Zum Mars vor dem Jahr 2050

Bis heute ist Claude Nicollier der einzige Schweizer Astronaut. Zwar hält er das «Mars One»-Besiedlung-Projekt nicht für realistisch. Trotzdem werde der Mensch irgendwann dorthin fliegen. Heute spricht Nicollier in St. Gallen.

Bruno Knellwolf
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Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier auf Weltraum-Spaziergang im Jahr 1999. (Bild: pd)

Der Schweizer Astronaut Claude Nicollier auf Weltraum-Spaziergang im Jahr 1999. (Bild: pd)

Claude Nicollier ist der einzige Schweizer, der die Erde mit eigenen Augen als blaue Kugel gesehen hat. Der bis heute einzige Schweizer Astronaut verbrachte insgesamt 42 Tage, zwölf Stunden und fünf Minuten im Weltall. Bekanntgeworden ist auf einer seiner Weltraummissionen das Bonmot «Freude herrscht, Monsieur Nicollier» des damaligen Schweizer Bundesrats Adolf Ogi am 7. August 1992. Nicollier umkreiste damals an Bord des Space Shuttle Atlantis in acht Tagen 136mal die Erde. Besonders wichtig war sein letzter Flug im Dezember 1999, als er in den Weltraum ausstieg und auf seinem Spaziergang durchs All das Hubble-Weltraumteleskop reparieren half.

Demut gelernt

Demut lehrten den Astrophysiker und Piloten diese vielen Ausflüge in die Unendlichkeit des Alls. «Je mehr ich ans Ende meiner Forscherkarriere gelange, desto besser weiss ich, dass ich nicht viel weiss», hatte er vor zwei Jahren an einer Ausstellung zum Thema Wissen und Spiritualität erklärt. Eine Aussage, die er gestern bekräftigt hat. «Dieses Statement machen heute viele Wissenschafter», sagt Nicollier. «Als ich in den 1970ern Astrophysik studiert habe, hat man das Universum eigentlich schon ziemlich gut verstanden. Aber seither hat man grosse Wissensfortschritte gemacht in vielen Detailfragen.» Zum Beispiel über die Sternen-Evolution.

Immer wieder neue Rätsel

Doch die Wissenschafter stünden laufend vor neuen Herausforderungen. Vor Fragen und Rätseln, die man nicht verstehe. Zum Beispiel zur Dunklen Materie oder Dunklen Energie. «Wir sind noch weit weg vom Verständnis des Lebens», sagt Nicollier, der heute abend an der Kantonsschule Burggraben in St. Gallen referieren wird. Zwar häuften sich untere Kenntnisse laufend – genau dabei werde den Wissenschaftern immer klarer, dass die Menschheit vieles gar nicht wisse.

Trotzdem gibt es nach Nicollier enormen praktischen Nutzen für unser Leben aus den verschiedenartigen Missionen ins Weltall. «Da ist das Feld der Kommunikation, die präzise Navigation sowie die nun mögliche genaue Beobachtung der Erdatmosphäre sowie die verbesserte Wettervorhersage.» Und da sei eine riesige Fülle an Entdeckungen und wissenschaftlicher Forschung, die unsere menschliche Neugier befriedige und helfe, die Welt zu verstehen.

Ausserirdisches Leben

Dazu gehört auch die Suche nach ausserirdischem Leben. «Leben ausserhalb der Erde ist beinahe eine Gewissheit. Bis jetzt wissen wir einfach nicht, wo es solches gibt. Und auch nicht, wann wir darauf stossen werden», sagt Nicollier. Immerhin ist die Existenz von Aminosäuren im Weltall bewiesen.

Bessere Instrumente nötig

Um ausserirdisches Leben zu finden, müsste es bessere, präzisere und leistungsfähigere Instrumente geben. Dann könnten die chemischen Zusammensetzungen und physikalischen Charakteristiken der Atmosphären von Exoplaneten und fremden Sonnen besser bestimmt werden. «Vielleicht wird es irgendwann auch eine Kommunikation mit irgendwelchen Lebensformen geben.» Jetzt ist das Wettrennen um die Eroberung des Mars im Gange. Der Thurgauer Steve Schild ist Kandidat am privaten Mars-One-Projekt, mit dem der rote Planet besiedelt werden soll. Nicollier hält das ambitionierte Projekt aber nicht für realistisch. «Das ist schade für Steve Schild, der ein guter Kandidat ist und hart für diese Vorbereitung arbeitet», sagt der gut 70jährige Nicollier. Trotzdem glaubt der Waadtländer daran, dass der Mensch zum Mars fliegen werde. «Und zwar vor dem Jahr 2050.»

Vortrag Claude Nicollier, Lehren aus der Raumfahrt. Dienstag, 10. Mai, 18 Uhr, Aula Neubau Kantonsschule am Burggraben

Astronaut Claude Nicollier. (Bild: pd)

Astronaut Claude Nicollier. (Bild: pd)

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