Luzern
Egoistische Mutter und leichtfertige Ärzte werden tödlich bestraft: Luzerner Psychiaterin vertritt in ihrem neuen Roman eine kontroverse Position

Die Luzerner Psychiaterin und Psychotherapeutin Evelina Jecker Lambreva hat einen Roman verfasst. Darin gibt es eine klare Botschaft zu Gunsten von Kindern, die unter Lieblosigkeit ihrer Eltern leiden.

Arno Renggli
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Die in Bulgarien geborene Luzerner Psychotherapeutin und Autorin Evelina Jecker Lambreva (58).

Die in Bulgarien geborene Luzerner Psychotherapeutin und Autorin Evelina Jecker Lambreva (58).

Bild: PD

Ein Gynäkologe gerät unter einen Zug, ein Psychiater wird erstochen, eine junge Frau verschwindet. Der neue Roman der Luzerner Psychotherapeutin Evelina Jecker Lambreva hat die Anlage eines Thrillers. Ohne indes die genretypische Spannung punkto Täter möglichst lange halten zu wollen: Recht rasch ist klar, dass die junge Frau für beide Todesfälle verantwortlich ist.

Im Roman geht es vielmehr um das Motiv der kaltblütig verübten Morde. Vor einem Rätsel steht auch Protagonistin Maya, welche als Mitarbeiterin einer Opferberatungsstelle die abgetauchte junge Frau betreut hat.

Drastische Darstellung einer übergriffigen Mutter

Die psychologischen Aspekte der Figuren gehören zu den grossen Stärken des Romans: Die junge Frau steht zeit ihres Lebens und noch als Erwachsene unter dem stalkingartigen Einfluss ihrer besitzergreifenden Mutter. Diese, im Grunde zu Kinderliebe unfähig, hatte die Tochter seinerzeit durch künstliche Befruchtung erhalten. Das Verhältnis der beiden schildert Evelina Jecker Lambreva drastisch und packend. Maya wiederum hat ebenfalls eine stark belastete Beziehung zu ihrer heute im Altersheim lebenden Mutter.

Der Roman steht im Dienst einer klaren Botschaft. Die Autorin kritisiert den Egoismus, um jeden Preis und allenfalls auch mit technischen Mitteln ein Kind haben zu wollen, ohne für die Elternschaft wirklich geeignet zu sein. Dazu sagt sie:

«Ein Kinderwunsch ist oft von gesellschaftlichem Druck diktiert oder tritt stellvertretend für andere Bedürfnisse auf.»

Beim Letzteren gehe es gar nicht um das Kind, sondern um eine neurotische Fixierung, die dem zukünftigen Kind schade. «Sei es, weil das Kind als Staus-Symbol dienen muss, oder weil es als narzisstische Verlängerung von ebenso narzisstischen Eltern ihre Vorstellungen zu erfüllen hat.»

Läuft es dann auf künstlicher Befruchtung hinaus, tragen aus Sicht von Evelina Jecker Lambreva Ärztinnen und Ärzte eine grosse Mitverantwortung für das Leben, das das künftige Kind mit den Eltern erwartet. «Ich persönlich gehe davon aus, dass es eine Frage der Zeit ist, bis Ärztinnen und Ärzte, die in der Vergangenheit künstliche Befruchtungen durchgeführt haben, von inzwischen erwachsenen Kindern angeklagt werden, das Kindeswohl zu wenig oder gar nicht berücksichtigt zu haben.»

Evelina Jecker Lambreva: Im Namen des Kindes. Braumüller, 225 S., Fr. 36.90.

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