Zu Mozart ein unbekannter Tscheche

Der Kreuzlinger Pianist Benjamin Engeli hat mit dem Kammerorchester des Musik-Collegiums Schaffhausen zwei gewichtige Werke Mozarts und Voríšeks interpretiert. Ihr Weihnachtskonzert ist nochmals in Diessenhofen und Schaffhausen zu hören.

Gisela Zweifel-Fehlmann
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Benjamin Engeli, Pianist aus Kreuzlingen. (Bild: pd)

Benjamin Engeli, Pianist aus Kreuzlingen. (Bild: pd)

SCHAFFHAUSEN. Benjamin Engeli, international bekannter Pianist der jüngeren Generation, und das Kammerorchester des Musik-Collegiums Schaffhausen unter Annedore Neufeld gaben das traditionelle Weihnachtskonzert als Sonntagsmatinee in der vollbesetzten Rathauslaube. Auf dem Programm standen zwei gewichtige Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Ján Václav Hugo Voríšek.

Mozarts seltene Tonart

Mozarts Klavierkonzert KV 466 in d-Moll gilt als eines seiner tiefgründigsten und berühmtesten. Hier zeigen sich bereits dramatische Ausbrüche in seinem empfindsamen Stil, später charakteristisch für Ludwig van Beethoven, der das Konzert kannte und selber oft spielte. Auch die legendäre Mozartspielerin Clara Haskil liebte das Werk, und ihre vergeistigten Aufnahmen sind bis heute vorbildlich geblieben.

Die Tonart d-Moll ist bezeichnend. Mozart verwendete sie selten und wies ihr in seinem Lebenswerk eine besondere Stellung zu. Sie findet sich ebenfalls in seiner hochdramatischen Oper «Don Giovanni» und dem grossartigen Requiem, dem letzten Vermächtnis des Frühvollendeten vor seinem Tod.

Voller Temperament

Annedore Neufeld ist eine vielseitige Dirigentin mit klarer, differenzierter Schlagtechnik. Sie dirigierte mit Drive und Temperament und hatte ihr motiviertes Ensemble, das sich inzwischen erfreulich verjüngt hat, straff im Griff. Das gut vorbereitete Orchester erwies sich als präziser Begleiter und äquivalenter Partner des Solisten Benjamin Engeli.

Mozarts Klavierkonzert erklang in einer ungekünstelten, akzentuierten und lebendigen Interpretation, die den Schwerpunkt weder auf abgehobene Entrücktheit noch auf «mozartliche» Verspieltheit legte.

Sinn für lyrische Passagen

Benjamin Engeli spielte zugriffig und kraftvoll, zeigte daneben auch Sinn für liebevoll ausgespielte lyrische Passagen. Sein virtuoses Können kam zudem in den zwei grossen Kadenzen zum Ausdruck, die in ihrer romantischen Tonsprache weder von Mozart noch Beethoven stammten (dessen Kadenzen zu KV 466 bisweilen auch in Konzerten gespielt werden).

Unprätentiöse Liedhaftigkeit prägte den zweiten Satz, bei dem man ein wenig die Ruhe vor dem Sturm des aufwühlenden Mittelteils vermisste. Im abschliessenden Allegro assai zeigte das aufmerksame Orchester eine gute Leistung, da es das feurige Tempo durchaus mitzuhalten vermochte.

Der Pianist spielte als Zugabe Schuberts vielgeliebtes Impromptu in G-Dur. Hier durfte er sich alle Zeit für seine Gestaltung nehmen, die zu einem wunderschönen, geschmeidig und sensibel gespielten Kunstwerk wurde.

Warum für den zweiten Teil der Matinee keine der grossen D-Dur-Sinfonien von Mozart oder Haydn ausgewählt worden ist, sei dahingestellt. Dargeboten wurde ein monumentales, anspruchsvoll zu spielendes Werk des unbekannten böhmischen, ebenfalls früh verstorbenen Komponisten Ján Václav Voríšek, eines Zeitgenossen und Epigonen Beethovens, der gleichwohl mit motivischer Abspaltungstechnik, dramatischen Effekten und breit angelegter Sonatenhauptsatzform arbeitete, der jedoch abgesehen von schönen Instrumentalsoli über weite Strecken Substanz und originellen Einfallsreichtum vermissen liess.

Angestrengte Emsigkeit

Bedauerlicherweise sind so die zarten Nachklänge Mozarts und Schuberts mit Lautstärke und angestrengter Emsigkeit zugedeckt worden. Dafür bleibt die Erinnerung an ein glänzend aufgestelltes semiprofessionelles Orchester in grosser symphonischer Besetzung, das mit Benjamin Engeli eine beachtenswerte Leistung vollbracht hat.

Sa, 29.11., 19.30 Uhr, Stadtkirche Diessenhofen; Do, 4.12., 18.45 Uhr, Hombergerhaus, Schaffhausen