Z wie Zombie, Z wie Zuhause

«Tatort»

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Kippen im Blumentopf – die sind wiederkehrendes Bild in diesem «Tatort» aus der norddeutschen Provinz, der sich irgendwo zwischen Umwelt-Thriller und Sci-Fi-Film bewegt. Alles scheint hier auf der Kippe zu stehen, sowohl die geistige und körperliche Gesundheit der Landbevölkerung rund um den Sitz eines Erdgasunternehmens, das Fracking betreibt, als auch die Beziehung von Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) zu Sohn Torben (Levin Liam).

Die Folge «Böser Boden» besticht erst mal mit starker Musik. Zu Beginn läuft in Falkes Auto «Zombie» von den Cranberries. Der Kommissar holt seinen Sohn aus einer Polizeiwache raus: «Ist dir alles scheissegal, oder was?» Und nicht nur an dieser Stelle klingt kurz der kehlig-irre Schrei auf, der den Stones-Klassiker «Sympathy for the Devil» einleitet.

Zombies und Teufel, das sind hier aber weniger Falke und Sohn, das sind vielmehr die Erdgasunternehmer, die den Boden «böse» machen, sprich verunreinigen, und die militanten Umweltaktivisten, die sich in einen dumpfen Mob verwandeln, gefährlich erkrankt an Körper und Geist.

Das wirkt mitunter ein bisschen überzeichnet. Gut, dass es in dieser Gruselshow auch die schöne Szene gibt, in der die junge Kölner Rock-Band AnnenMayKantereit einen Gastauftritt hat: Falke hat im Club in Hamburg eine Kopfnuss vom Sohn kassiert, der sodann das Weite sucht. Dazu sieht und hört man Henning May mit seiner starken Stimme singen: «Du warst allein zu Haus’, hast mich vermisst – und dich gefragt, was du noch für mich bist – zu Hause bist immer nur du.» Die Kamera blickt ins Herz von Falke. Vergessen sind da alle Zombies – zu Hause ist grade bei Falke.

Susanne Holz

Hinweis

«Tatort» aus Norddeutschland: «Böser Boden». Heute Sonntag, 20.05, SRF 1.