Zauberfiedel, Klanggewitter

Kühle, trutzige Mauern eines mittelalterlichen Schlosses. Ein Steinway im Abendlicht, an einem der längsten Tage des Jahres. Ein Schwimmbad als Klangkulisse für lyrisch-musikalisches Gewitter. Ein lichtdurchfluteter Barocksaal, gesammelte Gelehrsamkeit, getaucht in virtuose Musik des frühen 18.

Bettina Kugler
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Kühle, trutzige Mauern eines mittelalterlichen Schlosses. Ein Steinway im Abendlicht, an einem der längsten Tage des Jahres. Ein Schwimmbad als Klangkulisse für lyrisch-musikalisches Gewitter. Ein lichtdurchfluteter Barocksaal, gesammelte Gelehrsamkeit, getaucht in virtuose Musik des frühen 18. Jahrhunderts, dazwischen Geläut der Domglocken. Dass Konzerte zu Sternstunden werden, liegt oft am Rahmen, an ihrem Resonanzraum. Akustik, Stimmung, Licht, die Schwingung zwischen Künstlern und Publikum spielen mit – Parameter, die sich nicht wiederholen, sich nicht auf Tonträger bannen, erst recht nicht schnell herunterladen lassen.

So sind es etliche Konzerte, die nachklingen, das Jahr 2015 musikalisch in Erinnerung bewahren. Gleich zweimal gastierte Hélène Grimaud in der Tonhalle; auf das Solorezital im Mai mit impressionistischem Klangzauber, gespielt in einem einzigen staunenswerten Fluss, hatte das Publikum monatelang gewartet – nach einer Absage der Künstlerin im Herbst 2014.

An den St. Galler Festspielen knüpfte der Barockgeiger Johannes Pramsohler Bande zwischen Bach, Pisendel und Vivaldi; das passte herrlich in die Stiftsbibliothek. Barockmusik im Volksbad, erfrischend in Wort und Inszenierung, machte das «megliodia»-Konzert Ende November zum sinnlich-sinnigen Erlebnis. Schliesslich ein Märchen, von Kindern erzählt, zu schwebenden Klängen der Glasharmonika: «Josa mit der Zauberfiedel» an der Schlossmediale Werdenberg – Musik, die gross und stark macht.

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