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Interview

Zappas Geist rockt auf dem Sonnenberg: Das Luzerner Theater widmet dem Musiker ein Open-Air-Festival

«Zappa geistert als Vorbild durch die Musik», sagt der musikalische Leiter Tillmann Ostendarp von der Band Faber im Interview.
Pirmin Bossart
Sarah Alexandra Hudarew mit der Band Faber bei der Probe zum Stück «Zappa on the Hill».Bild: Boris Bürgisser (Südpol, Kriens, 15. Mai 2019)

Sarah Alexandra Hudarew mit der Band Faber bei der Probe zum Stück «Zappa on the Hill».Bild: Boris Bürgisser (Südpol, Kriens, 15. Mai 2019)

Der Musiktheaterabend «Zappa on the Hill» ist ein inszeniertes Konglomerat aus Musik, Interviews, Zitaten und Geschichten rund um Frank Zappa. Es spielt die (erweiterte) Band des Zürcher Singer-Songwriters Faber alias Julian Pollina. Wir trafen den musikalischen Leiter Tillmann Ostendarp nach einer Probe auf dem Sonnenberg.

Tillmann Ostendarp, wie kommt es, dass Faber und seine Band an diesem Zappa-Abend auf der Bühne stehen?

Wir wurden angefragt. Es bietet sich natürlich an, eine eingespielte Combo für ein Projekt zu nehmen. Faber ist, wie Zappa, auch eine Persönlichkeit auf seine Art und deshalb eine gute Parallele zu Zappa. Zusätzlich kann sich das Luzerner Theater «cool» geben, wenn es mit jungen, an­gesagten Künstlern arbeitet.

Sie haben auch Luzerner Musiker in die Band geholt.

Elio Amberg kannte ich von der Jazzausbildung in Luzern her. Er bringt mit seinem spezifischen Sound eine neue Note ein. Nick Furrer, auch ein eigenwilliger Musiker, ist unser Ersatzbassist bei Faber. Und mit dem Toggenburger Adi Eberhard ist ein Spezialist am Modularsynthesizer dabei, der in das Soundgeschehen auf der Bühne eingreifen und etwa die Soli live modulieren kann.

«Ich versuchte, mir vorzustellen, was Zappa heute wohl anstellen würde.»

Was ist die Idee, wie mit Zappa umgegangen werden soll? Coverversionen? Zerzausung? Impulse für Eigenes?

Zappa geistert als Vorbild durch die Musik, aber wir wollten nicht einfach Coverversionen spielen. Das wäre auch nicht unsere Stärke. Ich versuchte eher, mir vor­zustellen, was Zappa heute vielleicht anstellen würde, und das mit meiner Musik zu kombinieren. Er hat ja auch, noch sehr steinzeitlich, mit Elektronik ex­perimentiert. Deshalb wollte ich unbedingt einen Modularsynthesizer in der Besetzung haben.

Werden ausschliesslich Zappa-Stücke gespielt?

Es ist ein Mix aus Songs von Zappa und Stücken, die ich geschrieben habe. Das Zappa-Material habe ich so ausgewählt, dass es zur Band passt. Ich weiss ja, was die einzelnen Musiker einbringen können. Jeder ist ein Charakter mit einer bestimmten Sensibilität. Andererseits gab es auch textliche Verbindungen zum Stück, die mich bei der Auswahl geleitet haben.

Zappas Werk ist so vielfältig. Haben Sie sich quer durch sein Repertoire gezappt?

Am liebsten habe ich die parodiemässigen Sachen der ersten Jahre, kurzes Zeugs, das ich integriert habe. «Call any Vegetable» ist ein Beispiel dafür, das aber bei uns eher wie ein Afro-Track klingt. Es gibt auch rockige Bretter aus späteren Phasen wie «Muffin Man» oder «Cosmic Debris».

Und Ihre eigenen Stücke, was haben sie mit Zappas Musik zu tun?

Ich habe mich vom Geist von Zappa inspirieren lassen, ohne ihn im Geringsten imitieren zu wollen. Einige meiner Stücke docken an seine jazzige Fusion-Phase an. Aber ich habe auch Sachen geschrieben, auf die ich Lust hatte.

Wie sind Sie bei den Arrangements vorgegangen, wie haben Sie das angepackt?

Ich habe sehr offen gearbeitet und nicht vieles definiert. Zappa war ein Autokrat, der seine musikalischen Vorstellungen sehr doktrinär umgesetzt hat. Das lag nicht in meinem Interesse. Es war eine andere Zeit. Inzwischen wissen wir, dass eine gewisse Schwarmintelligenz durchaus nicht zu unterschätzen ist. Ich wollte, dass alle ihren Teil beitragen können. Ich habe Material gesammelt, ohne schon meine klaren Vorstellungen mitzugeben, und es dann in den Proben konkretisiert.

Wie sollte es klingen? Worauf haben Sie dabei Wert gelegt?

Das war kein zentraler Punkt. Ich kenne die Musiker und weiss, wie sie spielen. Jeder von ihnen hat eine klare Vorstellung davon, wie er klingen will. Genau das sollte den Sound mitbestimmen. Elio spielt ein wildes Saxofon. Da will ich nicht eingreifen, weil diese Art auch die übrigen Spielweisen wieder beeinflusst. Andererseits hat sich der Gitarrist ziemlich intensiv mit Zappa und seinem Gitarrenspiel beschäftigt. Das hätte er meiner Meinung nach nicht unbedingt tun müssen, aber natürlich gibt auch das dem Ganzen wieder seine spezifische Note.

Können Sie kurz erläutern, was dieser Musiktheaterabend mit Zappa anstellt? Gibt es da eine Story, oder ist es ein wild strukturiertes Gemenge aus Fragmenten und Bruchstücken?

Wer sich ein bisschen vorbereiten will, schaue sich auf Youtube am besten Zappas Film «200 Motels» an. Das gibt eine Ahnung. Centerville, wo der Film spielt, ist auf den Sonnenberg verlegt. Eine Band ist auf Tour, das ist der Rahmen. Die Texte und Episoden, die wir einbauen, haben wir aus Interviews, Zappas Biografie und anderen Quellen zusammengetragen. Das konzeptionelle Team hat sich während eines Jahres immer wieder getroffen und sich ausgetauscht. So kamen die zappaesken Ideen zusammen.

Was haben Sie selber für einen Bezug zu Zappa?

Er ist ein «geiler Siech». Er war sehr politisch und hat sich gegen die konservative US-Gesellschaft aufgelehnt. Zappa kämpfte, auch bis vor Gericht, aktiv gegen Zensur und für die Meinungsfreiheit. Auch sein Humor in der Musik tut gut. Viele seiner Konzerte waren extrem lustig. Er hat mit Orchestern gearbeitet, selber Filme gemacht. Er war ein umtriebiger Mensch. Nicht zuletzt war er ein pointierter Redner mit messerscharfen Aussagen. Was er sagt und wie er es sagt, das sitzt.

Was halten Sie von seiner Musik?

Ich finde eigentlich alles geil, obwohl es manchmal anstrengend sein kann, sich seine Musik anzuhören. Mich beeindruckt, dass er sich nie in eine Schublade stecken liess. Seine musikalische Flexibilität und seine Vielseitigkeit schätze ich sehr.

Passt dieses Zappa-Projekt in Fabers Portfolio? Könnt ihr euch damit identifizieren?

Es ist irgendwie auch zufällig, dass Faber und seine Band hier dabei sind. Wir kommen musikalisch aus einer ganz anderen Ecke. Trotzdem befriedigt uns das Projekt. Jeder von uns hat neben Faber noch andere Vorhaben. Aber hier können wir zusammen als Band eine andere Musik machen. Das ist sicher ein Mehrwert für die Band.

Sie sind ebenfalls ein sehr umtriebiger Musiker und Künstler, quer durch die Sparten. Was haben Sie selber gerade für Projekte am Laufen?

Es kommen dauernd neue Sachen dazu. Da ist natürlich Faber. Wir bringen ein neues Album heraus und sind dann wieder auf Tour. Der andere Fokus liegt zurzeit auf dem Duo Skiclub Toggenburg. Adi Eberhard und ich spielen mit Modularsynthesizern und anderen analogen Maschinen experimentelle Klubmusik.

Zurück zu Zappa. Wie, glauben Sie, werden Zappa-Fans auf den Musiktheaterabend reagieren?

Es wird solche geben, die wenig damit anfangen können. Und es wird solche geben, die es extrem geil finden.

Premiere: Mittwoch, 29. Mai, 20.00

Open-Air-Festival: wird bis 2. Juni vier weitere Male gespielt, jeweils 20.00, ausser Sonntag: Sonnenaufgangsspecial, Samstag anschliessend Partynacht bis 3.00; Ort: Sonnenberg, Kriens. Infos/Vorverkauf: www.luzernertheater.ch/zappaonthehill.

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