eigenen Gurt hat zusammenstellen können, den er heute noch trägt, fragt Biasotto bei ihm an, ob er seine Fotografien wohl im Zunfthaus ausstellen könne. Und weil dort gerade ein Fotograf auszieht, zieht Thomas Biasotto ein als einer von gegenwärtig neun Handwerkern. Denn ein Handwerker ist auch er: Oft entwickelt und vergrössert Biasotto seine eindrucksvollen Schwarzweiss-Fotografien noch in der Dunkelkammer. Er liebt es, zurückzukommen von einer Tour und nicht genau zu wissen, was er fotografiert hat.

Reich ist, wer am Morgen aufsteht und sich auf das freut, was er den Tag über machen wird. Diese Lebensweisheit trifft wohl auf alle Handwerker im Zunfthaus zu Appenzell zu. Vor allem aber auf einen: ihren Foto­grafen. Als ich Thomas Biasotto frage, ob er denn glücklich sei, zögert er keine Sekunde mit ­seinem «Ja».

Sa, 5.10., 10–16 Uhr, Zunfthaus an der Poststrasse in Appenzell.
«Handwerk» ist zu Fr. 79.– erhältlich über Thomas Biasottos Website
www.tb-photo.ch

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