Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Zigi-Automat, der Kunst ausspuckt

Eine künstlerische Brücke über den Röstigraben gibt es in Marly, südlich von Fribourg, zu sehen. Stefan Rohner hat für eine Ausstellung dort nicht nur Roman Signer gewinnen können, sondern 17 weitere Ostschweizer Künstler.
Dorothee Haarer
Kunst statt Zigaretten: Aus diesem Automaten kommt für acht Franken ein originales Ostschweizer Kunstwerk. (Bild: pd)

Kunst statt Zigaretten: Aus diesem Automaten kommt für acht Franken ein originales Ostschweizer Kunstwerk. (Bild: pd)

Ein Zigarettenautomat, der keine Glimmstengel, sondern echte Ostschweizer Miniaturkunst ausspuckt, ist eines von 15 aussergewöhnlichen Projekten, die es bei der Veranstaltung «Hors Piste – maintenant – jetzt – now» zu sehen gibt. Der in St. Gallen lebende Künstler und Fotograf Stefan Rohner hat ihn kuratiert. Dafür hat er zahlreiche Ostschweizer Künstler angeheuert und sie an den reizvollen Veranstaltungsort, das frühere Firmengelände von Fotofabrikant Ilford in Marly, gelockt.

Eigentlicher Initiant des besagten Apparates und Macher von «Hors Piste» ist jedoch Pierre Eichenberger. Er ist Präsident der Kunststiftung APCd und freut sich, dass der 56jährige Rohner durch den Zigi-Automaten mithilft, eine künstlerische Brücke über den Röstigraben zu bauen.

Rohner gemeinsam mit Signer

17 aktive Ostschweizer Kunstschaffende, von Marianne Rinderknecht über Lika Nüssli bis Josef Felix Müller, konnte Rohner gewinnen, um den Automaten zu befüllen. Unter dem offiziellen Projekttitel «In the Box» bieten sie alle nun eigens gefertigte Arbeiten an. Die künstlerischen Special-Editionen sind gross wie Zigarettenschachteln und für acht Franken das Stück zu erwerben. Jeder, der schon immer echte Kunst kaufen wollte, aber nie das nötige Kleingeld dafür hatte, sollte daher unbedingt nach Marly reisen. Rohner selbst tritt dort vor allem mit seinen Fotografien in Erscheinung und bespielt einen eigenen Raum. Dazu holt er sich einen Co-Aussteller mit ins Boot: St. Galler Aktionskunst-Legende Roman Signer.

«Roman und ich haben vor langer Zeit intensiv und über viele Jahre hinweg zusammengewirkt. Durch ihn habe ich einen Zugang in die Welt der Kunst bekommen, und wir haben auch ähnliche Sichtweisen darauf.»

Frech und überraschend

Aus diesem Grund sei Rohner darauf gekommen, eigene neue Werke und drei Arbeiten Signers gemeinsam in einem Raum zu präsentieren und in ein Spannungsfeld zu stellen. «Ich habe Roman gefragt, ob er damit einverstanden sei, wenn ich seine und meine Arbeiten in Marly zusammenbringe. Und er hat mir sofort grünes Licht gegeben.» Auf diese Weise hat Stefan Rohner einen Ausstellungsraum in Szene gesetzt, der rätselhaft, frech und überraschend ist. Und in dem nun zwei Kunstschaffende zu sehen sind, die stimmig miteinander harmonieren und doch in ihren Arbeitsweisen vollkommen eigenständig sind.

Rätselbilder und Bilderrätsel

Die von Rohner gezeigten Werke sind alle im letzten Herbst entstanden. Es sind rätselhafte Bilder in graublauer Farbgebung, bei denen der Künstler mit weissen und roten Buchstaben und Zeichnungen ins ursprüngliche Motiv eingreift und es verändert. Dabei sind die Sujets der Bilder mehrheitlich frei erfunden und kaum je Abbild der Realität. Dies geschieht mit Absicht. Denn der in Herisau geborene Rohner sucht nicht nach dem Alltäglichen. Vielmehr fahndet er nach ungewöhnlichen Situationen und kreiert so Bilderrätsel und Rätselbilder. Konsequent stellt er diesen Arbeiten drei Objekte seines einstigen Weggefährten Roman Signer an die Seite.

Auch Signers Installationen sind rätselhaft und überraschen den Betrachter. Auch sie geben keinen Anhaltspunkt über ihre Inspirationsquelle oder darüber, wie sie zu interpretieren wären. Vielmehr spielen sie, ebenso wie Rohners Bilder, mit dem Betrachter und mit dessen Wunsch nach Auflösung des Rätsels. Die bleibt aber aus. Was dafür geliefert wird, sind Farben, Formen und der Anstoss, sich eigene Gedanken machen zu dürfen.

Kunst der Extraklasse

«Hors Piste» zeigt neben den Ostschweizer Projekten noch mehr, was sehenswert ist. Weitere nationale und internationale Kunstschaffende geben auf dem früheren Ilford-Areal Einblicke in künstlerische Ansätze jenseits des Mainstreams. Den Organisator Pierre Eichenberger freut's. Und er plant schon, was als nächstes kommt.

Bis 19. September. «Hors Piste – maintenant – jetzt – now»; 11./12.07., 29./30.08., 5./6.09., jeweils 10–16 Uhr, APCd Fondation, Marly

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.