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Wörtervolten, Erdenschwere

Neue Gedichte des Thurgauer Autors Hans Gysi: Immer noch voller Witz und Ulk, voller Melancholie und tieferer Bedeutung. Manche allerdings hinterlassen den Leser ratlos.
Jochen Kelter
Hans Gysi: generalprobe, Gedichte, edition 8, Zürich 2015, 140 S., Fr. 22.–

Hans Gysi: generalprobe, Gedichte, edition 8, Zürich 2015, 140 S., Fr. 22.–

Den Thurgauer Autor Hans Gysi begleite ich mehr oder weniger nah seit seinen Anfängen in der Ittinger Schreibwerkstatt seligen Angedenkens. Er hatte es beim Schreiben von Beginn an faustdick hinter den Ohren – diese falsche Metapher hätte ihm vermutlich gefallen. Christian Morgenstern, Ernst Jandl oder Eugen Gomringer waren Autoren, an denen er sich orientierte. Den Höhepunkt solch intelligenten Sprachklamauks erreichte er vielleicht in dem Band «Zettel und Litaneien» (2009).

Absurdem Sprachwitz gehuldigt

Als Motti-Geber über Gedichten treten im neuen Band auch Mani Matter oder Wilhelm Busch auf, mithin ebenfalls Gesellen, die absurdem Sprachwitz huldigen oder wie Gysi unsere Wirklichkeit und unsere Gewohnheiten kräftig verulken und konterkarieren.

Die stärksten Gedichte des Bands sind nach wie vor solche Texte aus Sprachwitz und tieferer Bedeutung: «meine handschelle / die zeit / meine fussschelle / der raum / meine bauchzelle / der schmerz / meine maulschelle / die sprache». Dass er nach wie vor gekonnt mit Absurdem und auch der Auflösung der Sprache in Töne zu hantieren vermag, belegen die im Buch hintereinandergestellten Gedichte «goodbye ode», «aga khan», «mülmürüm», «when its tuu leit beiby» und «schlaflied»: «still still still weil die welt nun träumen will / wir ziehen fort nach wummelbüchs / und sprechen dort mit dachs und füchs».

Verbale Purzelbäume

Als Motti- und Stichwortgeber treten nicht erst in dem neuen Band aber auch Rilke und Goethe auf. So halten Melancholie und Erdenschwere neben verbalen Purzelbäumen und übermütigen Sprachsalti ebenfalls Einzug. Das bekommt den Gedichten nicht immer. Sie lassen den Leser mitunter ratlos, enden nicht wie das Gedicht «sommertag» im nachvollziehbaren Widerspruch: «pflichtbewusst die sonne geniessen / mit dem geigerzähler im knopfloch».

Komprimieren wäre besser

Sie sind mitunter zu «gesprächig», müssten komprimiert werden, erreichen nicht durchweg jene Ausgeglichenheit zwischen Feuerwerk und gebremster Melancholie wie die Gedichte «galaxien», «auf schienen nach innen» oder jenes mit dem Titel «reiner text», der so endet: «nur blütenweiss und gut / beatmet still / schweigt er».

Dafür entschädigen zwischendurch immer wieder solche furiosen, fast nur Substantive reihenden Wortsalven wie im Gedicht «schimpfwörter» (mit dem Motto von Mani Matter: «schimpfwörter sy glückssach»), das mit der Strophe schliesst: «nörgelopa kannenbrunzer / lappermaul du weltverhunzer /lefzengeiles arschgesicht / diese wörter braucht man nicht».

Buchvernissagen: Sa, 2.5., 20.15 Uhr, Theaterhaus Weinfelden; Do, 14.5., 20.15 Uhr, Eisenwerk Frauenfeld

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