Wo gelacht wird, da lass dich nieder

Dass Downing Street Nummer 10 nicht nur menschliche Bewohner hat, sondern auch tierische, das hat die europäische Öffentlichkeit letzte Woche erfahren.

Rolf App
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

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Dass Downing Street Nummer 10 nicht nur menschliche Bewohner hat, sondern auch tierische, das hat die europäische Öffentlichkeit letzte Woche erfahren. Anlass war der Auftritt des abtretenden Premierministers vor dem Parlament, in dem David Cameron mit einem Bild zu beweisen suchte, dass er durchaus Katzenliebhaber sei. Larry, der oberste Mäusefänger in Downing Street, war da auf seinem Schoss abgebildet. Wobei er keinen besonders mäusefängerischen Eindruck hinterlassen hat.

Doch darum geht es hier nicht. Katzen machen bekanntlich, was sie so wollen, ob sie in Diensten ihrer Majestät stehen oder nicht. Katzen sind keine folgsamen Hunde, und weil diese Briten einen wunderbaren Humor haben, gehört eine Katze ins Zentrum ihrer Macht. Friedlich in weichen Sesseln dösend, relativiert sie Tag um Tag, was in den Sitzungszimmern vor sich geht. Ob nun Minister oder Generäle an ihr vorüberziehen, das interessiert sie herzlich wenig.

Dass die Briten über ihren Premierminister und der über einen Kater lachen kann, ist an der Szene im Unterhaus so bemerkenswert. Sie zeigt: Demokraten haben Humor. Den Diktatoren geht diese Eigenheit durchweg ab. Denn Humor schafft Distanz, auch zum eigenen Tun und Wollen. Sie aber kann ein Alleinherrscher am allerwenigsten gebrauchen.

Ob nun im Palast des türkischen Staatspräsidenten auch eine eigenwillige Katze auf Mäusefang geht, entzieht sich deshalb zwar unserer Kenntnis. Gewiss ist aber, dass Lachen dort nichts zu suchen hat.