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Lo & Leduc machen jetzt Comedy auf Kleinkunstbühnen

Lo & Leduc machen als Häberli und Oggier nun ein abendfüllendes Spoken-Word-Programm. «Wörter wie wir» pendelt zwischen geschwätzig und moralisch, hinterlässt aber einen bleibenden Eindruck.
Michael Graber
Lorenz Häberli (links) und Luc Oggier kennt man als Lo & Leduc. Nun touren sie als Häberli und Oggier durch die Schweiz. (Bild: PD)

Lorenz Häberli (links) und Luc Oggier kennt man als Lo & Leduc. Nun touren sie als Häberli und Oggier durch die Schweiz. (Bild: PD)

Es geht um einen Panther. Also eigentlich geht es nicht um einen Panther. Weil es gibt ihn ja gar nicht. Und selbst wenn es ihn gegeben hätte, würde es nicht um einen Panther gehen. Und trotzdem: Der Panther um den es hier nun erstmals geht, wanderte 2012 angeblich durch den Kanton Solothurn. Die Panther-Sichtung wucherte medial aus. Experten wurden gesucht, gefunden, befragt. Jedes noch so kleine bisschen Panther wurde ausgeschlachtet in der Hoffnung Leser, Klicks und Aufmerksamkeit zu finden. Nur den Panther; den fand man nie. Jetzt ist er Thema im ersten Bühnenprogramm von Häberli und Oggier alias Lo & Leduc.

Der erste Teil von «Wörter wie wir» ist denn auch eine recht genaue Mediensezierung. Häberli und Oggier zeigen, wie ein mutmassliches Ereignis eine Wortlawine lostreten kann. Es wurden unfassbar viele Worte über diesen Panther geschrieben und Videos mit Augenzeugen gedreht. Am Ende wohl alles heisse Luft. Witzig, wie Häberli und Oggier auf kleinste Details wie streunende Katze in den mittlerweile fast schon absurd-ernst wirkenden Videobeiträgen hinweisen.

Das Lachen bleibt im Hals stecken

Mit der Zeit laufen die vielen Worte ab der Bühne aber Gefahr, geschwätzig zu werden. Und gerade, als einem die Wortklaubereien in einem bequemen Comedy-Modus geschunkelt haben, werden die Wörter aus dem Nichts toxisch. Da wird der Saal im Kaufleuten ruhig. Das Lachen, dass vorher rausgegurgelt wurde, bleibt einem nun im Hals stecken. Es braucht nicht viel, um Wörter zu vergiften. Es braucht nur einen anderen Blickwinkel.

Häberli und Oggier sind Wortprofis. Auch als Rapduo Lo & Leduc. Da texten sie etwa Hits wie «079», diesen fluffig-federnden Sommerhit. Auch da sind viele Worte mehrdeutig, oder mehrschichtig.

Wer hinhören will, hört bei «079» eigentlich eine Liebesgeschichte und hinter «Pluto» versteckt sich eine Geschichte über Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Lorenz Häberli und Luc Oggier zwingen als Lo & Leduc den Zuhörern den Sinn aber nicht auf, das tun sie jetzt als Häberli und Oggier.

Sie servieren auch harte Kost

Der zweite Teil des Abends wird dann moralisch statt geschwätzig. Zwar wortspielern sie immer noch fleissig, aber die Worte mit all ihren Doppeldeutigkeiten und Doppelbödigkeiten sind kein Schutz mehr, um davon abzulenken, dass man gewisse Dinge trotz vieler Worte nicht explizit ansprechen will, sondern sie sind Verstärker. Es ist harte Kost, es geht um Pässe. Alpenpässe, Schweizerpässe. Pässe, die mal verbinden, mal ausgrenzen. Es geht um Worte. Um solche die man nicht mehr sagen darf und solche, die man nicht mehr sagen sollte. «Argumentieren ist immer Krieg», sagt Oggier.

Und natürlich geht es immer wieder um den Panther. Aus der witzigen Medienschelte von vorher wird nun eine böse Medienkritik. Statt auf streunende Katze, machen sie nun auf Suggestivfragen aufmerksam. «Haben Sie nun auch Angst um Ihre Kinder?», fragt die Reporterin den Augenzeugen. Dass man ganz grundsätzlich auch einfach keine Angst haben könnte, ist ausgeschlossen.

Die Umkehrung geht noch weiter: Man merkt jetzt, dass die vermeintlich etwas dümmlichen Augenzeugen beschwichtigt haben. Zur Bedrohung wurde der Panther erst durch das stete Betonen, dass er eben eine Bedrohung sei. Kleider machen Leute, Worte machen Monster. Oder Panther.

Selbst im Schlichten viele Details

Und dieser Panther, den es ja nicht gibt, wird in «Wörter wie wir» nach und nach zum Symbol für alles Fremde. Vor dem uns wortgewaltig gewarnt wird. Vor dem sich viele Menschen fürchten, weil man ja gewarnt wird. So wie vor dem Panther, dessen grösste Gefahr eine für die Glaubwürdigkeit der Medien darstellte.

Häberli und Oggier sind auf der Bühne ein eingespieltes Duo. Ihr Timing ist ähnlich gut wie bei ihren Auftritten als Lo & Leduc, sie variieren Tempo, und Intensität und sie können Pausen setzten. Alles ist schlicht gehalten. Beamer, Tisch, Tablets. Noch wirkt vieles etwas abgelesen, was angesichts der Rasanz wohl kaum anders geht. Selbst im Schlichten setzen Häberli und Oggier aber Details.

Da und dort müssen sie noch aufpassen, dass es nicht zu belehrend wird. Es ist auch so schon offensichtlich, was sie sagen wollen. Es sei nicht ihre Geschichte, die sie da erzählen, sagt Häberli am Anfang. Am Schluss ist es doch irgendwie ihre Geschichte geworden. Oder unsere. Aber sicher nicht eine über Panther.

Weitere Termine in der ganzen Schweiz finden Sie hier.

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