«Klank» in der Frauenfelder Theaterwerkstatt Gleis 5: Wo die Kleinen Klänge entdecken

Rahel Wohlgensinger und Andrea Zuzak proben in der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld ihr neues Stück für alle Menschen ab zwei Jahren.

Dieter Langhart
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Die Musikerin und die Spielerin: Andrea Zuzsak und Rahel Wohlgensinger proben «Klank» in der Theaterwerkstatt Gleis 5.

Die Musikerin und die Spielerin: Andrea Zuzsak und Rahel Wohlgensinger proben «Klank» in der Theaterwerkstatt Gleis 5.

Dieter Langhart

Wenn Sinnlichkeit einen Namen hat, wenn sinnliche Erfahrung einen Namen hat, dann heisst sie «Klank». Nicht Klang, Klank. Daran kann man sich reiben, dar­auf soll man sich aber einlassen, wenn man zwei Jahre oder älter ist. «Klank» geht also alle an, Gross und vor allem Klein. «Klank» ist ein Projekt über das Lauschen und Horchen, das uns nur so staunen lässt, wenn wir uns eine Probe anhören, oben unterm Dach der Theaterwerkstatt Gleis 5 in Frauenfeld.

Ausgeheckt hat es die Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger, mit auf der Bühne ist die Musikerin Andrea Zuzak, ein ganzes Team sorgt für die Technik, Regie führt Andrea Kilian. Bereits mit dem Stück «Flow» haben Wohlgensinger und Ki­lian einen Nerv getroffen, sind an Festivals und in Theatern im In- und Ausland aufgetreten. «Ein Theater für die Kleinen muss bestechend einfach und doch spannend sein», sagen sie, «unbedingt sinnlich, bildstark und rhythmisch ausgefeilt». Also eine «Herzensangelegenheit».

Klang – unverändert und unverfälscht

Sinnlich erfahrbar ist «Klank» und nicht über den Intellekt. Auf der Bühne stehen und liegen lauter Dinge aus der Natur: Steine und Äste, Laub und ein Wurzelstock, Tannzapfen und Knäckebrotscheiben. Unbearbeitet, also nicht geschält oder geschnitzt oder behauen. «Die unbearbeitete Form befördert den vollen Klang und somit die von uns gewünschte sinnlich-physische Klangerfahrung, sagt Rahel Wohlgensinger. Und sie zitiert John Cage: «Ich liebe Klänge so, wie sie sind. Ich möchte einfach nur, dass sie Klang sind.» Der Klang muss also nichts sein, ­alles ist Musik, Rahel Wohlgensinger bringt als Spielerin die Materialien zum Klingen, zum Schwingen, zum Resonieren. Wie zufällig entstehend Rhythmen, die Spielerin vertieft sich in Wiederholungen und Variationen von Klängen und Rhythmen, versinkt horchend im ­Material.

Während sie in «Flow» eine Geschichte erfunden hatte, bewegt sie sich hier von der Stille zum Klang und zurück zur Stille; die Dramaturgie entsteht aus den Klängen. 30 Minuten fällt kein Wort, «Klank» erzählt die Geschichte eines horchenden Menschen. Denn der Hörsinn ist unser erster Sinn und unser letzter, wenn wir die Welt verlassen. «Klank» ist, wie schon «Flow», für alle Menschen ab zwei Jahren gedacht, also nicht nur für Kinder, sondern ebenso für Erwachsene. Wohlgensinger nennt es eine ästhetisch-kulturelle Bildung, die unabhängig vom Alter sei. Doch gerade Kinder brauchten die Erfahrung von Theater. Sie will mit Andrea Zuzak behutsam unser aller Sinne führen.

Weidenruten peitschen, Blätter wie Feuer klingen lassen

Doch wie gehen die beiden mit der geringen Aufmerksamkeitsspanne von Kindern um? «Es gibt Schüchterne und Forschende, aber alle nehmen einfach auf, was sie hören und sehen und sind ganz ernst», sagt Wohlgensinger. Eng arbeitet das Team in der Probenphase mit Kitas zusammen («ein hartes Publikum»), gibt den Kindern im Foyer Materialien zum Ausprobieren, lässt sie drinnen Klänge nachmachen.

Einmal peitscht die Spielerin Weidenruten und zaubert wie zufällig orangerote Lichtformen an die Wand; dann zerreisst sie ganz sachte trockene Blätter, dass sie wie Feuer klingen, oder trommelt auf dem Holzstab, der einer Waage gleich auf der Bühne steht. Die Musikerin ist auch Geräuschemacherin, begleitet das Spiel mit wiederkennbaren oder überraschenden Klängen. Und dann ist wieder Stille: Stille, die nie leer ist.

«Klank»
10.1. Uraufführung/Festivaleröffnung «Netzwerk prima», Theater Purpur, Zürich
4./8.3. Theaterwerkstatt Gleis 5, Frauenfeld
www.puppenspiel.ch