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Ziemlich vitale Dinosaurier

Auf 65 Produktionen und unzählige Lesungen in ihrem 1997 gegründeten Kabinett-Theater können Regine Weingart und Arnim Halter zurückschauen. Lieber gehen sie damit «promenieren» – im Rampenlicht.
Bettina Kugler
Ihr Lieblingsplatz bleibt die Bühne: Regine Weingart und Arnim Halter spielen fürs Jubiläumsfoto einmal Publikum. (Bilder: Urs Bucher)

Ihr Lieblingsplatz bleibt die Bühne: Regine Weingart und Arnim Halter spielen fürs Jubiläumsfoto einmal Publikum. (Bilder: Urs Bucher)

Bettina Kugler

bettina.kugler

@tagblatt.ch

Im Sitzen promenieren: Bei ihnen ist das möglich. Die Wand im Foyer der Atelierbühne am Mühlensteg erinnert ein wenig an den Olma-Weg, den man derzeit vom Bahnhof aus unter die Füsse nehmen kann, vorbei an Plakaten aus früheren Zeiten. Hier im Theater Parfin de siècle präsentieren sich zwanzig Jahre bequem auf einen Blick. Fleissig, wie sie nun einmal sind, haben Regine Weingart und Arnim Halter die Wand mit Theaterplakaten aus dem Archiv tapeziert: klein und fein. Für die Massen hätten sie ohnehin keinen Platz in ihrem «Kabinett», dem einstigen Atelier des Malers und Bildhauers Max Oertli. Dafür wird unermüdlich gespielt, an bis zu hundert Abenden im Jahr.

Wer ihnen in den kommenden Wochen am Mühlensteg zu ihrer Jubiläumsrevue die Ehre gibt, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit etliche der plakatierten Stücke gesehen: Klassiker von Sartre, Molière, Ionesco, neue Stücke von John von Düffel oder Yasmina Reza, Uraufführungen von Autoren der Region, von Helen Meier, Ruth Erat, Christine Fischer, Fred Kurer. Oder Collagen mit unwiderstehlichen Titeln: «Vom Tiefsinn des Blödsinns», «Frölich Geschray so well wir machen», «I suach ’s Paradies, wurscht, wo’s is’». Die Titel verraten viel vom besonderen Charme, mit dem Regine Weingart und Arnim Halter freischaffend ihre Nische im Kulturleben der Stadt St. Gallen und darüber hinaus bespielen, zusammen mit einem kleinen Stamm treuer Kollegen. Ihr grösster Erfolg bislang: der Chansonabend «C’est si bonbon». Er lockte 3000 Zuschauer ins schnell ausverkaufte Theater.

Begonnen haben sie kurz vor Ende des 20. Jahrhunderts, was ihnen den programmatischen, sprachlich schön schillernden Namen mit der verführerischen Duftnote zugespielt hat. «Uns hat der Vergleich mit der Zeitenwende vor hundert Jahren gereizt», sagt Arnim Halter, «dementsprechend haben wir Autoren und Stoffe ausgewählt.» «Auch damals verabschiedete sich die Gesellschaft von vielen Dingen und Werten», fügt Regine Weingart hinzu. «Anderes wirkte noch eine Weile nach, etwa der Ehrbegriff. Wer bringt sich heute noch um aus verlorener Ehre?»

Ehrensache ist für die beiden Theatermacher jedenfalls die intensive Beschäftigung mit Stücken und Romanen, mit Liedern und Gedichten: ein Qualitätsmerkmal ihrer Produktionen. «Dass wir so gründlich arbeiten können, empfinden wir als grosses Privileg.» Ihre Bilanz beeindruckt: Auf über sechzig Produktionen können sie zurückschauen, die Literaturprogramme nicht mitgezählt. Die meisten Stücke wurden am Mühlensteg gespielt; vierzehn Jahre lang kam eine Sommerproduktion im Botanischen Garten hinzu.

Chansons, Klassiker und Ganztagslesungen

Leisten können sie es sich dank regelmässiger finanzieller Förderung durch Stadt, Kanton und Stiftungen und einen Verein im Rücken: Die Jahresbeiträge der mehr als 800 Mitglieder sichern die Grundkosten des Theaterbetriebs, den das emsige Duo grösstenteils selbst stemmt, von der Lektüre bis zur Verköstigung des Publikums, etwa bei tagelangen Monsterlesungen. Nicht zu vergessen die Buchhaltung.

Die Zuschauer schätzen die Konzentration auf einfache Mittel, die Verbindung von Ernst und Unterhaltung auf der kleinen Bühne. Von seinen Lehrjahren in Paris weiss Arnim Halter nur zu gut, dass Reduktion enorme Wirkung erzielen kann. «Da kann ein Luftballon auf der Bühne zum Ereignis werden.»

Regine Weingart hat die grossen Gesten, das schwungvolle Ausschreiten nie vermisst, im Gegenteil. «Nach den Jahren am Theater St. Gallen und grösseren Häusern wünschte ich mir mehr Nähe zum Publikum.» Vom hektischen und bürokratischen Betrieb hatte sie genug. «Wir sind wohl Dinosaurier», sagt Halter. Die aber werden beim Lesen quicklebendig – und finden nach wie vor Stoff genug, an dem Zuschauer von heute zu knabbern haben. Nahrhaftes mit Biss.

Revue «Eine Promenade durch 20 Jahre Parfin de siècle»: 23., 24., 26., 29.9., 20 Uhr, weitere Vorstellungen im Oktober, www.parfindesiecle.ch

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