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Wohin mit all den Leichen?

Das See-Burgtheater Kreuzlingen inszeniert «Arsen und Spitzenhäubchen» mit Klamauk und gar viel Gags.
Dieter Langhart
«Arsen und Spitzenhäubchen»: Krimikomödie am See-Burgtheater Kreuzlingen. (Foto: Mario Gaccioli)

«Arsen und Spitzenhäubchen»: Krimikomödie am See-Burgtheater Kreuzlingen. (Foto: Mario Gaccioli)

Die Handlung in einem Satz? Ein Haufen Leute versucht, einen Haufen Leichen in einem Haus zu verschieben, ohne dass es die andern merken. Das todbringende Arsen macht dem Publikum keine Angst – die Spitzenhäubchen-Frauen lehren es das Fürchten: auf amüsante Art, selbst wenn sie am See-Burgtheater keine Spitze tragen, sondern heftig geschminkt sind.

Abby Brewster und Martha Brewster sind Schwestern: unheimlich normal, geradezu bieder. Sie wollen nur das Beste für die älteren einsamen Herren, denen sie in ihrem Haus Obdach gewähren, denen sie selbst gemachten Holunderwein kredenzen, mit einer Prise Arsen versetzt, dazu etwas Strychnin und Zyankali. «Wir tun das Gift in den Wein, da merkt man es weniger», sagen sie. «Im Tee hat es einen scheusslichen Geruch.»

Ihr Neffe Teddy verscharrt die von der irdischen Mühsal Erlösten im Keller, doch der zweite Neffe Mortimer kommt dem Treiben der Tanten auf die Spur. Dann taucht der dritte Neffe Jonathan auf, ein Serienmörder auf der Flucht, mit seiner Komplizin Dr. Einstein im Schlepptau. Er findet die Leichen im Keller – wohin jetzt mit seiner? Und dann kreuzen die Polizei und ein Irrenarzt auf. Wie sollen Elaine und Mortimer da auf Hochzeitsreise gehen können?

Rasantes Versteckspiel

Joseph Kesselrings Stück «Arsen und Spitzenhäubchen» ist ein Klassiker des schwarzen Humors ­aus den 1940er-Jahren, auf dem Broadway wie im Kino – ein idealer Stoff für das See-Burgtheater Kreuzlingen.

Nach «Biedermann und die Brandstifter» spielt es erneut am Seeufer. Hier verwandelt sich das verstaubte Haus in Brooklyn zu einem Hausboot, das ebenso gut auf dem Mississippi schwimmen könnte. Bühnenbildner Gregor Sturm hat es als drehbaren Kletterturm entworfen: vorn die Fassade, hinten die Innenräume – ein herrlicher Einfall, die bürgerliche Fassade und das grauenvolle Innere als Karussell zu zeigen. Passend dazu hat Sturm schrille Kostüme entworfen – von der weissen Unterhose bis zum Motorradhelm –, in denen sich die zehn Spieler austoben können.

Auf drei Ebenen findet das rasante Versteckspiel statt. Da klettern die unbedarfte Elaine (Anna Krestel) und der joggende Theaterkritiker Mortimer (Raphael Westermeier) rauf und runter; da funkt der geisteskranke Teddy alias Theodore Roosevelt (Florian Steiner) mit Walrossschnauz und Trompete dauernd dazwischen und schreit «Attacke!»; da drängt sich Polizei-Leutnant Rooney (Adrian Furrer) als Möchtegern-Stückeschreiber Mortimer auf. Und über allen thronen die Schwestern Abby (Astrid Keller) und Martha (Caroline Schreiber), bewahren Haltung und halten die Handlung zusammen.

Der Schmorbraten wird in Pizzaschachteln serviert

Gastregisseurin Annette Pullen inszeniert das Stück als Groteske: temporeich und überdreht, voller Gags und Pointen – fast zu voll. Das Publikum fiebert und lacht mit und amüsiert sich über die inhaltlichen wie inszenatorischen Volten, wird dann auch etwas müde. Der Wahnwitz in «Arsen und Spitzenhäubchen» wird bisweilen trashig, etwa wenn der Schmorbraten in Pizzaschachteln serviert wird oder bei den Szenen mit Jonathan (Christian Intorp) und Dr. Einstein (Jeanette Spassova), beide ganz in teuflisches Rot gekleidet.

Die Inszenierung des «galoppierenden Wahnsinns einer Familie» (Mortimer) hält sich eng an die Vorlage, doch das Frömmelnde der Schwestern Brewster fällt weg. Dafür darf eine Anspielung auf Amerikas amtierenden Präsidenten nicht fehlen – ein Einfall von Produktionsleiter Leopold Huber?

Das letzte Glas Holunderwein bekommt Mr. Witherspoon, der Leiter des Heims für psychisch Kranke; den stärksten Applaus in der fulminanten Ensembleleistung erhalten Astrid Keller, Caroline Schreiber und Raphael Westermeier.

Vorstellungen bis 7. 8. Infos und Karten: see-burgtheater.ch

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