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Wortkarge Texte

Das Début des Schweizers Martin Felder besteht aus Kürzestabsätzen. In einer szenischen Lesung entfalten sie aber ihren Charme.
Valeria Heintges
Martin Felder (Bild: pd)

Martin Felder (Bild: pd)

Martin Felder liebt es kurz. Und übersichtlich. Der Titel seines Romans «Meine Nachbarin, der Künstler, die Blumen und der Revolutionär» gibt ungefähr die Länge der Abschnitte vor, in denen das Werk verfasst ist. Auf Seite 35 steht: «Ich träumte letzte Nacht, dass ich von mir träumte. Dann wachte ich der Reihe nach auf.» Fertig. Der Rest der Seite ist leer. Seite 84 besteht aus: «Ich schreibe diesen Satz auf ein Streichholz und zünde ihn an.» Auf manchen Seiten stehen mehrere solcher Absätze, manche Passagen sind auch länger, aber wirklich nicht viel.

Felder, 1974 in Rheinfelden geboren, hat, wie der Verlag zu Recht schreibt, «den wahrscheinlich schrägsten Schweizer Débutroman» vorgelegt. Er lässt sich, ein wenig in der Dada-Tradition, von Wortspielereien an abgelegene Ufer schwemmen, treibt Klischees auf die Spitze und ad absurdum. Dabei nimmt er sich selbst immer wieder auf die Schippe, wenn ihm der Künstlerfreund mehrfach rät, er solle weniger «kurzatmig» schreiben oder «ein paar Zeilen länger, ein paar Jahre reifer». Der Schreibprozess selbst ist beinahe sein liebstes Thema, wenn er ständig notiert, was er erlebt. Und dann wieder notiert, dass er notiert, was er erlebt. Und so weiter.

Untergang in Klauberei

Ein sich flüssig lesender Text entsteht so nicht, vielmehr droht die sich nur langsam heraus schälende Geschichte von «Meiner Nachbarin, dem Künstler, den Blumen und dem Revolutionär» in den Wortklaubereien und absurdem Beobachten beinahe unterzugehen.

Hervorragend daher die Idee, das Werk in einer szenischen Lesung aufzuführen. So geschehen am Donnerstagabend im Botanischen Garten zu Zürich. Dorthin hat das Kaufleuten sein Freiluft Literatur Festival Zürich verlegt. In der grünen Oase mitten in der Stadt treffen sich die Schauspieler Cathrin Störmer, Jannek Petri und Thomas Sarbacher, um unter der Regie von Mélanie Huber das Werk vorzutragen.

Und siehe da: Unterstützt von Stimmen und Mimik beginnen die Texte, vorsichtig gekürzt und dialogisch aufgeteilt, plötzlich zu schillern und eine umwerfende Komik zu entfalten.

Ansteckender Humor

Da werden sie alle lebendig: Der Künstlerfreund, der den Galeristen anmalt und zu Kunst erklärt. Der Autor, der verzweifelt die Ordnung in der Unordnung sucht. Und in allen Blumenläden Europas der Nachbarin und ihren Rosen hinterher schnuppert. Der Witz ist so ansteckend, dass Yannek Petri ihm erliegt – seinem Lachanfall folgt das Publikum ebenso willig wie seinem wunderbaren Vortrag. Dass am Ende Felders Gedanken doch zersplittern, sich das Prinzip der Minimalliteratur abnutzt, ist an diesem lauen Sommerabend dann fast egal.

Martin Felder: Meine Nachbarin, der Künstler, die Blumen und der Revolutionär, Salis 2013, 265 S., Fr. 34.80

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