Yallah! Kollektive Ekstase im Palace

Der syrische DJ Omar Souleyman heizte am Freitag einer bunten Besucherschar ein, doch auch Rizan Said zeigte am Keyboard ein anderes, ein funkensprühendes Arabien.

Florian Vetsch
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Grosser Auftritt: Rizan Said und Omar Souleyman (vorne) im Palace. (Bild: Urs Bucher)

Grosser Auftritt: Rizan Said und Omar Souleyman (vorne) im Palace. (Bild: Urs Bucher)

Im Palace legen zwei DJs arabischen Pop und Indie-Sounds auf. Die Discokugel versprüht ihre kreisenden Lichtpunkte, während sich der Saal langsam füllt. Das Publikum ist buntgemischt, Jung und Alt treffen sich, auch Gesichter aus der arabischen Community sind zu sehen.

Partytiger betritt die Bühne

Alle freuen sich auf den syrischen Partytiger Omar Souleyman (geboren 1966 in al-Hasaka). Nach elf lässt der Keyboarder Rizan Said ein beschwörendes Intro erschallen, Omar Souleyman wird angekündigt. Vor der Bühne versammeln sich die Tanzbereiten, gespannt wie die Federn. Und schon betritt der Zeremonienmeister die Bühne: im dunkelgrauen, körperlangen Männeranzug, mit Sonnenbrille, dichtem Schnurrbart und rotweiss karierter Kufyia, deren sicheren Sitz die schwarze Kordel der Agal garantiert: Yallah! Und die Körper brechen in Bewegung aus, schwingen die Becken, stampfen, lassen die Arme in die Höhe schnellen oder klatschen den Rhythmus mit. Rasch erfasst die Musik den ganzen Saal.

Cool zückt Omar Souleyman seine bernsteinfarbene Gebetskette und lässt sie rhythmisch kreisen. Doch Rizan Said ist weit mehr als ein Keyboarder. Er sorgt für Rhythmus, Harmonie und Melodie, macht, ruhig arbeitend, die ganze Musik, während Souleyman auf der Bühne auf- und abschreitet und seine kurzen Verse, Refrains und Rufe ins Mikrophon schleudert: Yallah!

Das Leben feiern, jetzt

Dass Rizan Said im Unterschied zum Star Souleyman alltäglich angezogen ist, macht das Ganze umso authentischer. Wie schal und eitel ist doch eine übliche Disco im Vergleich zu dem funkensprühenden Leben, das hier abgeht! Klar wird: Abseits der News gibt es ein anderes Europa, ein anderes Arabien, eine andere Schweiz, ein anderes Syrien. Darin begegnen sich Menschen, die das Leben feiern, die Stunden teilen wollen, jetzt. Kurz vor Mitternacht stimmen die Musiker ein Stück in langsamerem Beat an; es inszeniert die ganze Schwere, Tragik und Wucht der arabischen Kultur. Vorherzusehen, dass es eine Zugabe provoziert. Souleyman und Said geben sie gerne.