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«Zuerst schwanger, dann zu gut»

Zweimal hat es nicht geklappt, nun ist die Feldkircher Sopranistin Sabine Winter zum ersten Mal bei den Bregenzer Festspielen dabei. Ab heute abend ist sie als Regina Giovanna in Franco Faccios «Hamlet» im Festspielhaus zu hören.
Martin Preisser
Die Sopranistin Sabine Winter vor dem Eingang zum Festspielhaus Bregenz. (Bild: Martin Preisser)

Die Sopranistin Sabine Winter vor dem Eingang zum Festspielhaus Bregenz. (Bild: Martin Preisser)

BREGENZ. Opernluft hat Sabine Winter schon als Kind geschnuppert. Die Mama war opernbegeistert und nahm die Tochter nach Verona zu «Aida» oder auf die Bregenzer Seebühne mit, vor dreissig Jahren zur ersten «Zauberflöte». «Die Menschenmenge, das Licht, der Sound, das hat mich als Mädchen damals natürlich schon gefangen genommen», sagt die Feldkircher Sopranistin, die im Kleinen Walsertal aufgewachsen ist.

Heute abend steht Sabine Winter erstmals bei den Bregenzer Festspielen selbst auf der Bühne des Festspielhauses. «Ja natürlich ist das ein grossartiges Gefühl», sagt die Sängerin. Sie spielt in Franco Faccios «Hamlet» im zweiten Akt, in der so genannten Mausefalle-Szene, die Regina Giovanna, die wohlig in ihrer Kissenburg Liebe macht. «In dieser Szene des Spiels im Spiel, das sich Hamlet ausgedacht hat, sind wir die jungen energiegeladenen Schausteller, alles kommt ein wenig überzogen und grotesk daher.»

Sabine Winter muss dabei viel rennen und hat dann eine halbe Minute Zeit, wieder zu Atem zu kommen, um dann ihre Partie zu singen. «Schauspiel und Gesang hier genau zu verbinden ist das Schwierigste», sagt sie.

Marie auf Schloss Werdenberg

Eigentlich hätte sie schon bei der «Zauberflöte»-Inszenierung vor drei Jahren mitsingen wollen. Damals war sie schwanger. Es war nicht klar, wie sich ihre Stimme nach der Schwangerschaft entwickeln würde. Nach der Geburt ihres Sohnes, beim Vorsingen für die drei Knaben in der Mozart-Oper, sagte ihr der damalige Intendant David Pountney, sie wäre zu gut. Die Partien gingen an junge Studentinnen. «Zuerst schwanger, dann zu gut», witzelt Sabine Winter heute darüber. In den Promo-Konzerten für die Sponsoren haben die Bregenzer Festspiele die Sopranistin weiter verfolgt.

Sabine Winter hat auch eine DVD eingereicht, auf der sie als Marie in Smetanas «Verkaufter Braut» zu sehen ist. Das war letztes Jahr, als sich die Feldkircherin überzeugend in die Herzen des Publikums der Werdenberger Schloss-Festspiele (Regie: Leopold Huber) gesungen hat. Im Februar 2017 wird sie in «My Fair Lady» in Vaduz erneut unter Leopold Huber zu hören sein.

Zärtlicher Orchesterklang

Sabine Winter schwärmt von ihrem Engagement als «Neuling» in Bregenz und erzählt von dem besonderen Moment, als erstmals die Wiener Symphoniker die «Hamlet»-Probe bestritten haben. «Ein grossartiger Augenblick. Der Orchesterklang ist natürlich im Ansatz viel weicher, ja zärtlicher als das Klavier des Korrepetitors. Das Tempo wird anders, und als Sängerin finde ich meine Stimme nochmals in einem neuen Klang.»

Sabine Winter debütiert in Bregenz, ist aber keine Anfängerin. Sechzehn Opernrollen hat sie im Repertoire. Jetzt schwärmt sie von der Faccio-Oper: «Ich finde, man muss nicht immer alles mit Verdi vergleichen. Faccios <Hamlet> ist ein richtig spannendes Stück. Der Librettist Arrigo Boito hat die Shakespeare-Vorlage wunderbar für die Oper eingerichtet. Und Franco Faccio hat so wunderschöne Farben und Arien in seiner Musik.»

Für sie gibt es zum Glück das «gute», heisst beflügelnde Lampenfieber. Sabine Winter freut sich endlich vor Publikum loslegen zu dürfen. In ihrer Rolle muss sie auch Blumen werfen. Da habe sie, seit das Orchester im Graben sitze, ihre Würfe den neuen Gegebenheiten anpassen müssen. «Jetzt schützt ein Netz die Musiker vor meinen Blumen», erzählt sie schmunzelnd.

Inspirierendes Umfeld

In ihrer Kindheit habe sie zu Opern aus der Stereoanlage mitgesungen, auch die «Königin der Nacht» oder die «Papagena» geträllert, und als Jugendliche die Songs von Céline Dion, erzählt Sabine Winter. Jetzt als Festspiel-Sängerin schätzt sie das hohe professionelle Niveau, das sie umgebe. «Es ist sehr inspirierend, all die tollen Sängerinnen und Sänger zu erleben. Und einen Dirigenten, der die Dinge klar und rasch auf den Punkt bringt. Und mit einem Regisseur wie Olivier Tambosi zusammenzuarbeiten. Er ist ein kluger Kopf, der unheimlich viel Ideen zu den Rollen hat, bei dem aber auch wir Sängerinnen und Sänger unsere Inputs einbringen können.»

Die beiden Söhne von Sabine Winter – zweieinhalb und vier Jahre alt – sind inzwischen auch schon kleine Opernfans. «Mein Grosser, Kilian, wird sicher einmal Bühnenbildner», erzählt Sabine Winter. «Er baut daheim schon eifrig die Kulissen der Bregenzer Seebühne nach.»

Hamlet: 20., 25. und 28. Juli, je 19.30 Uhr (Festspielhaus Bregenz); www.sabine-winter.com

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