Zarte Nachtgedanken – und alte, böse Lieder

Manuel Walser sang in Hohenems Lieder von Schubert und den Zyklus «Dichterliebe»: Für sein Schubertiade-Début gab es Bravorufe und wärmsten Applaus.

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Auch wenn er grollt und fast vergeht vor Bitterkeit, ist es eine reine Wonne, ihm zuzuhören. Manuel Walser, 1989 in St. Gallen geboren und in Teufen aufgewachsen, hat für sein Schubertiade-Début am Sonntag Abend in Hohenems die richtige Mischung an Liedern von Franz Schubert gefunden, um auf das Hauptwerk seines Liederabends im Markus-Sittikus-Saal hinzuarbeiten: Schumanns «Dichterliebe» mit ihren berüchtigten Stimmungsumschwüngen.

Schöne Farben, lauteres Herz

Nicht zum Schwelgen ist der viel gesungene Zyklus auf sechzehn Gedichte von Heinrich Heine; nichts für sentimentale Schwärmer auf dem Podium und im Konzertsaal: Vielmehr ein Wechselbad, jäh von zartem Liebesglück und stürmischer Euphorie in unsichere Traumgewässer abdriftend und bald in Zorn und Enttäuschung kippend. Durchzogen von Ironie und Sarkasmus – Betrachtungsweisen, die sich musikalisch nicht leicht vermitteln lassen, die kunstfertige Gestaltung verlangen. Aber auch nicht gekünstelt klingen dürfen.

Mond-und-Sternen-Seligkeit

Walser ist jung genug, Schumanns Lesart der Heine-Texte mit vollem Herzen zu folgen, ohne den Grundton insgesamt zu sehr mit Ironie zu vergiften. So hört man die «alten, bösen Lieder» Heines, die in der «Dichterliebe» am Ende mit einem trotzig-grossspurigen Trauermarsch zu Grabe getragen werden, im sanften Widerschein der Mond-und-Sternen-Seligkeit aus dem ersten Teil des Programms.

Eine geradezu kindliche Freude am Nachthimmel blitzt da hervor in Liedern wie «Die Sterne», «Des Fischers Liebesglück» oder «Der Wanderer an den Mond»; Walsers Klavierpartnerin, die Georgierin Anano Gokieli, hat für die innige Zwiesprache mit den Gestirnen einen nuancenreichen Anschlag – und Manuel Walsers warmes Timbre kommt schön zum Glänzen. Das ruhig Kantable liegt ihm ebenso wie ungestüme Aufwallung: «Auf der Bruck» weist so temperamentvoll auf die «Dichterliebe» voraus. Ein Lust-ritt, nicht nur für die Pianistin.

Bettina Kugler