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Interview

Forscher erstellen Phantombild von Leonardo da Vinci

Professor Bernd Roeck von der Universität Zürich hat mit Kriminologen das Abbild von Leonardo da Vinci nachzeichnen lassen. Und das Phantombild zeigt keinen bärtigen Griesgram, sondern einen witzigen Künstlerfürsten.
Bruno Knellwolf
Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)
Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)
Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)
Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)
Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)
Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)Breite Skizzenpalette: Kanonen, Gesichter, Muskeln, ein Panzer, ein Vogelschwingenapparat und Pferde. (Bild: Bilder: Getty, Alamy, KEY)
Phantombild des jungen Leonardo da Vinci. (Bild: Grit Schüler, Forensisches Institut Zürich)Phantombild des jungen Leonardo da Vinci. (Bild: Grit Schüler, Forensisches Institut Zürich)
7 Bilder

«Leonardo war ein Dandy mit ADHS»

Der Leonardo-Biograf, Buchautor und emeritierte Geschichtsprofessor Bernd Roeck von der Universität Zürich hat sich intensiv mit dem Leben des Universalgenies auseinandergesetzt.

Kann man Leonardo da Vinci als ersten Bioniker der Weltgeschichte bezeichnen? Als ersten Menschen, welcher der Natur Techniken abgeschaut hat?

Bernd Roeck: Ja, das kann man sagen. Er hat dezidiert versucht, vom Vogelflug zu lernen. Er beobachtete Fische, um zu verstehen, wie sie tauchen und schwimmen. Er sezierte eine Fledermaus, um rauszufinden, warum diese fliegen kann. Er erkannte, dass Vögel und Fledermäuse sehr leichte Knochen haben. Dank dieser Erkenntnis benutzte er später leichtes Material für seine Flugapparate: Gestänge aus Schilfrohr.

Damals war es nicht Usus, der Natur solches abzuschauen.

In dieser systematischen Weise, wie es Leonardo versucht hat, war das neu. Er suchte in der Natur immer wieder Formen, die sich ähneln und die sich gleichen. Die Locke bildet sich wie ein Wasserwirbel und das Blut verhält sich ähnlich. Wiederum fliegen die Vögel in Wirbelform. Er hat sich sehr für die Gesetze der Natur interessiert.

War vor allem seine Beobachtungsgabe genial?

Er muss ein unglaublich scharfes Auge gehabt haben. Seine anatomischen Arbeiten sind für Jahrhunderte unübertroffen geblieben – und zwar weltweit. Er hat Details gefunden, die Anatomen erst Jahrhunderte später entdeckt haben. Diese besonders scharfe Beobachtungsgabe findet man auch in seinen Bildern, in Gemälden und Zeichnungen.

Man liest, das Sezieren von Menschen sei damals verboten gewesen. Seine Skizzen lassen darauf schliessen, dass er sich nicht daran gehalten hat. Brachte ihm das keinen Ärger ein?

Das zählt zu den vielen Mythen um Leonardo. Das Sezieren von Leichen war schon erlaubt. Aus allen Quellen, und es gibt Tausende von Blättern von Leonardo, gibt es einen einzigen Hinweis, dass er beim Papst deswegen angeschwärzt worden ist. Das hatte keinerlei Folgen. In Florenz gab es zu dieser Zeit öffentliche Sektionen, in Padua auch. Wir dürfen uns nicht den gehetzten Leonardo vorstellen, der in dunklen Klostergewölben bei Kerzenlicht Leichen seziert hat.

Woher hatte er die Leichen?

Das war nicht so einfach. Er benutzte meist Leichen von Verbrechern, die gehängt worden waren. Auch mal die Leiche eines sehr alten Mannes. Das brachte ihn auch dazu, die erste Beschreibung einer Arteriosklerose zu machen. Das zeigt wieder sein scharfes Auge. Er hat erkannt, dass die Adern des alten Mannes anders aussehen als die eines jung gestorbenen.

Ist es auch ein Mythos, dass Leonardo seine Auftraggeber zur Weissglut gebracht hat, weil er die Aufträge zu spät oder oft gar nicht erledigte?

Zumindest hat er sie frustriert, vermutlich auch zur Weissglut gebracht. Leonardo hat eine Reihe von Projekten nicht beendet. Und zwar sehr grosse Projekte. Etwa das sieben Meter hohe Bronzepferd, ein Reiterstandbild für Francesco Sforza in Mailand. Das Projekt scheiterte am Ende am Geld. Oder die berühmte Anghiari-Schlacht in Florenz, nach deren Spuren man immer gesucht hat. Das war ein Auftrag der Kommune Florenz. Vinci hatte eine neue Farbmixtur antiker Herkunft ausprobiert, die besonders schöne, leuchtende Farben versprach. Mit Wachs als Bindemittel. Es war allerdings keine besonders gute Idee gewesen, diese Methode gleich bei einem Riesengemälde auszuprobieren. Die Farbe blätterte ab, die Wandbemalung stürzte ihm entgegen. Danach ist er frustriert nach Mailand gezogen und hatte Ärger mit den Florentinern. Die Markgräfin von Mantua Isabelle d’Este wollte unbedingt ein Bild von ihm, egal was es kostet und wann er es liefert. Aber auch das hat er niemals geliefert.

Bezahlt worden ist er trotzdem?

Im Fall der Anghiari-Schlacht hat er durchaus Geld bekommen und eingesteckt. Möglicherweise hat er es mit einem anderen Werk zurückbezahlt, das ist umstritten. Trotz allem hat er nie unter Geldmangel gelitten. Wahrscheinlich hat er skizziert und Vor-Entwürfe gemacht, die dann seine Gesellen fertiggestellt haben. Auf dem Werk selbst hat er dann höchstens ein paar Locken gemalt. Gut bezahlt wurde er vor allem für seine Maschinen und für die Roboter.

Hat er manchmal einfach das Interesse an einem Auftrag verloren?

Darüber kann man streiten. Heute würde man leicht wagemutig sagen, dass er eine Form von ADHS hatte. Zum einen war er ein Mensch, der sich ständig für Neues interessierte und viele Ideen hatte. Und während er die eine hatte, hatte er schon die nächste, und die übernächste Idee hat sich auch schon angedeutet. Leonardo beschreibt selber mal, wie er ständig irgendetwas zu Ende denken will und dann immer etwas dazwischenkommt. Zum anderen war er ein Perfektionist. Die Bilder von Mona Lisa und dem Heiligen Johannes im Louvre sind von einer technischen Perfektion, die unglaublich ist. Da sind etwa dreissig ganz feine Lackschichten, die er selber gemischt hat und die alle einzeln trocknen mussten. Daher kommt das Träumerische seiner Bilder.

Ein Perfektionist, der seiner Zeit weit voraus war?

Leonardo war nahe daran, das Prinzip der Dampfkraft zu erkennen, und hat eine Dampfkanone entworfen. In vielem war er seiner Zeit voraus, aber auch in vielem in ihr befangen. Es gibt durchaus beides. Er hat aber Dinge erfunden, an die Jahrhunderte später wieder gedacht wurde, wie zum Beispiel diese Dampfkanone. Im 19. Jahrhundert ist sie tatsächlich gebaut worden. Ohne dass die Erbauer etwas von Leonardos Plänen wussten, weil dieser nichts davon publiziert hat.

Galt Leonardo schon zu Lebzeiten als Universalgenie?

Man wusste schon, dass Leonardo nicht nur ein einfacher Maler war. Für seine Ingenieurskünste wurde er sehr gut ­entlöhnt. Diese waren angesehener als seine Malerei. Er war kein Rebell wider seiner Zeit noch ein beargwöhnter Aussenseiter. Beides stimmt nicht, auch wenn das ab und zu behauptet wird. Wir wissen, dass seine Zeitgenossen ihn sehr geschätzt haben. Er muss ein sehr einnehmendes Wesen gehabt haben und wurde behandelt wie ein Fürst.

Gezeigt wird er aber oft als bärtiger Gelehrter.

Ich habe in Zusammenarbeit mit einer Forensikerin der Kantonspolizei Zürich ein Phantombild gemacht, das zeigt, wie Leonardo um 1490 ausgesehen haben könnte. Vom bärtigen Zausel muss man Abschied nehmen, das gilt höchstens für seine letzten Lebensjahre. Er wäre uns eher wie ein Dandy erschienen. Nicht wie der Typus Johnny Depp, sondern eher wie ein gelassener, freundlicher, humorvoller Gelehrter. Ein interessanter Plauderer, der gut singen und Laute spielen konnte. Der sich elegant kleidete, sich mit Pferden und mit Bediensteten umgab, der wie ein Künstlerfürst aufgetreten ist.

Seine Homosexualität hat ihm offenbar auch nicht geschadet?

Offenbar nicht. Er wurde zweimal deswegen denunziert. Wir wissen aber aus breit angelegten Untersuchungen, dass zu dieser Zeit an Leonardos Wohnorten Tausende von Verfahren wegen Homosexualität eingeleitet wurden. Schwere Strafen wurden aber nicht verhängt.

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