«Zu zweit ist es einfacher zu lachen»

Kinder lachen viel häufiger als Erwachsene. Zum Weltlachtag vom kommenden Sonntag gibt der Lachtrainer Raymond Katz aus Walenstadtberg Tips, wie wir im Alltag mehr zu lachen haben. Denn Lachen tut gut, schafft Vertrauen – und ist laut Katz die beste Gesundheitsvorsorge.

Maria Kobler-Wyer
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Herr Katz, weshalb sollten wir mehr lachen?

Katz: Es tut gut. Es ist die beste Gesundheitsvorsorge. Ich tu mir damit Gutes. Zudem ist Lachen oder Lächeln ein vertrauensbildendes Signal zwischen Menschen. Das merke ich auf Reisen – ich kann durch Lächeln mit Menschen in Kontakt treten, deren Sprache ich nicht verstehe.

Wie können Sie als Lachtrainer helfen?

Katz: Ich kann die mentalen Zusammenhänge bewusst machen und zeigen, wie wichtig Lachen ist.

Sie bieten auch Lach-Yoga an. Was versteht man darunter?

Katz: Lach-Yoga bedeutet, in jedem Moment lachen zu können. Man macht verschiedene Übungen, um aus dem Nichts heraus zu lachen. Stellen Sie sich zum Beispiel allein vor den Spiegel und lächeln Sie. Oder Sie klemmen einen Bleistift während einer Minute zwischen Nase und Oberlippe – und schauen, was passiert. Eine weitere Übung ist etwa das rhythmische Händeklatschen zu den Lachlauten «Hoho – Hahaha». Humorarbeit bedeutet üben, üben, üben!

Ist das für jeden geeignet?

Katz: Nicht alle können gekünstelt lachen. Das ist wie Theater spielen und braucht viel Training. Viele sind zuerst skeptisch. Meistens hat es aber in einer Gruppe ein oder zwei Personen, welche die anderen mitziehen können. 90 Prozent der Kursteilnehmer können sich darauf einlassen. Fünf Prozent sind hin- und hergerissen. Es gibt aber auch Leute, die nicht lachen können. Da ist eine Therapie gefragt. Auf öffentliche Kursausschreibungen melden sich 95 Prozent Frauen. Bei Männern ist die Hemmschwelle grösser.

Warum?

Katz: Männer sind so konditioniert, seriös zu wirken. Sie lassen weniger Emotionen zu. Lachen und Weinen gehören zusammen. Durch das Zulassen dieser Emotionen kann ein Heilungsprozess ausgelöst werden.

Kann man mit Humor aus einer schwierigen Situation finden?

Katz: Es gibt etwa 20 verschiedene Techniken; was hilft, ist sehr individuell. Man kann sich eine lustige Situation oder ein Ereignis in Erinnerung rufen, anderen hilft ein Bild oder ein Gedanke. Wer mit dem Auto im Stau steht, kann sich beispielsweise eine rote Clownnase aufsetzen und in den Rückspiegel oder zum Beifahrer schauen.

Und wie sieht es mit dem Humor bei Krankheit oder Tod aus?

Katz: Bei uns ist Humor ein Tabuthema, wenn jemand stirbt. In Afrika gibt es beim Stamm der Pygmäen den Brauch, dass bei der Beerdigung fröhliche Lieder gesungen und lustige Geschichten über den Verstorbenen erzählt werden. Und in Sizilien gibt es die «Buffoni»: Bänkelsänger, die mit lustigen Liedern die Trauergemeinde zum Lachen bringen. Ich habe bei meiner Arbeit als Pöstler auch schon gemerkt, dass es einem Trauernden gut tut, wenn ich einen Witz mache. Schwerkranke sind generell froh um Humor. Sie wollen endlich wieder einmal lachen können.

Können Sie ein paar Tips geben, wie man im Alltag mehr zum Lachen hat?

Katz: Wer sich mit humorvollen Sachen beschäftigt, lacht automatisch mehr. Ich empfehle, ein lustiges Buch zu lesen oder einen lustigen Film anzuschauen anstatt einen Krimi. Ausserdem kann man wunderbar einschlafen, wenn man zuvor in einem Witzbuch liest.

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