Zugabe für Wanda

Wanda Jackson tourte mit Elvis, hat eine Affaire mit ihm und war in den 50er-Jahren das erste wilde Mädchen des Rock 'n' Roll. Nun mit 73 Jahren will sie es nochmals wissen. «The Party Ain't Over» singt sie und Jack White spielt dazu Gitarre.

Reinhold Hönle
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Die alte Lady des Rock 'n' Roll: Wanda Jackson ist zurück. (Bild: pd)

Die alte Lady des Rock 'n' Roll: Wanda Jackson ist zurück. (Bild: pd)

Als sie Mitte der 50er-Jahre in die Männerdomäne des Rock 'n' Roll einbrach, war Wanda Jackson noch ein Teenager. Mit hohen Schuhen, kurzen Röcken und einer wilden Frisur sang sie mit verwegener rauher Stimme als erste Frau zur Rockabilly-Musik. Sie tourte mit Elvis Presley, begann eine Romanze mit dem «King» und landete mit «Let's Have A Party» ein Riesenhit. Doch das prüde Amerika war noch nicht reif für die erste Frau der Rockgeschichte. Das ist lange her.

Heute ist Wanda Jackson 73 Jahre alt, gibt immer noch fast 100 Konzerte jährlich (im kleinen Kreis) und nun auch endlich ein neues Album heraus. Aufgenommen und begleitet vom jungen, wilden Rockstar Jack White.

Frau Jackson, wie fühlt es sich an, wieder im Rampenlicht zu stehen?

Wanda Jackson: Ich war nie ganz raus, aber jetzt ist es wieder viel heller. Und es tut gut, nun die Anerkennung zu bekommen, die mir in den 50er-Jahren versagt geblieben war.

Wie würden Sie Wanda Jackson den Jugendlichen beschreiben, die noch nie von Ihnen gehört haben?

Jackson: Ich war eine von Elvis' Freundinnen! (lacht) Nein, ich habe mit ihm gearbeitet und war die erste Frau, die Rock 'n' Roll aufgenommen hat.

Nun hat Jack White Ihr neues Album produziert. Wie kam es dazu?

Jackson: Nachdem mein Publizist mit meinem Ehemann und mir die Idee zu einem Duettalbum entwickelt hatte, sagte ihm eine Freundin in Nashville, er müsse auch Jack White anrufen, denn dieser wäre ein Fan von mir.

Jack sagte jedoch, dass er daran nicht interessiert wäre, aber dass er eine Single oder möglicherweise ein Album mit mir machen wolle.

Wie gut waren Sie mit seiner Musik vertraut?

Jackson: Ich hatte seinen Namen und den der White Stripes in Fachmagazinen gelesen und wusste, wie populär er ist, aber ich kannte nicht einmal seine Hits.

Nun kennen Sie seine Songs – und mögen sie?

Jackson: Seine Musik unterscheidet sich ziemlich von meiner. Es gibt einige Lieder, die ich wirklich hübsch finde und mit denen ich mich identifizieren könnte, wenn ich jung wäre.

Hat er Ihnen das Gefühl vermittelt, dass die Party auch für Sie noch nicht vorbei ist?

Jackson: Genau! Nachdem ich 2009 in die Rock 'n' Roll Hall of Fame aufgenommen worden war, hatte ich befürchtet, dass meine Tage auf Tournée langsam zu Ende gehen würden.

Als Jack mir jedoch erklärte, er wolle von mir die Dynamik, die ich als junges Mädchen hatte, dachte ich: «Oh, da kommt eine Zugabe!»

Auf neue Versionen Ihrer eigenen Songs haben Sie verzichtet.

Jackson: Ich hatte Jack «Tunnel Of Love» vorgeschlagen, doch er meinte: «Nein, lass die Finger von diesen Nummern, das sind Klassiker. Die kann man nicht verbessern.

Weshalb hat es «Let's Have A Party» damals nur in die US-Top-40 geschafft. Wurde er von vielen Radios und Plattenläden boykottiert, weil Sie selbstbewusst und kraftvoll wie ein Mann sangen?

Jackson: Ich habe mich das auch schon gefragt. Vermutlich wurde der Song zu spät aus meinem Album ausgekoppelt. 1957 wäre es wohl ein grosser Hit geworden, aber 1960 war die Musikszene im Umbruch, schwarze Sänger traten in den Vordergrund – nicht einmal Elvis war noch Mainstream!

Stimmt es, dass Sie mit Elvis zusammen waren?

Jackson: Ja, das ist korrekt. Wir hatten allerdings keine klassischen Dates, bei denen er mich zu Hause abholte, da wir auf Tournée waren. Manchmal konnten wir im Kino eine Matinee besuchen oder nach unseren Auftritten einen Burger essen gehen.

Wie lange dauerte Ihre Beziehung?

Jackson: So lange wie die Tournée. Danach ging Elvis nach Hollywood.

Was halten Sie von heutigen Stars wie Lady Gaga?

Jackson: Zuerst dachte ich, sie wäre nur ein grosser Hype. Als ich dann ein Konzert von ihr gesehen habe, änderte sich meine Meinung. Das Mädchen spielt gut Klavier, schreibt ihre eigenen Songs und weiss, wie sie diese verkaufen muss und auch sich selbst. So lief es früher und so läuft es heute im Musikgeschäft: Eine gute Stimme allein reicht nicht!

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