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Kunst in der Kornschütte: Die Gruppenausstellung "Utopie II - Personal Fit" zeigt Tablettenberge und tanzende Schwule

Gar nicht leicht, elf Künstler in einem Raum zu vereinen. Das Thema in groben Zügen: Wie passt man sich der Zukunft an? Die Antwort – gut eingepasst in die Kornschütte: Mit zwei Köpfen, verträumt, mit viel Chemie, tänzerisch leicht...
Susanne Holz

Utopien sind im Prinzip was Schönes. Sie lassen träumen von besseren Zeiten und besseren Gesellschaften. Ihr Scheitern tragen sie aber stets in sich, sonst würde es nicht heissen: Das ist doch Utopie!, wenn etwas in weiter Ferne scheint. Was sich Künstler unter dem Begriff der Utopie vorstellen – auch Negatives –, das zeigt die gleichnamige dreiteilige Ausstellungsreihe in der Kornschütte Luzern, die letzten November ihren Anfang nahm, Untertitel damals: «Offline».

Nun ist der zweite Teil zu sehen, Untertitel diesmal: «Personal Fit» (der dritte Teil, «Be Loved», folgt im November 2020). Unter dem Patronat der Stadt Luzern ist Visarte Zentralschweiz, der regionale Berufsverband für visuelle Kunst, der Veranstalter. Unter 28 Bewerbern suchte Kurator Urs Sibler, ehemaliger Leiter des Museums Bruder Klaus in Sachseln, elf Zentralschweizer Künstler für Teil zwei aus. Und erneut lautet eine zentrale Frage: Wer ist der moderne Mensch und wer wird er sein?

Pat Treyer fragt sich: Wie ist das Wetter morgen? Beim Grübeln helfen ihr zwei hübsche Köpfe. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 31. Mai 2019)

Pat Treyer fragt sich: Wie ist das Wetter morgen? Beim Grübeln helfen ihr zwei hübsche Köpfe. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 31. Mai 2019)

Urs Sibler macht im Gespräch auf die Passformen aufmerksam, denen man heute genügen muss. Apropos Passform: Auch mit dem Ausstellungsraum Kornschütte sollten die Objekte harmonieren: «Der Raum ist anspruchsvoll. Die Kunst muss mit ihm gehen, sonst gewinnt der Raum», so Sibler. Achim Schroeteler vom Vorstand des Visarte betont, dass man mit der Reihe ein gesellschaftlich relevantes Thema bearbeite.

Monument des Optimierungswahns

Was sich die sieben Künstlerinnen und vier Künstler aus den Kantonen Luzern, Schwyz, Obwalden und Nidwalden sichtbar zu Herzen genommen haben. Mit eigens für die Ausstellung entstandenen oder aber erstmals in der Zentralschweiz gezeigten Werken. Die Jahrgänge der Ausgewählten liegen zwischen 1943 und 1987. Jüngste Künstlerin mit Jahrgang 1987 ist die Luzernerin Miranda Fierz, ältester Künstler mit Jahrgang 1943 ist der Stanser Fredy Odermatt. Kein Wunder, sind nun ganz verschiedene Kunstformen im Raum an der Reuss vereint: Malerei, Fotografie, Druck, Video, Skulptur...

Ein Blickfang, der wie ein zusätzlicher Pfeiler im Raum steht und das Thema sofort auf den Punkt bringt, ist der «Tablettenturm» der gebürtigen Schwyzerin Barbara Gwerder: lauter leere Tablettenverpackungen in einen durchsichtigen Müllsack gepresst. Wie viele Medis braucht der Mensch, um den Ansprüchen seiner Zeit zu genügen?

Richtet man den Blick links vorbei an diesem Monument des Optimierungswahns, und Richtung Reuss, dann fallen die zwei Malereien von Fredy Odermatt ins Auge: In Öl auf Leinwand zeigt der Künstler Abgründiges – einen Narren in Rot-Weiss, der sich auf einer grünen Wiese einigelt und mit einer Mauer umgibt, während dunkle Schatten um Einlass bitten? Zweites Bild: Personen hinter Gittern, und unerreichbar das Fernrohr davor. Diagonal im Raum hängen, fragil wie der Mensch: die zwei hohen weissen Leinwände der Carin Studer. Die eine zart bemalt, der anderen zu Füssen eine schwarze Box, die einen Video offenbart: Wind, der mit Blättern eines Baumes spielt.

Wie viele Medikamente braucht der Mensch, um fit zu sein für seine Zeit? Diese philosophische Frage verpackt Barbara Gwerder in einen baumhohen Abfallsack. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 31. Mai 2019)

Wie viele Medikamente braucht der Mensch, um fit zu sein für seine Zeit? Diese philosophische Frage verpackt Barbara Gwerder in einen baumhohen Abfallsack. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 31. Mai 2019)

Die Barbie, die lieber Pippi ist

Was noch? Die sechs Fotografien an der Fensterfront zur Reuss, von Andrea Suter. Gemalte Wolken? Nein, ungeplante Handybilder «aus dem Hosensack». Die Schöne in Blau mit den zwei Köpfen, von Pat Treyer. Die Barbie, die lieber Pippi ist, von Martin Gut – bereits gekauft von der Stadt. Die Gelenkige vor strahlendem Gelb, die sich allem anpasst, von Miranda Fierz. Die drei Kerne in Rot, Sinnbild für das Werdende? Präzise in Öl gemalt von Heikedine Günther. Der Fussabdruck des Riesen auf dem Boden, von Andreas Weber. Der Koffer mit Kanisterkopf, Freund auf der Reise, von Stephan Wittmer. Und die Projektion «Louis und Zach» von Barbara Hennig Marques: zwei schwule Männer tanzen in die Zukunft.

Martin Gut vereint Gegensätzliches in einer Person: die konforme Barbie mit der rebellischen Pippi. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 31. Mai 2019)

Martin Gut vereint Gegensätzliches in einer Person: die konforme Barbie mit der rebellischen Pippi. Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 31. Mai 2019)

«Utopie II: Personal Fit», Kornschütte Luzern, Kornmarkt 3, bis 15. Juni. Finissage 15. Juni, 11 Uhr. Öffnungszeiten: Mo-Fr, 10-18 Uhr. Sa und So, 10-16 Uhr. www.visarte-zentralschweiz.ch

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