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Zu aufgeweckt für hundert Jahre Tiefschlaf

Grimms Märchen müssen nicht von gestern sein. Pascale Pfeuti und Kay Kysela spielen in «Dornrösli bockt» im Studio des Theater St. Gallens zwei königliche Helikoptereltern, das Wunschkind und alle anderen Rollen: ein hellwacher Spass.
Bettina Kugler
Keine Lust auf hundert Jahre Schlaf: Rosa (Pascale Pfeuti) mit Rolf, der sprechenden Rose ohne Dornen (Kay Kysela). (Bild: Jos Schmid)

Keine Lust auf hundert Jahre Schlaf: Rosa (Pascale Pfeuti) mit Rolf, der sprechenden Rose ohne Dornen (Kay Kysela). (Bild: Jos Schmid)

Wenn Königin Ulrike sich morgens die Perücke pudert und munter dazu trällert, dann staubt es mächtig in der Kleiderkammer. Doch mit der guten Laune ist es schnell vorbei: Sobald ihr einfällt, dass sie immer noch kein Kindchen hat (und Manfred, seines Zeichens königlicher Gemahl in schwarzen Strümpfen mit gebauschten Hosen drüber, dabei keine grosse Hilfe ist), lässt sie den schön frisierten Kopf hängen, zieht ein Schnütchen und jammert. So weit, so bekannt aus Grimms Kinder- und Hausmärchen, sieht man mal ab von den etwas bieder bürgerlichen Vornamen der Royals.

Was wir bisher nie zu fragen wagten

Was den Puder und die schöne Staubwolke betrifft: Sie sind ein Sinnbild dafür, was Kinder ab fünf und ihre märchenkundigen erwachsenen Begleiter in Anja Horsts Stück «Dornrösli bockt» frei nach den Brüdern Grimm erwartet. Lustvoll und augenzwinkernd spielt die Autorin, leitende Dramaturgin am Theater St. Gallen, mit dem Altbekannten: mit märchenhaften Setzungen und Umständen, die derart im Ohr und Kopf verankert sind, dass kein Mensch ernsthaft darüber nachdenkt. Etwa die Frage, welche Rolle der Frosch bei der Erfüllung des königlichen Kinderwunsches gespielt hat. Oder die Tatsache, dass zur Tauffeier mit den dreizehn geladenen weisen Frauen nur zwölf goldene Teller vorrätig sind. Pssst, nicht weitersagen: König Manfred ist schuld an dem Schlamassel.

Das Hofradio ist live dabei

Gut eine Stunde lang schlüpfen Pascale Pfeuti und Kay Kysela in 37 Rollen, so jedenfalls verkündet es die Hofpostille des Theaters; kein Mensch wird sich mit Nachzählen aufhalten. Dafür geht es auch viel zu geschwind und macht viel zu viel Vergnügen. Am liebsten würde man mitspielen, schliesslich hängen genug Kostüme an der Stange (Ausstattung: Heidi Walter). Immerhin sind wir live dabei, auch in Gemächern jenseits der Kleiderständer: Die Hofberichterstattung erfolgt per Radioreportage, und die Musik dazu von Andi Peter passt wie das Tüpfelchen aufs i.

Das heisst jedoch nicht, dass das Stück blosse Gaudi für zwei verspielte Bühnentiere ist. Bei ­allem Spass daran, so viele Märchen wie nur möglich beiläufig zu streifen und munter von der Staubschicht zu befreien, hat es auch einen nachdenklichen Kern. Es hält überfürsorglichen Helikoptereltern wie Manfred und Ulrike einen Spiegel vor und ermutigt Wunschtöchter wie Rosa, aufzubegehren gegen die ständige Bewachung und Bevormundung.

Das Kinderstück ist Chefsache

Natürlich müssen wir nicht hundert Jahre schlafen, bis Rosa mit Hilfe von Rolf, der sprechenden Rose, und Uwe, dem Hofradio, im Traum herausfindet, wie das Märchen gut ausgehen könnte: Das Stück hat dafür bald schon eine clevere Lösung. Überhaupt ist es so schlau wie gewitzt und temporeich, dazu eine Hommage an das Theater und seine kleinen Tricks, wenn es mit wenig Aufwand Wirkung erzielen und das Publikum fesseln will.

Erfreulich auch, dass die vergleichsweise kleine, wenig prestigeträchtige Studioproduktion für einmal Chefsache ist: Schauspieldirektor Jonas Knecht hat die Regie übernommen und dabei ­sicher kein einziges Mal gegähnt. Wie sagt der kusshungrige Frosch so schön, als er sich kurz vor Schluss noch einmal ins falsche Märchen verirrt? «Den Versuch war’s wert!» Zweifellos, und mehr als das.

Nächste Vorstellungen: 8./13./16./23.2., 2.3., jeweils 14 Uhr, Theater St. Gallen (Studio)

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