Lucerne Festival
Trotz Corona ist in Luzern mit einem vierten Festival bald das ganze Jahr Sommer

An einer Medienkonferenz präsentierte Lucerne Festival Corona-bedingte Anpassungen im Sommerfestival. Und nutzte die Online-Plattform, um eine neue Ära anzukündigen: Dank einem weiteren Kurzfestival und einem neu formierten Orchester ist in Luzern bald das ganze Jahr hindurch Sommer.

Urs Mattenberger
Drucken
Teilen

Mit Aus- und Umbauplänen noch vor dem Ende der Coronakrise landete Lucerne Festival an seiner online durchgeführten Medienkonferenz einen Überraschungscoup. So gibt es ab 2023 ein viertes Festival, das der Pianist Igor Levit als mehrtägiges «Klavierfest» kuratiert. Das Frühlingsfestival wird künftig vom Lucerne Festival Orchestra und das Herbstfestival vom neu konzipierten Lucerne Festival Contemporary Orchester bestritten.

Ein neues Gesicht erhält aber auch das Sommerfestival, das dieses Jahr mit Corona-bedingten Anpassungen vom 10. August bis 12. September durchgeführt wird. So gliedert sich der Sommer neu in die Bereiche «Symphony», «Contemporary» und «Music for future» mit jungen Musikern oder für ein junges Publikum. Visuell bringt ein neues Logo und Erscheinungsbild den angestrebten Aufbruch zum Ausdruck.

Dieser steht quer zur Entwicklung der letzten Jahre, in denen Lucerne Festival die Publikumszahlen nur knapp halten konnte und einzelne Programmpunkte gestrichen wurden - darunter vor zwei Jahren die Oster- und Piano-Festivals. Wieso es bereits wieder zu einer strategischen Neuausrichtung beim grössten Schweizer Klassik-Festival kommt, erklärt Intendant Michael Haefliger mit Blick auf Festival-Entwicklungen, die auch durch Corona geprägt sein könnten.

Orchester und Stars, Junge und Zeitgenossen

Die auffälligste Corona-Anpassung des bevorstehenden Sommer-Festivals unter dem Motto «Verrückt» betrifft die Beschränkung des Saalbelegung im Konzertsaal des KKL auf 1000 Besucher. Die Veranstaltungen werden alle ohne Pause durchgeführt, die Daten für das Contact Tracing werden sowohl für Verkaufs- als auch für die meisten Gratis-Veranstaltungen erhoben. Das Schutzkonzept des KKL wird gegenwärtig aktualisiert.

Trotzdem bietet dieser Sommer in 87 Veranstaltungen das volle Programm, das man von Lucerne Festival erwartet: In wiederum knapp 30 Sinfoniekonzerten sind neben dem Lucerne Festival Orchestra, dem Tonhalle- und dem Luzerner Sinfonieorchester auch dieses Jahr viele internationale Top-Orchester vertreten – von den Berliner und Wiener Philharmonikern bis zu Alte-Musik-Orchestern wie «Les Arts Florissants».

Die Reihe der Stars wie Anne-Sophie Mutter, Igor Levit oder Cecilia Bartoli wird angeführt von der Pianistin Yuja Wang als Artiste Etoile. Akzente im Bereich der zeitgenössischen Musik setzen Composer in residence Rebecca Sanders der das neu formierte Lucerne Festival Contemporary Orchestra unter der Leitung von Heinz Holliger. Die Reihe zum Festivalmotto «Verrückt» stellt Komponisten und Musik vor, die sich jenseits aller Konvention bewegen. Szenische Akzente setzen inszenierte Konzerte mit Patricia Koipatchinskaja und Reto Bieri sowie das Luzerner Theater mit Mauricio Kagels Staatstheater.

Dass die Veranstaltungen neu nach den Sparten «Symphony», «Contemporary» und «Music for Future» gegliedert werden, ist dabei mehr als Etikette und Marketing. «Music for Future» steht etwa für den Ausbau im Jugendbereich, der dieses Jahr mit Jugendsinfonieorchestern beginnt. Ein neuer visueller Auftritt bringt diese Vielfalt mit einem dynamischen neuen Logo und einer von Gegensätzen geprägten Bildsprache zum Ausdruck.

Kurzfestivals zu Ostern, im Mai und im Herbst

Den Anspruch auf eine neue Ära löst Lucerne Festival am markantesten bei den über das Jahr verteilten, drei bis viertägigen Kurzfestivals ein. Zu jenen zu Ostern und im Herbst kommt neu ein drittes im Mai hinzu.

Eröffnet wird die Saison von Lucerne Festival ab 2022 an Ostern durch eine Frühjahrs-Residenz des Lucerne Festival Orchestra. Das Orchester, in dem bekannte Solisten und Kammermusiker mitwirken, tritt in unterschiedlichen sinfonischen Besetzungen und wird so unter Riccardo Chailly sein Repertoire stilistisch weiter ausbauen. Geplant ist für die ersten beiden Jahre ein Mendelssohn-Fest, das sämtliche Sinfonien des Komponisten mit Musik seiner Zeitgenossen Wagner, Schubert und Berlioz sowie seines Vorbilds Johann Sebastian Bach koppelt.

«Lucerne Festival Forward!»

Das Kurzfestival im Herbst wird – erstmals in diesem Jahr vom 19. bis 21. November - gestaltet von Musikern des neu konzipierten Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO), das sich aus aktuellen und ehemaligen Studenten der Lucerne Festival Academy zusammensetzt. Als Festivalzentrale fungiert das KKL, doch soll «Lucerne Festival Forward!» in der ganzen Stadt alle Altersgruppen einbeziehen und in ungewöhnliche Konzertformate neue Technologien integrieren

Nach dem grossen Erfolg seines Beethoven-Zyklus bei Lucerne Festival wird der Pianist Igor Levit ein neues Klavierfest kuratieren. Ab 2023 präsentiert er jeweils im Mai ein verlängertes Wochenende, bei dem er selbst auftritt, aber auch befreundete Künstler und Ensembles auch aus dem Bereich des Jazz vorstellt. Lucerne Festival zusätzlich zu Ostern, im Mai und Herbst - das ergibt praktisch jede Jahreszeit zum Sommer.

Start des Online-Vorverkaufs zum Sommer-Festival ist am 17. Mai, 12 Uhr: www.lucernefestival.ch

Video: Tele 1

Aktuelle Nachrichten