Wo Gewinner trinken und Verlierer trocken bleiben

Ebenfalls nach Italien, nach Tricarico in Süditalien, führt der sehenswerte Dokfilm «Padrone e Sotto» von Michele Cirigliano.

Andreas Stock
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Ebenfalls nach Italien, nach Tricarico in Süditalien, führt der sehenswerte Dokfilm «Padrone e Sotto» von Michele Cirigliano. Der 1976 in Zürich geborene Cirigliano reiste für seinen Master-Abschlussfilm an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) in den Geburtsort seiner Eltern, ein 5500-Seelen-Dorf, das er seit den Sommerferien der Kindheit kennt.

Ein Spiel des Lebens

Schauplatz des rund 70minütigen Werks ist eine kleine, schäbige Bar. Hier treffen sich die Männer des Städtchens und spielen Karten. Nicht irgendein Kartenspiel, sondern «Padrone e Sotto» (Herr und Knecht), das sich durch komplizierte Regeln und eine perfide Spielanlage auszeichnet. Es geht darum, mit Glück und den richtigen Allianzen zum Trinken eingeladen zu werden. Die Gewinner dürfen trinken, die Verlierer sitzen auf dem Trockenen. Im Spiel wie im Leben geht es eben darum, wer das Sagen hat. Und eigentlich sind sie beide aufeinander angewiesen, der Herr und der Knecht.

Grosse Gesten, laute Worte

Der Film beobachtet die Männer, lauscht ihren regen Diskussionen und lauten Streitereien. Sehr italienisch ist das, wie der Schafhirte und der pensionierte Krankenpfleger, der Mechaniker und der Bauer hier mit grossen Gesten und starken Worten ihre Freundschaft oder Rivalität verhandeln. Sie erzählen auch ihre Lebensgeschichten, vom Fortgehen und Wiederkommen, von der oft trostlosen Vergangenheit und einer Zukunft, die nicht rosiger zu werden verspricht. Daraus entsteht ein behutsames wie erhellendes männliches Gesellschaftsbild.

Die einzige Frau, die in «Padrone e Sotto» zu Wort kommt, ist die Barbesitzerin Enza. Sie, die in der kalten Jahreszeit hinter der Theke vor einem kleinen Heizstrahler kauert, hat ihre Stammgäste längst durchschaut.

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