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Wucht der Natur

Unter dem Titel «Weg» stellt der Gaiser Maler Werner Steininger seine expressiv dicht aufgeladenen Ölbilder von Wäldern, Steinbrüchen, Gletschern und dem Meer in der Klubschule Migros im Bahnhof aus.
Martin Preisser
Natur in ihrer elementaren Kraft: Werner Steininger mit einer seiner expressiven Naturimpressionen. (Bild: Michel Canonica)

Natur in ihrer elementaren Kraft: Werner Steininger mit einer seiner expressiven Naturimpressionen. (Bild: Michel Canonica)

Werner Steininger bildet Natur nicht ab, sondern thematisiert intensiv, ja fast unerbittlich das Erlebnis Natur – das, was Natureindrücke mit dem malenden Betrachter machen. Auf vielen Bildern in der Galerie der Klubschule überwiegen impulsive, bisweilen fast schroffe und kräftige Pinselstriche, die dem Gesamtbild eine imposante, energetisch hoch aufgeladene, manchmal auch fast beklemmend beeindruckende Atmosphäre verleihen.

Natur spricht aus sich selbst

«Landschaften wiederholen sich», sagt der Gaiser Maler, der auch als Bergführer unterwegs ist. Und so ist es gleichgültig, ob ein Waldstück in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Atelier zum Bild wird oder ein Stück Natur in weiter entfernten Gegenden. Werner Steininger gelingt es, die Idee eines Gletschers, die Essenz einer Meereswelle aufzufangen und die Natur aus diesem Eindruck heraus selbst sprechen zu lassen.

Da gibt es den Felsblock beim Fälensee. Er lässt den Betrachter in seiner massigen und kantigen Kraft nicht unbeeindruckt. Man sieht den Stein. Mehr noch: Man spürt förmlich seine physische Präsenz – ja man ahnt gar den Weg, den dieser Stein zurückgelegt haben mag. Der Stein hat eine Geschichte und zeigt sich wie in einer einen Moment lang angehaltenen Bewegung.

Mit allen Sinnen beobachten

Menschen sieht man nicht auf diesen an den Expressionismus der «Brücke»-Maler, etwa an Ernst Ludwig Kirchner oder Karl Schmidt-Rottluff, erinnernden Natureindrücken. «Der Mensch ist irgendwie automatisch drin in der Natur», sagt Werner Steininger, der den Betrachter seiner Bilder wieder ein deutliches Stück dahin führen kann, dass dieser die Natur nicht nur in ihrem schönen Abbild, sondern in ihrer elementaren Kraft spüren lernt.

Blicke auf einen Winterwald, überhaupt seine Blicke auf Bäume: Das wirkt bei Steininger nicht selten eher kräftig-beunruhigend als einfach nur schön empfunden oder gar idyllisch. Werner Steininger gesteht, die Natur mit allen Sinnen zu beobachten und die Summe dieses Gespürten festhalten zu wollen. Da ist dann auch der Wind wichtig oder eine spezielle Duftnote.

Der Gaiser Künstler kommt jedenfalls mit gesättigten Eindrücken zurück ins Atelier. Diese Eindrücke muss er gar nicht sofort umsetzen. Für ein Bild muss Steininger aber dieses dichte, ja fast synästhetische Erlebnis wieder hervorholen können. Und dann kann gelten, wenn der Künstler sagt: «Je schneller ein Bild entsteht, desto besser.»

In der Ausstellung findet sich ein Bild, welches das wilde Meer, ein «mare mosso» zeigt. Steiningers dicht und fast unbändig aufgeschichteten Farberuptionen könnten aber genauso eine unendliche Berglandschaft aus der Vogelperspektive sein. Stein oder Wasser, hier hebt sich der Gegensatz auf, es lebt sich nur noch reinste Naturkraft aus, eine Naturkraft, die ebenso verschiedene Ausdrucksformen, sei es Berg, Wald oder Meer, verbindet und ihnen gemeinsamer Nenner wird.

Meeres-Impressionen

Werner Steiningers Bilder leben auch vom Respekt vor der Natur. Im Gespräch mit dem Künstler fällt der Begriff Ehrfurcht. Und in seinen Arbeiten scheint Steininger diesem Respekt Bildwelten entgegensetzen zu wollen, die diese Kraft und Ausstrahlung der Natur in Reinform widerspiegeln.

Die innere Wirklichkeit von Natur, das Erlebnis Natur – dazu scheint auch eine kleine Gouache-Serie einzuladen. Es ist eine rasche Bilderfolge von Meeres-Impressionen. Und auch hier geht es nicht um vordergründige Ästhetik, sondern um das auf kleinem Raum eingefangene Erlebnis der Unendlichkeit Meer.

Geröll und Eis am Pers-Gletscher im Berninagebiet, ein Waldstück zwischen Gais und Appenzell, das Meer um die griechische Insel Hydra – in der Bilderfolge der Ausstellung verwischen sich diese Motive, scheinen ineinander überzugehen und gemeinsam das Staunen auszudrücken über die Natur, die vor uns war und nach uns sein wird.

Fliessen und Vorantreiben

Die Ausstellung heisst «Weg». Sie zeigt den Weg des Künstlers durch die Natur, aber auch den Weg der Natur selbst, in ihrem steten Fliessen, Vorantreiben und Sich-Verwandeln.

Bis 14. Mai. Galerie der Klubschule Migros im Bahnhof St. Gallen, 1. Obergeschoss; Mo–Fr 8-22; Sa und So 9–16 Uhr.

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