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Zu rau, zu brutal: «Wir wurden geschlachtet»

An die Zuschauerzahlen der vergangenen Saison wird Stephanie Gräve nicht rankommen. Trotzdem wertet die Intendantin des Vorarlberger Landestheaters Bregenz ihre erste Spielzeit als Erfolg. Und plant trotz finanzieller Unwägbarkeiten die kommende Saison.
Julia Nehmiz
Stephanie Gräve, Intendantin des Vorarlberger Landestheaters. (Bild: Anja Koehler / andereart.de)

Stephanie Gräve, Intendantin des Vorarlberger Landestheaters. (Bild: Anja Koehler / andereart.de)

Vor zwei Wochen kam die Zusage. Endlich. Doch die Planung der kommenden Spielzeit war da schon längst abgeschlossen – muss ja, die Wunsch-Regisseurinnen und -Regisseure haben sonst vielleicht keine Zeit mehr. Intendantin Stephanie Gräve kann nun beruhigt mit einem budget von 3,7 Millionen Euro planen: Die lange unsicheren 200000 Euro Bundesgelder für 2019 wurden gesprochen. Und auch vom Land Vorarlberg kam die Zusage, das Landestheater Bregenz erhält eine Erhöhung des Etats um 2,7 Prozent. Das klingt nach viel.

Doch Stephanie Gräve relativiert: Diese 2,7 Prozent braucht sie für die Indexanpassung. Die Gehälter steigen. Rechnet sie die Indexanpassung aufs Gesamtbudget um, bleiben ihr 6000 Euro mehr. Grosse Sprünge kann sie nicht davon machen. Doch sie sagt, Klappern gehört zum Handwerk. «Es gehört zur DNA der Theater, dass man immer mehr Geld braucht.»

Theater funktioniere über Ausbeutung, alle Theater seien so konzipiert. Sie will ihr Haus anders führen, will ihre Leute anständig bezahlen. Gräve ist die einzige Intendantin, die sich im Verein Art but Fair engagiert. Das wird ihr nun manchmal vorgehalten. Künstlerinnen und Künstler setzen sie unter Druck, Gräve würde wie andere Intendanten eine schlechte Gage bieten. Stephanie Gräve widerspricht:

«Wir sind ein kleines Haus, und für ein kleines Haus zahlen wir sehr gut.»

Die neue Saison eröffnet sie mit einer Dreifach-Premiere. Die Überlegung dahinter: In ihrer ersten Spielzeit war die Neugier eh da. Jetzt muss sie die Neugier wecken. Und sie will ihr Haus öffnen. Das Theatercafé soll umgebaut werden, Gräve träumt von einer Tagesgastronomie.

Ihr Theater soll noch mehr als diskursiver Ort wahrgenommen werden und eine Rolle in Bregenz spielen. Dieses Ziel habe sie in ihrer ersten Spielzeit noch nicht erreicht. Deswegen soll das Café nach aussen geöffnet werden. Auch mehr Einführungen und Diskussionen plant Gräve. Sie merkt, ihr Publikum ist zwar offen, doch bei modernen und ungewohnten Regiearbeiten helfen die einführenden, erklärenden Worte der Intendantin.

Nicht kindgerecht, lautete das vernichtende Urteil

Doch manchmal helfen auch erklärende Worte nicht mehr. Die Zuschauerzahlen beim Weihnachtsmärchen waren desaströs. «Wir wurden geschlachtet», sagt Stephanie Gräve entwaffnend ehrlich. Zu Hunderten wurden die Karten fürs Kinderstück «Oliver Twist» zurückgegeben. Zu rau, zu brutal, nicht kindgerecht, lautete das vernichtende Urteil. 5080 weniger Zuschauer allein beim Weihnachtsmärchen – diesen Rücklauf werde sie nicht mehr wiedergutmachen können.

Doch Stefanie Gräve wertet ihre erste Spielzeit trotzdem als Erfolg: Im Abendspielplan konnte sie die Zuschauerzahlen steigern. Und ihr Haus wird wahrgenommen: Das Theaterportal Nachtkritik schreibt über Bregenz, und jetzt schaut sich ein Jurymitglied des Berliner Theatertreffens ihre Doppeluraufführung «Der 27. Kanton» an. Intendantin Gräve macht also vieles richtig.

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