Zum Abschied ein Servus

Entertainer Peter Alexander ist 85jährig in Wien gestorben. Er sang von der heilen Welt - und lebte sie.

Rudolf Gruber/Wien
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Treffpunkt Herz: Peter Alexander 1975 bei einem Auftritt in seiner eigenen Fernseh-Gala. Der Entertainer ist 84jährig in Wien gestorben. (Bild: epa/Horst Ossinger)

Treffpunkt Herz: Peter Alexander 1975 bei einem Auftritt in seiner eigenen Fernseh-Gala. Der Entertainer ist 84jährig in Wien gestorben. (Bild: epa/Horst Ossinger)

Er war schon Entertainer, als das Wort bei uns noch nicht geläufig war: Mit seiner Musikalität und Bühnenpräsenz hätte er es mit Bing Crosby, Frank Sinatra und Dean Martin aufnehmen können. Er konnte viel mehr, als er seinen Fans zumuten wollte. Doch die meisten wollten nichts anderes hören als seine samtweichen und seligmachenden Lieder «Das tu' ich alles aus Liebe», «Was Frauen träumen», «Sag zum Abschied leise Servus» oder «Die kleine Kneipe in unserer Strasse».

Und dennoch kam nie der Verdacht auf, dass er sich dem Publikum andienen wollte: Auch beim seichtesten Schlager war seine Professionalität zu spüren. Wenn er Stars wie Caterina Valente oder Liza Minelli in seine Show einlud, war der Vollblutmusiker kaum zu bremsen und lieferte mit Swing- und Jazzmelodien eine perfekte Show.

Schlager für Millionen

Frank Sinatra war sein grosses Vorbild, ein Konzert in London hatte in ihm das Feuer entzündet: «So was, wie der, will ich werden», offenbarte er seinem Vater, einem Bankangestellten, der die Träume seines Filius als Flausen abtat und ihm grandioses Scheitern prophezeite. Gleich nach der Heimkehr aus britischer Kriegsgefangenschaft brach der am 30.

Juni 1926 in Wien geborene Peter Alexander Neumayer das gerade begonnene Medizinstudium ab, liess sich im Reinhardt-Seminar ausbilden, schloss 1948 mit Auszeichnung ab und strich den Familiennamen – es war die Geburtsstunde des Sängers und Showmans Peter Alexander.

Schon seine erste Platte «Das machen nur die Beine von Dolores» (1951) war der Durchbruch. Es folgte Hit auf Hit, Film auf Film, über 60 Streifen, 120 Platten. Seine Konzerte waren in wenigen Stunden ausverkauft.

Mit Klamaukfilmen wie «Charlys Tante» und Schmonzetten wie «Im weissen Rössl» füllte er die Kinosäle und liess das Volk die Nachkriegstristesse kurzweilig vergessen.

Mit Peter Alexander starb wohl die letzte Grösse klassischer Fernsehunterhaltung. Seine 40 TV-Shows erzielten Einschaltquoten von 70 Prozent und mehr. Zehn Bambis, viermal die Goldene Kamera und ungezählte weitere Ehrungen sprechen für seine Spitzenstellung. Den Sprung nach Amerika wagte er aber nicht. Er war Realist, fürchtete die Blamage.

«Lieber angeln»

Kritikern, die ihm ankreideten, seinem Publikum eine heile Welt vorzugaukeln, antwortete Peter Alexander schlagfertig: «Wo lohnt es sich besser zu leben als in einer heilen Welt?» Beinamen wie «Peter der Grosse» hörte er nicht gern, für einen Showstar war er erstaunlich uneitel. Nach seiner letzten Fernsehshow 1996 verkroch er sich in sein Haus in Grinzing.

Seine Selbstcharakterisierung, er sei «im Grunde ein fauler Mensch, der lieber angeln geht als in ein Fernsehstudio», war nicht nur Koketterie. Ein letztes Mal war Peter Alexander im Juli 2006 kurz im TV zu sehen. Er dankte artig für die Glückwünsche zu seinem 80. Geburtstag. Doch es klang wie: «Lasst mich endlich in Ruh!»

Hahn im Korb: Peter Alexander im Film «Im weissen Rössl» 1960. (Bild: Cinetext)

Hahn im Korb: Peter Alexander im Film «Im weissen Rössl» 1960. (Bild: Cinetext)