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Wo man sich besser nicht verliebt

«Mario», der neue Spielfilm des 1960 in Altstätten geborenen Marcel Gisler («Rosie», «Electroboy») ist grosses Erzählkino mit starken Schauspielern und greift ohne Umschweife ein Tabuthema auf. «Verstehst du nicht, Leon, das geht nicht, wir spielen Fussball, wir wollen Profis werden» – nach etwa einem Drittel der Filmdauer spricht Protagonist Mario (Max Hubacher) den entscheidenden Satz aus. Geknistert hat es in diesen ersten vierzig Filmminuten zwischen dem neu in die U21 von YB gekommenen Stürmer Leon (Aaron Altaras) und dem kurz vor der grossen Karriere stehenden Mario schon lange, und man hatte reichlich Gelegenheit, Marios Umfeld mit Eltern, bester Freundin, Trainer und Spielerberater kennen zu lernen.

Man wundert sich, dass diese Geschichte so noch nie im Kino erzählt worden ist, so vertraut, selbstverständlich und doch fremd kommt sie einem vor. Marcel Gisler und Co-Autor Thomas Hess erzählen sie einfach, geradlinig, ohne dramaturgische Mätzchen. Prompt gab es nach Premiere an den Solothurner Filmtagen denn auch Stimmen von Grosskritikern, die an dieser Geschichte bemängelten, sie sei zu «behutsam», zu «defensiv», ja zu «klassisch» erzählt.

Na und? «Mario» ist ein Film mit einer Story, die ans Herz geht. Die Schweizer Filmakademie gab dem Film Ende Januar für den Schweizer Filmpreis so viele ­Nominierungen wie keinem anderen neuen Film in Solothurn. ­Gisler, mit seinen 58 Jahren und einer fast vier Jahrzehnte umfassenden Filmografie kein junger Wilder mehr, vermeidet hier jegliche Überdramatisierung, lässt sich Zeit in diesem Liebesdrama. Die französische Kamerafrau ­Sophie Maintigneux schafft mit meist ruhigen, langen Einstellungen einen spannungsreichen Kontrast zum hochemotionalen Geschehen.

Ausserdem zeigt Gisler einmal mehr: Er ist einer, der nicht nur erzählen, sondern auch schweizerdeutsche Dialoge schreiben kann, wie nur wenig andere in der Deutschschweizer Filmlandschaft. Erfrischend, aufs Nötigste reduziert und pointiert präsentieren sie sich in diesem Film, der tief eintaucht in ein Milieu, das noch immer zerrissen wird zwischen betonter Toleranz und einem furchtbar altertümlichen Männlichkeitsideal.

Geri Krebs

ostschweizerkultur@tagblatt.ch

«Mario» läuft jetzt in den Kinos. Am 24.2., 19 Uhr ist der Rheintaler Regisseur Marcel Gisler im Kinok St. Gallen zu Gast.

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