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23-jähriger Pianist: Yes, he can! Barack Obama hatte Recht

Vor den Toren Basels haben in den vergangenen Wochen Pianisten der Spitzenklasse wie Evgeny Kissin gastiert. Verblüfft hat aber ein erst 23-Jähriger namens George Li.
Rolf App
Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext Blindtext Blind Blind Blindtext (Bild: Bernard Frühinsholz (Colmar, 13. Juli 2018))

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Colmar ist im Fieber. Damit ist hier nicht das Fussballfieber gemeint, das in den Tagen vor dem WM-Finale die elsässische Stadt vor den Toren Basels erfasst hat wie ganz Frankreich. Es ist auch nicht die Hitze gemeint, die den Touristen Tag um Tag mehr zusetzt, was sie aber nicht daran hindert, gruppenweise und raschen Schritts die Sehenswürdigkeiten abzulaufen. Gemeint ist das Pianistenfieber, das unauffälliger und nur in bestimmten Kreisen grassiert, seit am 4.Juli das vom Geiger und Dirigenten Vladimir Spivakov seit 1989 geleitete Musikfestival seine Tore geöffnet hat.

Pianistenfieber deshalb, weil mit dem 46-jährigen Evgeny Kissin ein führender Pianist seiner Generation die zehn Tage des Festivals prägt. Und weil mit Martha Argerich, Denis Matsuev und Grigory Sokolov weitere Schwergewichte ihre Auftritte haben, manchmal allein, manchmal auch mit dem von Spivakov 2003 ins Leben gerufenen Orchestre Philharmonique National de Russie. Auch einige Nachwuchstalente bekommen ihre Chance - eines von ihnen wird im allerletzten Konzert letzten Samstag die Zuhörer in der Église Saint-Matthieu in Erstaunen versetzen.

Evgeny Kissin und der Hang zum Romantischen

Evgeny Kissin hat letztes Jahr mit einer Beethoven-Doppel-CD zum ersten Mal seit zehn Jahren ein Soloalbum veröffentlicht, und, wie die Musikkritikerin Susann El Kassar ihren Eindruck zusammen fasste, «vor Augen geführt, welches Bild er von Beethovens Sonaten hat: Für ihn ist es romantische Musik.» So ist es kein Zufall, dass er am Freitagabend mit Sergej Rachmaninows 2. Klavierkonzert op.18 in c-Moll ebenfalls ein zutiefst romantisches Werk aufs Programm setzt. Von den ersten, sich langsam steigernden Akkorden an, verleiht er dem Werk etwas Dunkles, Drängendes. Auch den ruhigeren, wunderschön im Dialog zwischen Querflöte, Streicher-Pizzicati und Klavier einsetzenden Mittelsatz lädt er mehr und mehr mit Spannung auf. Wobei manche Feinheit seines Spiels - und auch manche Feinheit des Orchesters in der etwas halligen Akustik der Kirche untergeht. Vladimir Spivakov müsste gegensteuern, indem er das Orchester zurück nimmt, tut es aber weder hier noch in der vorangehenden 2.Sinfonie Rachmaninows.

George Li und sein Auftritt im Weissen Haus

Spivakovs Mitspieler haben es nicht immer leicht. Das hat sich schon am Abend zuvor bei einer konzertanten Aufführung einiger Szenen aus Pjotr Tschaikowskys Oper «Eugen Onegin» gezeigt, mit den eindrucksvollen Stimmen von Hibla Gerzmana (als Tatjana), Polina Shamaeva (als Olga), Vasily Ladyuk (als Onegin) und Alexey Neklyudov (Lenski). Auch wenn eine Bühne fehlt, machen ihre Auftritte doch die menschlichen Abgründe spürbar, die in diesen «lyrischen Szenen» stecken.

Zumindest in diesen letzten Tagen dominiert das Russische. Nicht nur von den Beteiligten, sondern auch von den Komponisten her, denen sich im allerletzten Konzert ein gerade 23-jähriger Sohn chinesischer Einwanderer in die USA zuwendet. Gerade hat George Li seine erste CD veröffentlicht, bekannt geworden ist er mit einem Auftritt, den er vor sieben Jahren im Rosengarten des Weissen Hauses vor Barack Obama und Angela Merkel hatte, und an dessen Ende Obama meinte: «Yes, he can.»

Auch wenn er jetzt ein paar Jahre älter ist: Jungenhaft unbeschwert betritt George Li die Bühne, um ein Monsterprogramm zu absolvieren mit Rachmaninows Paganini-Variationen und Tschaikowskys erstem Klavierkonzert. Er spielt Rachmaninow perlend, leichtfüssig und aufregend schön - es ist ein anderer Rachmaninow, den man hier nach jenem Kissins kennen lernen kann. Ebenso beeindruckend, ja packend dann Tschaikowsky, wo er, nach donnernden Akkordkaskaden, immer rasch den Weg ins Malerisch-Sanfte findet. Obama hatte also Recht.

Übrigens: Lis Auftritt ist fussballtechnisch perfekt eingefügt in die WM: Vor Beginn des Konzerts fällt das erste Goal der Belgier gegen England, in der Pause das zweite. Was will man mehr?

Hinweis

Evgeny Kissins Beethoven-Doppel-CD (unter anderem mit der «Mondschein»-Sonate, mit «Appassionata», «Les Adieux» und der letzten Sonate op.111 ist erschienen bei der Deutschen Grammophon. Auf seiner ersten CD bei Warner spielt George Li im Mariinsky-Theater Haydn, Chopin, Rachmaninow und Liszt.

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