Wohlgefühl statt Gänsehaut

Als Fox Mulder stöberte er in den «X-Akten», als Hank Moody stolperte er in «Californication» von Affäre zu Affäre. Jetzt hat David Duchovny ein Buch geschrieben und gleich auch noch ein Musikalbum herausgegeben.

Michael Gasser
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Seit seiner Scheidung und der geheilten Sexsucht zeigt sich David Duchovny geradezu arbeitswütig. (Bild: ap/Victoria Will)

Seit seiner Scheidung und der geheilten Sexsucht zeigt sich David Duchovny geradezu arbeitswütig. (Bild: ap/Victoria Will)

Nach fast dreissig Jahren in Hollywood mag David Duchovny nicht mehr nur Schauspieler sein. Deshalb hat der Yale-Absolvent im Februar 2015 sein Roman- und in der vergangenen Woche auch sein Plattendébut lanciert.

Doch der Reihe nach: 2001 verliess Duchovny nach sieben extrem erfolgreichen «Akte X»-Staffeln die Serie. Zwar tauchte sein Charakter Fox Mulder noch vereinzelt in den letzten zwei Seasons auf, doch der Schauspieler wollte sich von seiner Rolle als Alien suchender FBI-Agent lösen. Wohl nicht zuletzt, weil der Serie der Sprung auf die grosse Leinwand nicht recht gelingen wollte.

Sexsucht und eine heilige Kuh

Auf den Ausstieg folgte eine Durststrecke. Erst 2007 und mit «Californication» vermochte Duchovny wieder an seine Erfolgszeit anzuknüpfen. 84 Folgen lang verkörperte er den Schriftsteller Hank Moody, mit einem ausgeprägten Hang zu Frauen und Alkohol. Ein Part mit Parallelen zu seinem eigene Leben. 2008 liess sich der New Yorker wegen Sexsucht behandeln. Im Juni 2014 liess sich Duchovny schliesslich nach 17 Ehejahren von der Schauspielerin Téa Leoni scheiden.

Seither zeigt er sich geradezu arbeitswütig. Im Februar veröffentlichte der langjährige Vegetarier, der nach wie vor kein Fleisch, jedoch wieder Fisch isst, seinen Romanerstling «Holy Cow: A Modern Day Dairy Tale». Es die Story von Kuh Elsa, die gemeinsam mit einem Truthahn und einem Schwein vor dem Schlachter flüchtet. Erzählt wird die Geschichte – man höre und staune – von einem gewissen Fox Mulder. Dessen Figur ist für Duchovny wieder relevant geworden. Wohl auch deshalb, weil «Akte X» für sechs Episoden reanimiert wird. Erstmals seit 2008 wird der 54-Jährige wieder mit Chris Carter, dem Erfinder der Serie, und der Schauspielerin Gillian Anderson als Agentin Dana Scully zusammenarbeiten. Doch noch heisst es sich zu gedulden: Die neuen Folgen werden erst Anfang 2016 ausgestrahlt.

Die teure Gitarre amortisieren

Und als ob das noch nicht genug an Kreativität wäre, hat Duchovny vor wenigen Tagen auch sein erstes Musikalbum mit dem Titel «Hell Or Highwater» herausgebracht. Vor einigen Jahren habe er eine teure Gitarre erstanden, vertraute der Künstler der Tageszeitung «USA Today» an. «Und weil ich knauserig bin, wurde mir rasch klar, dass ich mit dem Instrument etwas bewirken will.» Also setzte er sich mit dem Singer/Songwriter Keaton Simons zusammen, um Lieder zu schreiben. Entstanden sind Songs, die sich auf keinerlei Experimente einlassen und alles unternehmen, um Gefühle der Entspanntheit zu erzeugen.

An modernen oder elektronischen Sounds zeigt Duchovny kein Interesse. Seine Stücke bieten freundlichen Roots-Rock, wie man ihn aus den 90er-Jahren von Bands wie den Wallflowers oder R.E.M. kennt.

Wie Cohen, aber weniger dunkel

Als Sänger zerreisst der US-Amerikaner keine allzu grossen Stricke. Zu nasal und lakonisch klingt seine Stimme. Wie Leonard Cohen, bloss weniger tiefschürfend, dunkel und melancholisch. Er müsse erst mal noch lernen, richtig zu singen, sagt Duchovny in Interviews. «Ich bin auf Entdeckungsreise. Und ich hoffe einfach, dass ich nach und nach gewisse Dinge verbessern kann.» Hauptsache, die anstehenden Konzerte würden fürs Publikum nicht zur schmerzhaften Angelegenheit.

Keine hohe Kunst, aber solide

Dass seine Songs nicht perfekt, sondern unprätentiös sind, ist da sicher ein Schritt in die richtige Richtung. In seinen Kompositionen handelt Duchovny so unterschiedliche Themen wie Krieg, soziale Medien oder scheiternde Liebesbeziehungen ab. Das ist nicht hohe Kunst, aber nachvollziehbare Alltagspoesie. In «Positvely Madison Avenue» richtet er das Wort an Bob Dylan höchstpersönlich: Nur dieser schaffe es, packende Musik für einen Werbespot zu schreiben, schwärmt er. Womit Duchovny offen zugibt, dass sich seine Lieder auf einem etwas tieferen Niveau abspielen.

«Hell Or Highwater» ist kein Must, aber ein Album, das die Zeit angenehm vertreibt. Die kommenden «Akte X»-Folgen versprechen mehr Spannung und Gänsehaut.