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ZERSIEDELUNG: Autistische Häuser und Copy-Paste-Strassen

Die Schweiz und der Kosovo haben dasselbe Problem: Ihre Städte fransen aus, «Agglo» entsteht – mit allen negativen Folgen. Im Architekturforum Ostschweiz nimmt eine Ausstellung einen Ländervergleich vor.
Das freistehende Einfamilienhaus ist Symbol für die negativen Folgen der Zersiedelung. (Bild: PD)

Das freistehende Einfamilienhaus ist Symbol für die negativen Folgen der Zersiedelung. (Bild: PD)

Vor sieben Jahren reisten die jungen Lausanner Architekten Guillaume de Morsier und Valentin Kunik in den Kosovo. Als sie dort auf einem Berg standen und ins Tal blickten, fiel de Morsier auf: «Komisch, von weitem sieht es hier aus wie in der Schweiz.» Das, was die Ähnlichkeit der Landschaften beider Länder ausmacht, ist eine starke Zersiedelung. Das Erlebnis auf dem Berg war die Initialzündung für eine Forschungsarbeit, die sich mit vorstädtischen Landschaften in der Schweiz und im Kosovo beschäftigt. Zusammen mit kosovarischen Architekten unternahmen de Morsier und Kunik fünf Reisen durch beide Länder. Das, was ihnen auffiel, dokumentierten sie mit Fotografien und Karten.

Weder Stadt noch Land

Im Architekturforum Ostschweiz in St. Gallen präsentieren sie nun erste Erkenntnisse in der Ausstellung «Parallel Sprawl». «Sprawl» ist das, was man in der Schweiz als «Agglo» bezeichnet: Gebiete, die weder Stadt noch Land sind. Einkaufszentren, Autobahnen, Industriezonen und Wohnge­biete: «All together in a kind of mess», wie es die italienische Architektin Paola Viganò im Dokumentarfilm formuliert, der in der Ausstellung zu sehen ist. Der Film ist ein Zusammenschnitt von 20 Interviews mit internationalen Experten. Es sind spannende Analysen des globale Phänomens der Zersiedelung.

Die Ausstellung stellt eine erste Auslegeordnung dar. Lösungsansätze für die in beiden Ländern vorhandenen Probleme, welche die Zersiedelung mit sich bringt, wie hoher Flächenverbrauch, ungünstige Energiebilanz oder geringe Auslastung der Infrastruktur, werden bedauer­licherweise keine präsentiert. Ideen für die Entwicklung von zersiedelten Gebieten sollen in einer nächsten Forschungsetappe erarbeitet werden. In Form von Fotografien, die für jedes Land zu neun Themen wie «Dichte», «Begrenzungen» oder «Strassen» gruppiert sind, werden spezifische Eigenheiten und Parallelen des Bauens in subur­banen Landschaften aufgezeigt. Die Fotos, die leider viel zu klein geraten und teilweise zu hoch gehängt sind, sind mit kurzen Legenden versehen. Sie triefen nicht selten vor trockenem Humor. Unter dem Bild eines akkurat gepflegten Vorgartens steht als Kommentar «Little Germany». Es stammt nicht etwa aus der Schweiz, sondern aus dem Kosovo. Zwei benachbarte Schweizer Einfamilienhäuser mit voneinander abgewandten Fassaden werden als «Autistische Hauseinheiten» bezeichnet, eine uniform wirkende kosovarische Häuserzeile mit «Copy-Paste Street Design». Die Fotos aus dem Kosovo sind leicht zu erkennen: Viele der Häuser sind noch Rohbauten mit unverputzten Fassaden.

Was in der eher bilderlastigen und textarmen Ausstellung fehlt, sind zusätzliche Informationen: etwa, dass im Kosovo wegen der vielen kriegszerstörten Häuser ab 2000 besonders intensiv gebaut wurde. Im Gegensatz zur Schweiz, wo die Zersiedelung schon mit dem Einsetzen der Hochkonjunktur in den 1950er-Jahren begann.

Christina Genova

Bis 6.11., Sa +So 14–17 Uhr, Filmvorführung um 15 Uhr

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