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Lucerne Festival zu Ostern schliesst mit einem Sog wie aus einem Guss

Die beiden Abschlusskonzerte am Lucerne Festival zu Ostern kommen etwas gar lieblich daher. Bis der 90-jährige Bernard Haitink seine Vision von Bruckners «Sechster» auspackt.
Roman Kühne

Es ist ein sehr weltliches Wochenende, das diese Ausgabe des Lucerne Festivals zu Ostern beschliesst. Zwar war vorher schon die Spannweite gross. Vom spektakulären, ja fast theatralischen Verdi-Requiem (Teodor Currentzis) bis hin zur schlichten und ergreifenden Religiosität der Aufführung von «Le Miroir de Jésus» unter Howard Arman.

Klassik-«Gott» Mozart

Aber das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, quasi das Residenzorchester dieses Oster-Festivals, führte nun am Wochenende erstmals nur weltliche Werke auf. Der Dirigent Iván Fischer machte schon im Interview deutlich (Luzerner Zeitung vom 4. April), seine Religion sei die Kultur.

Mit Mozart hat er zwar am Samstag im KKL einen grossen «Gott» dieser Klassikwelt mit im Gepäck, allerdings als ziemlich sorglosen, weltlichen Herrn. Die Sinfonie in C-Dur (KV 338), Es-Dur (KV 543) und als Zugabe das Menuett in C (KV 409) bescheren dem Publikum eine vergnügliche Reise ohne Wolken und Gewitter. Relaxed und entspannt perlen die Noten. Die kleinen Figuren werden farbig und lebendig in Beziehung gebracht. Die heitere Erdung der Aufführung passt irgendwie zu Ostern. Ein ums andere Mal scheint Iván Fischer den Orchesterklang seines exzellent aufspielenden Ensembles genüsslich durch die Nase einzuziehen. Bei aller Stimmigkeit blieb das aber in der Spannung hinter den Programmen des Residenzorchesters in früheren Jahren zurück.

Auch am Sonntag unter der Leitung von Bernard Haitink bleibt Mozarts Klavierkonzert in C-Dur ein neckischer Reigen, dem etwas die Zwischentöne fehlen. Der Solist Till Fellner spielt mit leichter Gewichtung, klar und sorgfältig. Ein Leckerbissen ist seine fast jazzig gespielte Zugabe «Au lac de Wallenstadt» aus den «Années de pèlerinage» von Liszt.

Dringliche Sologeige und grosses Bruckner-Spektakel

Deutlich existenzieller und packender sind in beiden Konzerten die späteren Werke. Am Samstag ist es das erste Violinkonzert von Béla Bartók mit der dringlichen Solovioline von Janine Jansen. Ein aus der Stille steigendes Tonfragment, das sich immer dichter in das Netz der anderen Streicher fügt. Herrlich ist das Ende des Andante. Fast ohne Klang und Körper streichelt Jansen die hohen Noten hin. Ihre Wirkung und ihre Kraft entfalten diese jedoch bis in die hintersten Sitze.

So richtig in Fahrt kommt der klangmächtige Dampfer des Bayerischen Rundfunks aber erst gestern Sonntag in der sechsten Sinfonie von Anton Bruckner. Herrlich, wie Bernard Haitink am Ende das Adagio aus seiner nachdenklichen Schwere lockt, ihm eine kleine Spitze schenkt, bevor es endgültig versinkt. Bernard Haitink geht hier zwar weniger in die Details, lässt aber dem weiten Geist des Werkes seinen ganzen Auslauf und Furor. Es ist eine wuchtige und majestätische Interpretation, wobei er sich nicht scheut, es im Fortissimo auch so richtig krachen zu lassen. Ein dringlicher Sog aus einem Guss.

Das Publikum dankt das intensive Spektakel mit minutenlangen Standing Ovations. Und es hat recht. Es ist das drittletzte Konzert, das Haitink vorerst in Luzern dirigiert. Im Sommer möchte der 90-Jährige kürzertreten – nach zwei Konzerten mit dem Chamber Orchestra of Europe und den Wiener Philharmonikern in Luzern.

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