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Kolumne

Zufrieden verloren

Gedanken über Fundgegenstände und die Angst, etwas zu verpassen.
Céline Graf
Wohin die Giraffe wohl unterwegs war? (Bild: Céline Graf)

Wohin die Giraffe wohl unterwegs war? (Bild: Céline Graf)

Die Giraffe ist noch verpackt. Durch das Plastik lächelt sie. Zumindest nehme ich an, dass sie mich nicht vorwurfsvoll anblickt, weil ihre Augen durch eine Etikette verdeckt sind. Das Plüschtier steht auf einer Bank am Strassenrand, allein.

Immer wieder sehe ich sie ab da, Gegenstände, die ohne Absicht verloren und vergessen worden sind. An Haltestellen, in Zügen, auf Trottoirs. Ein paar Wochen lang habe ich alle fotografiert, die mir begegnet sind. Neben der Giraffe sind an «Objets trouvés» zu verzeichnen, wie der Pop-Art-Künstler sagen würde:

  • 1 Schwamm, gelb
  • 1 Socke, sportlich
  • 1 Plüschhase, gebraucht
  • 6 Handschuhe, einzeln
  • 2 Jacken, schwarz
  • 1 Paar Kopfhörer, weiss
  • 1 Portemonnaie, ledern

Bis auf Letzteres, das nun hoffentlich via SBB wieder beim Besitzer ist, habe ich sie liegen gelassen. Ich stelle mir vor, was das für Anlässe waren, zu denen die Dinge unterwegs waren: Sitzung, Match, Geburtstag, Date, Skitag, Wahlen.

Welche «Fomo» sie gehabt haben müssen, denke ich, und fühle mich ertappt. «Fear of missing out», die Angst, etwas zu verpassen, ist laut Psychologen in meiner Kohorte – westliche junge Erwachsene, Social Media nutzend – ein verbreitetes Phänomen. Doch dann kommt mir die Giraffe in den Sinn. Sie hat eindeutig gelächelt. Als würde sie sich freuen über den freien Tag voller neuer Verheissungen.

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