Zehnjährige Big Band

HÖRBAR JAZZ Das vor einem Jahrzehnt gegründete Swiss Jazz Orchestra legt endlich ein Album vor, für das vollumfänglich ein aus seinen Reihen rekrutierter Komponist verantwortlich zeichnet.

Drucken
Teilen

HÖRBAR JAZZ

Das vor einem Jahrzehnt gegründete Swiss Jazz Orchestra legt endlich ein Album vor, für das vollumfänglich ein aus seinen Reihen rekrutierter Komponist verantwortlich zeichnet. Pianist Philip Henzi hat auf der Basis seiner Träume Musik geschaffen, die nicht zum Träumen einlädt. Dafür ist sie zum Glück nicht einlullend genug. Zu hören ist orchestraler Jazz auf der Höhe der Zeit: formal ausgeklügelt, rhythmisch vielschichtig, klanglich opulent. Bestechend sind der äusserst transparente Klangausgleich und die Integration der improvisierten Parts in die weit gespannten dramaturgischen Abläufe. Die Solisten werden so gut wie nie von den Begleitsätzen übertönt. Hier ist ein exzellenter Klangkörper herangewachsen. Maestro Henzi hat die Messlatte sehr hoch gelegt. Und zwar auch dort, wo er abtaucht, nämlich im Tiefsee-Stück «Bathyal»: Da gelingt ihm das Kunststück, die Dunkelheit zum Leuchten zu bringen.

Swiss Jazz Orchestra, «Lucidity», Mons Records

Neues Trio

Thomas Lüthi (Tenorsax), Arne Huber (Bass) und Claudio Strüby (Schlagzeug) bilden das Trio Biwak. Auf ihrer Début-CD überzeugen die drei Musiker mit einem Mix aus Coolness, Melodienreichtum, lyrischer Abstraktion und geschmeidig-druckvoller Groove-Eleganz. Alles in allem fühlt man sich ein bisschen an das US-Trio Fly (Mark Tuner, Larry Grenadier, Jeff Ballard) erinnert – der Interplay-Jazz von Biwak kommt aber weniger verkopft daher.

Thomas Lüthi's Biwak, Unit Records

Altes Trio

Während vieler Jahre bildeten die Schweden Bobo Stenson (Piano) und Anders Jormin (Bass) mit dem norwegischen Schlagzeuger Jon Christensen eine der überragenden Formationen des Piano-Trio-Jazz. Mit ihrem Landsmann Jon Fält haben Stenson und Jormin einen kongenialen Nachfolger für Christensen gefunden, wie ihr neues, zugleich sublimes und unprätentiöses Meisterwerk zeigt. Das ungewöhnliche Repertoire umfasst unter anderem ein norwegisches Volkslied, ein Stück des deutschen Protestsängers Wolf Biermann, Jazz-Raritäten und freie Improvisationen.

Bobo Stenson Trio, «Indicum», ECM

Tom Gsteiger