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Zerrissen und geliebt - Romy Schneider wäre 80

Die 1982 in Paris verstorbene Schauspielerin Romy Schneider verabscheute das geregelte Leben. Doch die «Femme fatale» hatte durchaus auch bürgerliche Seiten. Am 23. September hätte sie ihren 80. Geburtstag gefeiert.
Matthias Röder/dpa
Insgesamt 59 Filme hat Romy Schneider gedreht. (Bild: Getty, 1970)Insgesamt 59 Filme hat Romy Schneider gedreht. (Bild: Getty, 1970)
Ihre Rolle als Kaiserin Elisabeth war der Start für eine grosse Karriere und zugleich der Beginn des Kampfes gegen das "Sissi"-Image. (Bild: Getty, 1955)Ihre Rolle als Kaiserin Elisabeth war der Start für eine grosse Karriere und zugleich der Beginn des Kampfes gegen das "Sissi"-Image. (Bild: Getty, 1955)
Bei Dreharbeiten zu ihrem letzten Film: Die Spaziergängerin von Sans-Souci. (Bild: Getty, 1981)Bei Dreharbeiten zu ihrem letzten Film: Die Spaziergängerin von Sans-Souci. (Bild: Getty, 1981)
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Würde Romy Schneider der «Sissi»-Pfad im Wiener Hofmobiliendepot gefallen? Dutzende von Tischen, Kommoden, Leuchtern und Betten erinnern dort daran, dass die Möbel-Schatzkammer der Habsburger vor 60 Jahren die drei sensationell erfolgreichen «Sissi»-Filme ausstattete.

Die Rolle der Kaiserin Elisabeth (1837–1898), die im romantisch-verklärten Film eine liebevolle Ehe mit Franz Joseph I. führte, war für Romy Schneider Segen und Fluch. Für die in ­Bayern aufgewachsene Wienerin und Wahlfranzösin, die heute ihren 80. Geburtstag feiern würde, war es der Start für eine grosse Karriere – und der Beginn des Kampfes gegen ein Image.

Welten liegen zwischen der kokett-fröhlichen jungen Frau, die im Film als Prinzessin aus Bayern mit 16 Jahren einen der mächtigsten Herrscher der Welt heiratet, und ihrer letzten Rolle als eine von den Nazis verfolgte Animierdame in «La passante ­ du Sans-Souci». Der Streifen sei «das letzte Dokument des viel ­zitierten «gebrochenen Herzens, an dem Schneider aus Sicht vieler Fans kurz nach der Premiere starb», befand der «Spiegel». Romy Schneider wurde zehn Monate nach dem Unfalltod ihres Sohnes David am 29. Mai 1982 ­ im Alter von 43 Jahren tot am Schreibtisch ihrer Wohnung in Paris gefunden.

«Ich bin mit Nathalie nach Mexiko, alles Gute, Alain»

Nach ihrem Tod wurden alle publizistischen Schleusen geöffnet. Bücher und Artikel thematisierten, «was man bis dahin – aus Takt oder Angst vor Klagen – zurückgehalten hatte: ihr Tabletten- und Alkoholkonsum, ihre Bisexualität, ihre Ausbeutung durch Männer», schreibt ihre Biografin Alice Schwarzer. Schwarzer ­beschreibt die damals wohl berühmteste deutsche Schauspielerin als «sensibel», «ernsthaft» und «unsicher».

Frankreich war der Sehnsuchtsort der hochbegabten, aber nie als Schauspielerin ausgebildeten Schneider. Ihre Liebe zur kunstreichen Grande Nation drückte sich schon bei der Synchronisation der «Sissi»-Filme aus. In der ebenfalls höchst erfolgreichen französischen Variante sprach sie ihre Rolle selbst. Mit Zuschauerzahlen zwischen 20 und 25 Millionen gilt die Trilogie der «Sissi»-Filme als eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Filmproduktionen. «Auch international brach bereits der erste Teil der Trilogie alle Rekorde», sagt der «Sissi»-Experte des Hofmobiliendepots, Herbert Gmoser. In den ersten drei Wochen seien in Paris im Kino mehr als 100 000 Zuschauer gezählt worden.

Die Deutschen hatten Ende der 1950er-Jahre ein Problem damit, dass die von ihnen verehrte Verkörperung der Unschuld mit dem skandalumwitterten französischen Schauspieler Alain Delon nach Paris zog. «Wir sind die beiden meistbeschimpften Frauen Deutschlands», habe ihr Schneider in einem Interview 1976 gesagt, so die Feministin Schwarzer. Zuvor hatte Romy Schneider zusammen mit 374 Frauen im Magazin «Stern» mutig bekannt: «Wir haben abgetrieben.»

Die Beziehung zum heute 82-jährigen Delon scheiterte 1963. Tief betroffen schilderte Schneider: «Da stand ein Rosenstrauss, daneben lag ein Zettel, da stand drauf: ‹Ich bin mit Nathalie nach Mexiko, alles Gute, Alain.›» Und: «Nach der Liebe mit Alain war ich verbraucht, verloren, geschunden.»

Jeden Sonntag bei den Schwiegereltern

Schneider stürzte sich in die Arbeit, avancierte in den 1960er- und 1970er-Jahren zum bewunderten Star in Frankreich. 1968 drehte sie viel beachtet den Krimi «Swimmingpool» mit Ex-Freund Delon. 1970 war sie an der Seite von Michel Piccoli im Liebes- drama «Les choses de la vie» ­ zu sehen, 1973 bis 1975 spielte sie in fünf Filmen, darunter «Le mouton enragé», «le trio infernal», «Les innocents aux mains sales». Für «L’important c’est d’aimer» und «Une histoire ­simple» erhielt sie den Filmpreis César. Insgesamt drehte sie ­ 59 Streifen.

1966 heiratete sie den deutschen Regisseur Harry Meyen, kehrte vorübergehend nach Deutschland zurück. Ihr Sohn David wird geboren. Nach der Trennung von Meyen sagte sie 1976 «Ja» zu ihrem Privatsekretär Daniel Biasini. Ihre Alkohol- und Tablettensucht steigerte sich so, dass sie oft in die bretonische Stadt Quiberon zum Entzug fuhr.

Ihr Ex-Mann Biasini betont allerdings auch die an eine ganz normale Frau erinnernden Züge Schneiders: «Sie hing sehr an ihrer Familie, den Kindern, an ihrem Ehemann. Wir hatten ein Ritual: Wir haben jeden Sonntag bei meinen Eltern verbracht. Sie hatte wirklich nur diese beiden Leidenschaften: den Beruf und die Familie», so Biasini im Interview des Magazins «News». Schneider selbst sah sich kritischer: «Ich bin wohl recht unlebbar für mich selbst – und schon gar für andere.» Mit einer Szene zementierte die sich vor Einsamkeit fürchtende Schneider ihr Image als «Femme fatale». In einer Talkshow strich sie 1974 dem Bankräuber Burkhard Driest über den Arm und meinte: «Sie gefallen mir, Sie gefallen mir sehr.»

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