Zugedröhnte Ordnungshüter

Regisseur Quentin Dupieux, alias DJ Mr. Oizo, dreht Versatzstücke von «Bad-Cop-Movies» durch den Fleischwolf eines benebelten Universums.

Geri Krebs
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Polizist, bekifft und ohne Job. (Bild: pd)

Polizist, bekifft und ohne Job. (Bild: pd)

Er ist der treueste Gast auf Locarnos Piazza Grande der letzten Jahre: Der französische Regisseur Quentin Dupieux hat sich, seit er 2010 mit «Rubber» – jenem irrwitzigen Vergnügen um einen mörderischen Autopneu – das Festivalpublikum begeisterte, mit «Wrong» (2012) und dann gleich im Jahr darauf mit «Wrong Cops» zu einem sicheren Wert in Sachen trashigem Nonsens entwickelt. Dabei bleibt «Rubber» jedoch bezüglich absurdem Humor unerreicht. Wer also erwartet, «Wrong Cops» bewege sich ganz auf der Höhe jenes Geniestreichs, wird enttäuscht sein vom neuesten Wurf des Mr. Oizo, so Quentin Dupieux' Pseudonym in seinem Kerngeschäft, jenem des DJs und Produzenten elektronischer Musik.

Technobeats

Allerdings ist «Wrong Cops» bezüglich Pointenreichtum, Dialogwitz und durchgeknallten Einfällen eindeutig lustiger als sein Vorgänger «Wrong». War dort die Story vom seltsamen jungen Mann, der auf der Suche nach seinem entlaufenen Hund den Verstand zu verlieren droht, vergleichsweise konventionell und linear, so ist sie nun in «Wrong Cops» eher rudimentär und fragmentarisch.

«Wrong Cops» spielt in einem Los Angeles der Zukunft, wo es keine Kriminalität mehr gibt und wo sich deshalb die Polizisten langweilen. So dealen sie mit Gras, das in toten Ratten versteckt ist, kiffen das Zeug, belästigen unschuldige Bürger, betätigen sich im Heimstudio als Musikproduzenten. Doch als einer der Polizisten aus Versehen einen Mann beinahe totschiesst, wird alles ein bisschen komplizierter.

Brachialer Humor

Vorher hat besagter Polizist aber noch einen Jugendlichen verhaftet, weil dieser «schrecklichen deutschen Techno» hört. Dass dieser Jugendliche ausgerechnet vom Schock-Rocker Marilyn Manson gespielt wird, gehört zu den vielen hübschen Einfällen in einem Film, bei dem Humor sonst meist brachial daherkommt. Dabei wirkt er immer wieder wie eine Serie total abgefahrener Videoclips. Dass die dafür verwendeten Tracks – alle aus der Küche von Mr. Oizo – Titel tragen wie «Stunt», «Oral Sex», «Druide», «Camel Fuck» oder «Cows and Goats», trifft den Geist von «Wrong Cops» präzise.

Heute Di, 20.30 Uhr; Fr, 21.30 Uhr; Sa, 21.30 Uhr, Kinok

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