Wurst will in den Final

Conchita Wurst tritt 2014 für Österreich am Eurovision Songcontest an. Auf Facebook hat der Travestiekünstler jedoch mehr Gegner als Anhänger.

Erika Pál
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Nein, es ist noch keine Fasnacht und auch bis Halloween ist noch ein bisschen Zeit. Aber Conchita Wurst ist auch nicht verkleidet. Er oder eben sie ist ein Travestiekünstler und heisst mit richtigem Namen Tom Neuwirth. Der 24jährige Vollbartträger wurde unter Ausschluss der österreichischen Bevölkerung zum Kandidaten für den Eurovision Songcontest 2014 gewählt.

Wurst zog den kürzeren

Der Travestiekünstler ist kein unbeschriebenes Blatt. Denn Wurst zog bereits letztes Jahr den kürzeren, als er bei der Ausscheidung für den Eurovision Songcontest auf den zweiten Platz gewählt wurde. Doch 2013 ist alles anders. Dem ORF fehlt es anscheinend an Geld, und so verzichtet der Österreichische Rundfunk dieses Jahr auf eine Ausscheidungsshow und schickt den Musiker direkt nach Kopenhagen in den Halbfinal.

Seinen extravaganten Künstlernamen erklärte Wurst kürzlich in der TV-Show «Wild Girls». Der deutsche Fernsehsender RTL schickte Wurst mit elf Luxus-Ladies in die Wüste Namibias. Die dort, wie nicht anders zu erwarten war, völlig aufgeschmissen waren ohne ihr Make-up und deren lebensnotwendigen Accessoires wie High-Heels und Lipgloss. Doch zurück zu Wurst und seiner Namensgebung. Die neugierigen Dorfbewohner des afrikanischen Stammes hörten aufmerksam zu, als sich der Mann in Frauenklamotten zu seinem Namen äusserte: «Conchita ist ja unter anderem die Verniedlichung des weiblichen Geschlechtsteils und Wurst ist die Verniedlichung des männlichen Geschlechtsteils. Somit fügt sich das eine in das andere.»

Harald-Glööckler-Verschnitt

Auch wenn Conchita Wurst in der Wüste Sympathien erntet, in seinem Heimatland rücken ihm zahlreiche Gegner auf die Pelle. Denn nicht ganz Österreich ist damit einverstanden, mit einem Harald-Glööckler-Verschnitt am Eurovision Songcontest vertreten zu sein. Auf Facebook haben sich regelrechte Wurst-Gegner zusammengeschlossen und eine Anti-Wurst-Gruppe gegründet. «Wieder ein Grund, dass sich Österreich in der EU lächerlich macht» oder «Geht's noch? Gott hat Mann und Frau erschaffen, aber nicht so was! Das ist doch schon Gotteslästerung!» Wüste Beschimpfungen, die auch den 24jährigen Wurst nicht kalt lassen. Auf seiner Fanseite – die mit 17 806 Fans nur halb so viel Anhänger hat wie die Anti-Wurst-Seite – bittet er um mehr Toleranz für Menschen wie ihn. «… denn wirklich jeder Mensch hat das Recht, so zu leben, wie er möchte, solange niemand anderer in seiner Freiheit eingeschränkt oder verletzt wird. Und soweit ich weiss, habe ich niemandem weh getan, xoxo Conchy oh und … i love you all», schreibt Wurst auf seiner Facebook-Seite.

Alle Chancen noch offen

Mit welchem Lied der 24-Jährige am Songcontest antritt, ist noch nicht bekannt. Solange er sich aber nicht als beleidigte Leberwurst gibt und nicht einen Song à la «Piep, piep, ich hab dich lieb» zum Besten geben wird, hat er alle Chancen der Welt. Pardon, Europas.

Man darf gespannt sein, wer am 10. Mai nächsten Jahres in Kopenhagen der Nachfolger der dänischen Sängerin Emmelie de Forest («Only Teardrops») wird und sich den Titel holt.