Wo soll bloss der Opernchor proben? Das Theater St.Gallen sucht noch immer nach Ausweich-Quartieren 

Noch wenige Monate, dann muss das Theater St.Gallen wegen Umbau und Sanierung das Stammhaus verlassen. Im Provisorium finden aber längst nicht alle Platz.

Julia Nehmiz
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Bereit für den grossen Auszug: Die Theaterschneiderei muss während des Umbaus in ein Ersatzquartier ausweichen.

Bereit für den grossen Auszug: Die Theaterschneiderei muss während des Umbaus in ein Ersatzquartier ausweichen.

Bild: Benjamin Manser

Wo einen neuen Ballettsaal hernehmen? Wo soll der Opernchor proben? Und wo die Sängerinnen und Sänger ihre Partien einstudieren? Auf diese Fragen hat Georges Hanimann noch immer keine Antworten.

Trotzdem ist er guter Dinge. Seit knapp sechs Jahren ist der technische Leiter des Theaters St.Gallen mit Umbau und Sanierung des Theaters zugange. Und auch jetzt im Endspurt vor dem grossen Umzug hat er die Ruhe weg.

«Das wird sich schon alles finden», sagt Hanimann. Seit 1998 ist er am Theater St.Gallen, und das Stahlbad der Live-Aufführungen, wo immer etwas schiefgehen kann und schnelles Eingreifen mit kühlem Kopf gefragt ist, scheint ihm Gelassenheit gebracht zu haben.

«Innere Verdichtung», bis es keine Räume mehr gab

Im August müssen die Mitarbeitenden den Paillard-Bau im Stadtpark verlassen. Nach 52 Jahren ist eine Generalsanierung nötig und auch ein Erweiterungsbau. Das Theater ist gewachsen, technische Anforderungen haben sich geändert.

Am Theater sind sie erleichtert, dass die Volksabstimmung angenommen wurde. Viel zu wenig Platz für Maske, Garderoben, Werkstätten – das brenne am meisten unter den Nägeln, sagt Georges Hanimann. Ständig habe man Räume im Haus umgenutzt.

«Die innere Verdichtung haben wir hier immer weiter getrieben.» So weit, bis es keine Räume mehr zum Umnutzen gab. Oder die Arbeitsplätze nicht mehr heutigen Standards entsprachen.

Von Winkeln bis Wittenbach: überall Theater

Umgenutzt werden jetzt andere Räume. Zweieinhalb Jahre sollen Umbau und Sanierung des Theaters dauern. Georges Hanimann muss für die Gewerke Ersatzräume finden.

Das Theater verteilt sich in den kommenden drei Jahren quer durch die ganze Stadt: Tonhalle, ehemaliges Fabrikgebäude, Steinerschule, Verwaltungsgebäude des Theaters, vielleicht noch Historisches und Völkerkundemuseum. Zum bestehenden Lager in Wittenbach wird Lagerfläche in St.Gallen Winkeln angemietet.

Klingt kompliziert, ist es auch. Das Theater schafft sich einen zweiten Transporter an, denn es gilt zwischen den vielen Standorten viele Transporte zu bewältigen.

Das Theaterprovisorium wird auf die Wiese vor der Tonhalle gebaut («das war unser Wunsch-Standort, mit direkter Anbindung an die Tonhalle»). Hier kommen Maske, Bühnenmeister, Beleuchtung, Technik, Ton, Video, Requisite sowie Theaterkasse unter.

Knapp drei Kilometer vom Theater entfernt gibt es im Standort Zürcherstrasse Platz für Maskenwerkstatt, Schneiderei und Requisite. Praktisch: nebenan sind die Probenbühnen.

Ins Theater-Verwaltungsgebäude ziehen ein: Operndirektor, Künstlerisches Betriebsbüro, Chorleiter, Assistenten, IT-Abteilung. Für sie werden Sitzungszimmer und Lagerräume in Büros umgewandelt.

Auch die Tonhalle wird zum Theaterstandort: Die Theaterkantine kommt in den hinteren Teil des Restaurant Concerto. Im Foyer und im Basso werden Wände eingezogen für Künstlergarderoben.

Chorprobe nur, wenn das Museum geöffnet ist

Was noch fehlt: Zwei bis drei Räume mit Klavier als Studierzimmer für die Sänger. Für den Opernchor hat Hanimann bereits etwas in Aussicht: Wenn alles klappt, kann der Chor in einem Saal im Historischen und Völkerkundemuseum proben – allerdings nur tagsüber, sonst müsste man extra Betriebspersonal aufbieten.

Und das Tanzensemble? «Die Compagnie wird die Trainings auf unseren Probebühnen durchführen», sagt Hanimann. Zusätzlich wird temporär ein Saal der Steinerschule zugemietet.

Schreinerei, Schlosserei, Malsaal und Tapeziererei bleiben im Theater, auch während des Umbaus. Beim Umzug werden aber auch sie mit anpacken. «Alle Mitarbeitenden werden helfen müssen, da kommt nicht einfach das Zügelunternehmen und füllt uns die Kartons.» Bis Mitte September muss das Theater geräumt sein.

THEATERUMBAU: Aufschwung dank Provisorium

Während am Theater St. Gallen eine Renovation ansteht, die Sänger und Schauspieler zum Auszug zwingt, hat man andernorts schon Erfahrungen mit Provisorien gesammelt. Sie fallen positiv aus.
Rolf.app@tagblatt.ch